Laut der Internetsuchmaschine ist eine der Definitionen für Glück „angenehme, freudige Gemütsverfassung“. Besonders diese Erläuterung des Begriffs hat mich direkt angesprochen, denn so habe ich mich in den letzten Wochen meiner Rehabilitation gefühlt.
Dass ich noch einmal so viel tiefempfundenes Glück erleben darf, hätte ich nicht erwartet. Im Zuge meiner inneren Zufriedenheit und dem Selbstbewusstsein, die ich durch diesen Aufenthalt in der Kurklinik erfahren durfte, hat sich in mir ein unbeschreibliches Glücksgefühl ausgebreitet.
Eigentlich bin ich für mich oft dagegen, Vergleiche zu anderen Menschen zu ziehen. Besonders, wenn es darum geht, eher bei den anderen das Positive zu sehen und sich selbst in einen schlechten Schatten zu stellen – vergleichbar mit den Worten der Eltern, die in der Kindheit oft sagen „Nimm dir mal ein Beispiel an..“, „Guck mal, was der/die schon alles kann..“. An sich ist das ja gut gemeint – es soll anspornen und zeigen, dass andere es auch hinbekommen – ich also auch. Es gibt allerdings oft zwei Seiten der Medaille, denn dem Kind suggeriert dies unbewusst „Ich genüge nicht“.
Mir sind viele Menschen mit dieser kindlichen Fessel hier begegnet. Menschen, die meine Eltern sein könnten, haben fast gar keine Anzeichen von Selbstbewusstsein und meistens eher das Gefühl, nicht zu genügen. Passen sich endlos an, um zu gefallen.
Doch im Vergleich mit den anderen Menschen, habe ich meine Stärke wiedergefunden. Ich habe mich selbst wieder lieben gelernt. Ich bin zufrieden mit mir, wie ich meine bisherigen Herausforderungen gemeistert habe. Ich fühle mich in mir, mit mir und um mich herum wohl. Ich habe ein tolles soziales Umfeld, das mir Kraft gibt, weiterzumachen. Mut macht, meinen Weg zu gehen. Den Raum gibt, so zu sein, wie ich wirklich bin.
Und ich bin eben anders. Ich habe mir mein inneres Kind bewahrt, pflege es und dadurch verspüre ich so viel Freude und Offenheit, die ich in die Welt hinaustrage.
Mein Herzmensch hat mir schon oft gesagt, dass ich ein wundervoller Mensch bin. Ich fühlte mich immer geschmeichelt, habe es aber nicht voll und ganz so empfinden können.
Und dann… plötzlich… legt sich ein Schalter in mir um und da ist sie. Diese Zufriedenheit. Dieses Glück. Und die ganze Liebe. Ich fühle mich wie ein Rasensprenger, der in alle Richtungen Glück und Freude versprühen möchte. Das nehmen auch die Menschen um mich herum wahr.
Nachdem ich etwas später in den Gruppensitzungen vom Tod meines Sohnes erzählte und offen darüber sprach, wie schwer das alles war und auch jetzt noch zwischenzeitlich ist, habe ich dennoch gezeigt, wie lebenswert das Leben ist. Wie glücklich ich bin, meinen Herzmenschen gefunden zu haben, der zu mir passt wie der Deckel auf den Topf.
Ich habe hier so viele Menschen offensichtlich berührt und eine Menge Rückmeldung bekommen. Viele haben großen Respekt vor mir, dass ich, trotz allem, noch ein so positiver Mensch bin.
Es ist wahrhaftig nicht leicht, das Glück stets zu sehen und zu spüren. Viele Menschen sind bestrebt, Großes zu erreichen. Sie werden oft schon von Kind auf dazu ermutigt, etwas ganz Besonderes zu sein oder zu werden. Ich hatte auch andere Vorstellungen für mein Leben; dachte, dass ich mein Glück ausschließlich in meiner Partnerschaft und meinem Beruf finden würde. Doch nach all den Erfahrungen der letzten Jahre, habe ich für mich herausgefunden, dass MEIN GLÜCK nicht nur in den großen Dingen steckt. Nein. Es sind viel mehr die kleinen Dinge des Lebens. Die Frühlingssonne, die alle Lebewesen und Pflanzen erweckt. Der laue Wind, der über die Haut weht. Die Musik, die mich auf so viele Arten bewegt. Gutes Essen, das ich selbst mit viel Hingabe zubereitet habe oder eben in einem Restaurant serviert bekomme. Ein herzhaftes Lachen. Ein liebevoller Kuss, der noch so richtig kribbelt im Bauch. Eine herzliche Umarmung. Liebe Worte. Natur. Stille. Alleinsein. Zusammensein. Sein.
Es gibt so vieles im Leben, das glücklich macht.
Ich gebe zu – an meinen dunklen Tagen, ist es für mich ein Kraftakt, das Glück zu erkennen. Da ist diese dunkle, schwere Kraft in mir, die mir die Leichtigkeit nimmt und die mich am Boden hält. Es fühlt sich an wie Klebstoff unter den Schuhen, der mit jedem Schritt, der mich davon befreien soll, zäher und fester wird. Ich muss viel Energie aufwenden, um mich davon zu lösen. Irgendwann habe ich dann für mich festgestellt, dass ich meine Kräfte einteilen muss, mich nicht immer gegen diese Dunkelheit wehren muss. Denn meistens ist dieser Klebstoff wasserlöslich – sprich, sobald ich Tränen vergieße, löst sich diese Schwere und Dunkelheit von ganz allein und ich befreie mich auf eine andere Weise davon. Und dann fühlen sich die Tränen auch wieder wie ein Stückchen vom Glück an – denn sie führen dazu, dass ich mich wieder in einer „angenehm freudigen Gemütsverfassung“ befinde.
