Manchmal gleicht meine dünne Haut schon fast Pergament. Dann, wenn meine Grundbedürfnisse nicht gut gestillt sind. Besonders Schlaf. Mit dem wenigen Schlaf durch das Minimenschlein habe ich mich gut arrangiert. Manche Nächte haben es dann doch noch mehr in sich und sind am Ende nur wenig erholsam. So, dass ich kaum Antrieb am nächsten Morgen habe. So, dass mir alles schwer fällt. Der Alltag. Das Lachen. Das positive und optimistische Denken. Da ist dann ganz viel Dunkelheit im Kopf, die manchmal schwer zu durchdringen erscheint. Nur wenige Lichtstrahlen können sie erhellen. Und das nagt dann noch mehr an mir. Hab ich doch so viel Gutes um mich herum. Doch der Schlafmangel wirft mich leider oft in dieses dunkle Tal. Nicht umsonst ist Schlafentzug als Foltermethode bekannt, höre ich meinen Herzmenschen sagen.
Von außen ist leicht zu sagen: Leg dich doch ein wenig hin, wir kümmern uns um dein Kind. Ja.. ich könnte es versuchen. Doch spüre ich sehr genau, was mein sensibles Kind braucht. Und wenn der Alltag auch für ihn mal durchbrochen wird, alles neu und ungewohnt erscheint – dann braucht er mich noch mehr. So versuche ich eben einfach vieles andere drumherum liegen zu lassen. Dann konzentriere ich meine Energie mehr auf ihn und mich. Damit wir diesen Tag schaffen, der sich an eine unruhige Nacht reiht. Gelingt mir mal mehr, mal weniger gut.
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Manchmal ist es eine Herausforderung, hochsensibel zu sein. Aber auch ein Geschenk. Doch manchmal, wenn dann dieser Schlafentzug meine Haut noch dünner macht, meine Sinne noch empfänglicher – wenn einfach die Reizfilter noch schlechter funktionieren, als eh schon – dann verhalte ich mich für mein Umfeld vermutlich merkwürdig. Nicht sehr sozial. Dann bin ich in mich gekehrt. Vermeide oft sogar den ständigen Augenkontakt bei der Konversation, weil ich dann einfach zu viel von meinem Gegenüber sehen und wahrnehmen würde. Es ist so, dass ich in den Augen meines Gegenüber vieles erkennen kann – mehr, als er mir sagt. Manchmal genügen mir die Geräusche, Gespräche und Gerüche, die meine feinen Antennen in Schwingung versetzen. Ich spüre, welche Stimmungen im Raum liegen, die ich nicht zu meinen machen darf – was mir an diesen Tagen dann besonders schwer fällt. So ziehe ich mich in Gesellschaft öfter zurück, um irgendwie nicht zu überreizen. Um mich im ganzen Wusel der Reize und Eindrücke nicht zu verlieren. Richtig gut fühle ich mich mit diesem Weg noch nicht – denn meinem Umfeld mache ich es damit nicht einfach.. denke ich. Nicht mit allen kann ich offen darüber sprechen. Nicht immer möchte ich das Gefühl in einer Gruppe haben, ich sei zu empfindsam.
Ja, ich bin hochsensibel, feinfühlig, empfindsam. Nehme vieles wahr und leider noch oft in mir auf, auch wenn ich das eigentlich nicht will. Es ist schwer, vielen zu erklären, was mit einem los ist, wie man so strukturiert ist – denn oftmals ist es für viele unverständlich und nicht nachvollziehbar. So nach dem Motto: Ich solle mich doch einfach nur nicht so anstellen. Ich müsse mir ein dickeres Fell zulegen und so weiter.
Ja, das klingt einfacher, als es ist. Den Aus-Schalter für meine feinen Antennen habe ich leider noch nicht gefunden. Mit dem Wissen um meine Hochsensibilität habe ich bereits einen enormen Schritt zu mir selbst gemacht. Ich weiß nun endlich, warum ich so bin, wie ich bin. Warum ich schon immer irgendwie anders war und mich ganz oft falsch unter Menschen gefühlt habe. Ich lerne immer mehr meine Grenzen kennen, die momentan natürlich noch oft übergangen werden, weil mein kleiner Mensch mich so braucht. Ja, es gäbe sicher Möglichkeiten, mich zu entlasten. Danach schauen wir auch jeden Tag. Ich bekomme guten Input von therapeutischer Seite, bei der ich mich völlig öffnen darf und ein ganz objektiver und professioneller Blick drauf geworfen wird. Vielleicht stehe ich mir an manchen Stellen auch selbst im Weg. Aber ich arbeite an mir. Jeden Tag. Mit meinem Rucksack. Mit meiner Hochsensibilität. Mit dem Schlafmangel.
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Manchmal würde ich diese Tage dann gerne schnell hinter mich bringen. Aber besonders solche Tage ziehen sich dann wie Kaugummi. Die Zeit scheint kaum zu vergehen und ich verliere mich fast in der Dunkelheit. Doch das Gefühl, von meinem Herzmenschen verständnisvoll angenommen zu werden mit meinem düsteren Begleiter. Das Gefühl, von meinem Minimenschlein so gebraucht zu werden. Diese Liebe und Annahme zu erfahren.. das gibt mir Kraft und Zuversicht. Auch wenn die Perspektive an diesen Tagen dunkel erscheint und der Gedanke daran, nur eine Last zu sein, sehr laut wird. Ich weiß dann auch, dass es wieder besser wird. Hoffentlich am nächsten Tag. Oder am übernächsten.
Denn manchmal ist es einfach alles doof. Und dunkel. Und anstrengend. Aber es wird auch wieder besser.
