Jeden Tag. Ich kann sie manchmal kaum ordnen. Wie kleine Murmeln, die in einer Drehscheibe ihre Runden drehen. Immer mal wieder vor der Linse landen und gesehen werden.
Dieses kleine Menschenkind setzt so viel in mir frei. Noch mehr, als sowieso schon ständig in mir arbeitet. Seit sein großer Bruder nicht mehr am Leben ist, gehe ich ja vieles bewusster im Leben an. Besonders mein Konsumverhalten. Nachhaltigkeit. Umweltschutz. Was kann ich als einzelner kleiner Mensch für einen Beitrag leisten? Ich empfinde mein Handeln als einflussreich, wenn auch manchmal nur im Kleinen. Doch wenn das viele einzelne Menschen denken und umsetzen, kommt am Ende was großes bei heraus. Kennt man ja. Mit dem stetigen, immer mehr wachsenden Verzicht auf Plastik und Einweggegenstände ist meine Denkerbse gut beschäftigt. Hier und da schnappe ich Informationen und Inspirationen auf, die ich für mich sorgfältig abwäge. Kann ich das für mich (schon) umsetzen?
Bereits vor über sechs Jahren habe ich begonnen, auf PET-Wasserflaschen zu verzichten. Damit fing alles an. Schnell nutzte ich Glasbehältnisse zum Aufbewahren. Verzichtete unterwegs auf den Kaffee zum Mitnehmen, sondern trank ihn vor Ort. Und es nahm seinen Lauf. Ich wurde immer bewusster beim Einkaufen. Holte nur noch Lebensmittel, die ich auch wirklich verbrauchen konnte – mit Ausnahmen… die bestätigen ja nunmal die Regel. Besonders die Therapiezeit war für mich eine Herausforderung was Verschwendung von Lebensmitteln und Produktion von Müll anging. Es war teilweise einfach nicht zu vermeiden und in erster Linie hatte da das Wohl meines Sohnes die Priorität.
Auch mit der Entscheidung mir Dreadlocks zu machen, habe ich mir und der Umwelt einen Gefallen getan. Während dies nun meine Frisur ist und ich mich wohl damit fühle, trage ich eine Teil zum Umweltschutz bei. Vorher wusch ich mir täglich die Haare, verbrauchte Unmengen an Stylingprodukten. Nun genügt eine wöchentliche Haarwäsche. Meinen Anspruch musste ich jedoch herunterschrauben – nach etlichen Versuchen, Haarseifen für mich zu etablieren, bleibe ich doch bei einem Shampoo aus der Flasche hängen. Hier schaue ich dann eben auf das Ergebnis und mein Wohlbefinden.
Das Handling ist für viele nachhaltige Gegenstände des Alltags entscheidend. Kann ich das in meinen Alltag problemlos integrieren und erfordert es zu große Umstellung (zur Zeit)? Denn nach und nach habe ich Dinge in meinen Bestand aufgenommen, die ich noch vor einiger Zeit nicht ausprobieren wollte/konnte. Dabei fiel mir immer wieder auf: Alles hat seine Zeit. Immer ein bisschen mehr zum Schutz der Umwelt. Jedes kleine Stückchen Müll, das ich einspare, ist ein Gewinn.
Denn ich schaue dieses kleine Menschenwesen an und frage mich, wie seine Zukunft auf diesem Planeten aussehen wird. Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen. Ihm vorleben, dass wir Müll trennen. Dass wir Lebensmittel und Gegenstände wertschätzen. Dass wir nicht einfach alles wegwerfen, sondern schauen, was wir reparieren können. Dass wir respektvoll mit Menschen, Tieren und der Natur umgehen.
An manchen Tagen ist es anstrengend, so viel darüber nachzudenken. Was ich einkaufe. Wo es herkommt. Dann fühle ich mich schlecht, weil ich eben nicht vegan lebe – was ja offenbar das Nonplusultra im Umwelt-Klima-Tierschutz ist. Ja.. ich versuche auf vieles schon zu verzichten. Bewusster und regionaler und saisonal zu konsumieren. Warum zum Teufel sollte ich im Winter Erdbeeren essen? Hatte ich als Kind auch nicht. Warum muss immer alles verfügbar sein? Warum sollte ich Äpfel aus Neuseeland kaufen?
