Nudelholz

Heute kam das kleine Minimenschlein mit einem kleinen Nudelholz angelaufen, das er in unserem Backutensilienschrank gefunden hat. Ich nahm ihn auf meinen Schoß und zeigte ihm, wie es richtig benutzt wird. Er schaute sich diesen Gegenstand genau an. Immer wieder schön zu sehen, wie er die Welt entdeckt. Und dann sagte ich zu ihm, dass wir in einem halben Jahr damit gemeinsam den Keksteig für die Weihnachtsplätzchen ausrollen können. Dass er dann ja noch mehr kann, sich bis dahin noch ordentlich verändert.

Und dann rollte mit dem Nudelholz diese kleine Erkenntnis an mir entlang. Veränderung. Dieser kleine Mensch wird in einem halben Jahr wieder ganz anders sein, als heute. Und wir erkennen jetzt schon täglich, was sich da in ihm tut. Wieviel Persönlichkeit sich da entwickelt. Wieviele neue Fähigkeiten er dazulernt. Kein Tag ist wie der andere – was manchmal eine Herausforderung ist, aber doch gleichzeitig das schönste Abenteuer.

Und mit ihm verändern wir uns auch. Als Eltern. Als Paar. Gerade jetzt ist dies so ein Thema bei uns. Bedürfnisorientiertes Familienleben ist ein wundervoller Weg – aber auch intensiv. Wir merken, wie sehr diese Elternschaft für den kleinen sensiblen Menschen unser Zusammenleben prägt. Und wenn dann auch noch eine hochsensible Mutter in dieser Konstellation steckt, die schon fast zu emphatisch handelt – dann führt das auf Dauer zu einem Ungleichgewicht in der Bedürfnisbefriedigung. Ja.. ich habe nun endlich so richtig erkannt, an welchen Schrauben ich bei mir noch einmal drehen darf. Denn blöderweise wiederholen sich Dinge aus der Vergangenheit. Und ich bin da eben der gemeinsame Nenner. Ich konnte es für mich schon gut erkennen – worüber ich absolut froh bin. Mithilfe meiner Therapeutin entwickelte ich nun Strategien, meine überaus große Empathie sinnvoll einzusetzen. Und vor allem: nicht nur für die anderen. Auch wenn ich es im Grunde immer wusste – es umzusetzen, ohne schlechtes Gewissen.. Neuland für mich.

Denn sonst treibt mich dieser Alltag in die riesige Erschöpfung und Unzufriedenheit. Ich darf für mich auch ganz gerne mal Verständnis aufbringen und auch an mein Wohl denken – gar nicht so einfach. Ich darf genauso sagen, wenn ich etwas brauche und möchte. Ich erkenne es meistens sehr gut bei anderen. Mein Problem war bisher immer die Erwartungshaltung, dass die anderen das doch sicher genau so gut bei mir erkennen, wie ich bei ihnen. Pustekuchen! Wenn ich etwas will oder nicht will, muss ich das äußern. Und das darf mein Herzmensch ebenfalls. Ist ja schon groß und kann das aussprechen. Aber zwischen können und können liegt manchmal doch ein kleiner Unterschied.

Kommunikation ist schon ein komplexes Gebilde. Alle wissen, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen – doch die wenigsten bekommen es richtig gut hin. Emotionen und persönliche Erfahrungen spielen mit hinein und erschweren das ganze oft noch zusätzlich. Da werden manchmal mit bestimmten Worten und Sätzen beim Gegenüber Sachen wachgerüttelt und hervorgekitzelt, die gerne im Verborgenen geblieben wären. Die deutlich den Spiegel vorhalten und sagen: Hier darfst du nochmal reinschauen – da gibt’s noch was zu tun, wenn’s ein bisschen runder laufen soll.

Veränderung. Ja, da stehen wir nun auch vor. In kleinen Schritten, nach und nach. Damit jeder seine Bedürfnisse gleichermaßen (so gut es eben geht) gestillt bekommt. Es wird aufregend, aufwühlend. Doch wenn wir es behutsam für alle gestalten, fühlt es sich vielleicht eher wie ein vorfreudiges Kribbeln an, auf das, was da noch alles Positives kommt.

Familie bedeutet stetige Veränderung und Anpassung. Ein fortwährendes Abwägen und Ausloten. In Beziehung und Verbindung stehen. Nur gemeinsam können wir das schaffen – da steht jeder in der Verantwortung.

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Ich denke an das Nudelholz. An Weihnachten. In einem halben Jahr – wie wird da wohl alles sein? Ich bin gespannt.

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