Morgens, halb zehn..

.. und die ersten Tränen fließen bereits. Bei mir. Heute bin ich also mal schneller, als der kleine Mensch.

Der Morgen beginnt für mich schmerzhaft. Nachdem der gestrige Tag bereits genauso begann und endete, ist leider über Nacht nur wenig Erholung und Linderung eingetreten. Ja, mein Körper streikt hin und wieder aufgrund der vielen Unterbrechungen in der Nacht, dem vielen Tragen meines sensiblen Kindes und den viel zu wenigen Momenten der richtigen Erholung und Ruhe. Ich jammere nicht. Ich beschwere mich nicht. Es ist eben gerade so. Und ich bin stetig dabei, meinen Tagesablauf so zu gestalten, dass kleine Oasen und erholsame Momente für mich dabei sind.

Heute also brauche ich erst einmal wieder eine gewisse Zeit, bis mein Körper annähernd einsatzbereit ist. Ich spüre die Müdigkeit in meinen Augen. In meinem Kopf. In meinen Knochen. Nur ein paar Minuten nachdem ich aufgestanden bin, meldete sich der kleine Mensch. Er klingt gar nicht glücklich darüber, dass ich bereits das Bett verlassen habe und wieder ein neuer Tag beginnt. Heute fällt Dir der Übergang also mal wieder schwer, denke ich so bei mir, während er sich unzufrieden hin und her wälzt und meine sanften Worte nicht auf Anklang stoßen. Die letzten Tage verliefen morgens recht entspannt und ich war sehr erstaunt, dass ihm der Start in den Tag sichtbar leichter fiel. Doch heute morgen ist es wie immer. Oder sagen wir besser wie bisher. Ein kleiner unzufriedener Mensch am Morgen war bisher die Regel und ich hatte mich daran gewöhnt, einfach still am Bett zu sitzen und darauf zu warten, bis der morgendliche Sturm vorüber ging und er in meine Arme fiel. Denn Worte und Berührungen, zu schnelle Bewegungen oder Änderungen der Umgebung brachten das Fass immer zum Überlaufen. Nun denn. Fingerspitzengefühl scheint heute wieder sehr gefragt zu sein – ich spürte es bereits. Ob im Umgang mit meinem Kind, als auch im Umgang mit mir selbst. Keine hohen Erwartungen oder Ansprüche.

Die morgendlichen Abläufe sind schnell gekennzeichnet von einem kleinen Menschen, der seine Autonomie ausleben möchte. Manchmal entgegen der Vorstellung seiner Mama. Geduld und Kreativität sind wieder mal gefragt, wenn es um Kleidung anziehen und Toilettengänge geht. Du möchtest heute wieder viel selbst entscheiden.. das ist gut, denke ich so bei mir. Auch wenn es mich heute morgen sehr herausfordert, da es mir selbst nicht gut geht. Ich versuche es ihm so gut es geht zu ermöglichen, denn seine Integrität ist mir so wichtig.

Ich komme in eine Küche, die mir noch das vorabendliche Chaos präsentiert. Überall steht etwas herum. Die Gerüche des Geschirrs steigen in meine empfindliche Nase. Meine routinierten Handgriffe am Morgen werden etwas erschwert, auch weil eine Komponente fehlt. Und schon geht die Achterbahnfahrt im Kopf los. Meine nächste Denkstation ist der Dienstplan meines Herzmenschen, der mich daran erinnert, dass er früher zum Dienst muss. Mögliche Einkäufe und Erledigungen ploppen in meinem Kopf auf. Mein hungriger Magen meldet sich. Der Aufsteh-Schmerz verstärkt sich mit dem kleinen Menschen auf dem Arm. Ich verschütte Wasser. Ich stoße mich zusätzlich.

Eindrücke, Reize, ungefiltert, verstärkt. Meine Stimmung kippt. Die graue Wolke im Kopf zieht auf und bringt negative Gedanken mit sich. Was für ein blöder Morgen. Das kann ja ein Tag werden. Nix funktioniert mal wieder. Wie soll ich das bloß alles schaffen heute?

Mein Herzmensch hat erkannt, dass der Start für seine beiden Sensibelchen nicht so prickelnd läuft. Ein kurzer Wortwechsel zwischen uns wird bereits vom kleinen Menschen unterbrochen, der eine Unterhaltung zwischen seinen Eltern gerade ganz und gar nicht gut findet. Die Stimmung steigt wie ein Luftballon und wir brechen an dieser Stelle ab, sammeln uns erstmal.

Ich beschäftige mich mit dem Minimenschlein und versuche nebenbei herauszufinden, ob ich die fehlende Komponente an diesem Vormittag besorgen kann. Oder besser mein Herzmensch. Eine weitere Nachricht flattert in mein Gehirn, dass etwas anderes nicht funktioniert hat. Na toll, jetzt muss ich mich darum auch noch kümmern! Wann soll ich das noch machen? Mit einem kleinen unzufriedenen Zwerg heute?

Mein Gehirn implodiert. So sage ich es auch meinem Herzmenschen und entschuldige mich bei ihm für die doofe Stimmung am Morgen. Zu viel Reiz in zu kurzer Zeit für mein müdes Gehirn. Für einen Moment streiche ich all die To-Dos und setze mich zu meinem Kind. Spiele mit ihm. Er braucht mich so, das spüre ich. Und dann fließen die Tränen bei mir. Mein Sohn schaut mich an und reagiert leidvoll auf mein weinendes Gesicht. Du kleiner sensibler Mensch, denke ich. Ja, auch Mama ist mal traurig, wenn Dinge nicht so funktionieren, wie ich es mir wünschen würde, sage ich zu ihm. Er fällt mir in die Arme und animiert mich direkt zum Spielen. Mein Herzmensch kommt hinzu und nimmt mich in den Arm, mit diesem sanften Blick, der mir immer wieder sagt Hey, alles ist gut, ich bin bei dir.

Der Druck, die Anspannung und das Chaos in meinem Kopf fließen mit den Tränen davon. Der Sturm ist vorüber. Die Wolken lichten sich etwas. Ich finde für meine Verhältnisse wieder schnell in die Spur. Und dann versuche ich geordnet an die Aufgaben des Tages zu gehen. Nehme mir den Druck noch einmal selbst etwas raus. Delegiere. Spare mir Energie. Lege den Fokus auf das Wesentliche.

Nur weil der Tag chaotisch begonnen hat, muss er ja nicht so bleiben. Ich mache das Beste daraus und versuche das Gute zu erkennen.

Und ein Gutes an diesem Morgen ist, dass wir diesen Sturm gemeinsam schnell überwunden haben.

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