Ja, ich möchte meinem Kind eine ausgewogene Vielfalt bieten. Soll es doch mit den ganzen tollen Geschmäckern der Welt groß werden. Wir leben in einem Land, das lebensmitteltechnisch so viel zu bieten hat. Aber muss ich das auch alles wahrnehmen? Muss ich zu jeder Zeit im Jahr Südfrüchte konsumieren? Muss ich jeden Tag Wurst- und Fleischwaren aus Massentierhaltung essen? Ich muss gar nix, klar. Darum kaufe ich es nicht. Dennoch sehe ich, was in der Ernährungswelt für Kinder schon für ein reichhaltiges Angebot gemacht wird – das ich einfach nicht bereit bin zu bezahlen. Unser Kind bekommt das, was wir essen. Kindgerecht. Doch ist das eben nicht immer ausgewogen und kunterbunt. Denn ich sehe einfach nicht ein, ständig das Obst und Gemüse aus entfernten Ländern zu kaufen – nicht zu jeder Jahreszeit.
Ob ihm dadurch etwas fehlen wird? Ich weiß es nicht. Darüber denke ich viel nach. Ob er an irgendeiner Stelle einen Mangel entwickeln wird. Ich mache mir täglich bewusst, was wir zu uns nehmen. Biete Obst und Gemüse der Saison an. Kann nicht verkehrt sein. Denke ich. Denn unser Kind wächst – und wie! Entwickelt sich prima. Bekommt weiterhin Muttermilch (wodurch wir auch enorm Geld und Müll einsparen).
Darüber hinaus leben wir mit ihm seit seinem 4.Lebensmonat windelfrei. Und wenn, dann eben mit Stoffwindeln als Backup. Es erfüllt uns mit enormen Stolz, dass wir so eine gute Ausscheidungskommunikation mit ihm haben und gleichzeitig massenhaft Müll einsparen. Mal ganz abgesehen von Geld. Kleidung aus Secondhand. Pflegeprodukte ohne (Mikro-)Plastik. Nachhaltige Lösungen mit Kind – so gut, wir eben können.
Dieser bewusste Weg ist aufwändig. Er erfordert viele Gedankengänge, Zeit und Nerven. Das ist wohl mit ein Grund, warum ihn viele nicht gehen. Aus der Komfortzone heraus und den einfachen, schnellen Weg öfter mal zu verlassen, erfordert tatsächlich auch Mut und Energie. Energie, die viele nicht (mehr) haben – durch so viele Einflüsse und Herausforderungen von außen.
An manchen Tagen bin ich auch einfach nur müde. Will nicht ständig über all das nachdenken. Was es nun mit der Umwelt macht, wenn ich doch etwas in Plastik verpackt kaufe. Wenn ich doch vergessen habe, beim Bäcker meinen Stoffbeutel zu nutzen. Ob ich nun doch ein Sünder bin, weil ich mal das Bio-Hackfleisch aus der Kühltheke nehme. Ja, dann nagt das schlechte Gewissen an mir. Doch dann sage ich mir auch: Ich sehe es, was ich da gerade tue. Nehme das bewusst wahr. Schaue dennoch, dass ich das bessere Hackfleisch nehme. Dass ich die Brötchentüte vom Bäcker noch für den Biomüll verwende. Dass ich die Getränkeverpackung so klein, wie möglich für den Wertstoffsack falte. Besonders jetzt – in neuer Wohnumgebung. Da muss sich erst alles finden. Doch hier ist es noch mehr möglich, nachhaltig und regional einzukaufen, was mich ganz enorm freut!

Ich muss mir an diesen sündhaften Tagen einfach immer wieder vor Augen halten, was wir für uns schon alles umsetzen. Dass wir es immerhin versuchen – wo wir gerade können. Und dass wir es stetig verbessern und ausweiten. Luft nach oben ist ja immer. Aber darf ich bis dahin nicht den Auftrieb verlieren.
