
Guter Hoffnung. Das waren wir die letzten Wochen.
Unerwartet hatte sich eine kleine Seele bei mir eingefunden und wollte sich, trotz Drei-Tage-Fieber, Vollstillen und Schlafmangel, zu uns in das Familienleben einfügen.
Ich spürte wieder diese ganze Achterbahnfahrt, die mit einem positiven Test einhergeht: Absolute Freude, übersprudelndes Glück und Vorfreude auf das, was kommen wird. Ein neues Leben. Zwar früher, als wir es vorhatten, aber wir nahmen es so an. Ein kurzer Altersabstand würde intensiv, aber machbar sein. Denn man wächst mit seinen Aufgaben.
Natürlich, da war auch Respekt, Angst, Unsicherheit. Bleibt es diesmal? Diese eine frühe Fehlgeburt hatte Spuren hinterlassen. Nein, das Leben kann mir doch nicht wieder so einen Verlust zumuten. Ich lies mich von den lieben Worten und der Hoffnung meines Umfelds tragen. Sprach über meine Gedanken, wenn ich mich fragte, ob ich das alles hinbekommen würde. So fordert mich mein Mini-Mensch doch schon ordentlich im Alltag. Doch ich baute darauf, dass er sich noch verändert, dass ihm ein Geschwisterchen sogar gut tun würde. Wird es auch.
Doch mein Bauchgefühl, meine Intuition ließen keine Ruhe. Ich fühlte mich nicht schwanger, so, wie ich es in den ersten Wochen bisher immer erlebte. Jede Schwangerschaft ist anders, sagte ich mir immer wieder. Vielleicht habe ich dieses Mal auch einen entspannten Weg vor mir, ohne Beschwerden – kommt mir mit Kindchen sehr entgegen.
Ich durfte rund drei Wochen nach dem positiven Test das Herzchen auf dem Monitor schlagen sehen. Auch wenn es etwas zurückdatiert wurde, glaubte ich an das kleine Böhnchen im Bauch.
Eine Hebamme hatte ich schnell gefunden und schon alles Nötige besprochen. So schnell in diesen Zeiten eine Hebamme zu finden – das war für mich ein gutes Omen.
Diese diffuse Gefühl, dass diese Schwangerschaft anders ist, dass vielleicht etwas nicht stimmen könnte, ließ mich einfach nicht los. Dieses Wechselbad aus angstbehafteter Unsicherheit und hoffnungsvoller Zuversicht war schwer auszuhalten. Ich hatte bereits das Gefühl, durchzudrehen.
Eine weitere Kontrolle brachte nun die Gewissheit: Das Herzchen hat aufgehört zu schlagen. Kein Embryo war mehr zu sehen, es löste sich bereits alles auf. So sehr ich es ahnte, so sehr hatte ich auch gehofft, es würde nicht eintreten. Doch offenbar ist mein Bauchgefühl immer wieder zuverlässig. So sicher, wie ich mir war, wieder schwanger zu sein, so sicher war ich also auch, dass diese Reise nur von kurzer Dauer sein würde.
Die Natur hat es geregelt. Sie hatte ihre Gründe. Sicher sehr gute. Ich lasse ihr auch jetzt diese Regelung und gebe meinem Körper und meiner Seele Zeit, von diesem kleinen Leben Abschied zu nehmen. Ohne Eingriff. Er wird das schon hinbekommen, da bin ich sicher.
Wieder habe ich ein Kind verloren. Wieder hat ein Herz aufgehört zu schlagen. Es ist traurig, sehr sogar. Dennoch bin ich gefasst. Denn ich habe dieses kleine schlagende Herz in diesem wundervollen warmen, kleinen, weichen Körper neben mir liegen. Das Leben hat mir wieder dieses Wunder geschenkt, das in einigen Tagen bereits ein Jahr unseren Alltag verzaubert. Es hilft ungemein, sich an diesem kleinen Menschen satt zu sehen, denn es zeigt mir, dass es möglich ist. Dass mein Körper in der Lage ist, ein Leben zu erschaffen, auf die Welt zu bringen und zu ernähren.
Das Glück wird uns bestimmt irgendwann noch einmal hold sein – denn da ist noch ganz viel Platz und Liebe für einen weiteren kleinen Menschen.
Nun verabschiede ich mich in aller Ruhe von dieser kleinen Seele, die den Weg in die Freiheit finden wird.
