...da lachen wir über all das hier.
Wie oft ich diesen Satz bereits gesagt in meinem Leben. In herausfordernden und anstrengenden Zeiten. Als ich manchmal das Gefühl hatte, es wird irgendwie einfach nicht besser oder leichter.

Wenn ich nun also zurückblicke, auf diese Zeit vor einem Jahr, dann hat sich natürlich ganz viel getan, ganz viel verändert. Und auch wenn ich weitere Jahre zurückblicke, sehe ich, dass einiges leichter geworden ist. Das ich leichter geworden bin – mit all dem Ballast in meinem Rucksack.
Ich sehe, wie sich meine Trauer verändert hat. Als mein Sohn starb, hatte ich ganz gewiss nicht diesen Satz im Kopf – denn wie soll ich Bitteschön darüber lachen, dass mein Kind gestorben ist? Über die Tatsache seines Todes werde ich auch niemals lachen können, auch wenn es mir leichter fällt, dies zu akzeptieren. Doch über sein Leben, über ihn als kleinen Menschen mit unmenschlicher Kraft und Lebensfreude – ja, darüber kann ich lachen. Wie oft lächele ich, wenn ich an viele seiner kleinen Eigenheiten und Wortschätze denke. Wie oft lächele ich vor Dankbarkeit, dass ich diesen kleinen Menschen begleiten durfte – während sich meine Augen mit Tränen füllen. Ein lachendes und ein weinendes Auge.
Wenn ich nun also darauf schaue, wie es mir vor einem Jahr erging. Als das kleine Herzenskind gerade mal ein halbes Jahr alt war. Es waren andere Herausforderungen zu dieser Zeit. Vieles ist leichter geworden mit seiner Entwicklung. Wir können uns immer besser verständigen – an manchen Tagen bin ich wirklich verwundert, wieviel so ein kleiner Mensch bereits versteht. Doch wie immer hat Kommunikation auch ihre Tücken und dann sehe ich, dass Sender und Empfänger eben auch mal nicht so ganz harmonieren. Sicherlich sind die Gedanken und selbstgemachten Probleme von vor einem Jahr gewichen. Dafür haben sie anderen Platz gemacht. Immerhin ist mein ganzer Körper nach einem weiteren Jahr noch mehr gezeichnet vom Schlafmangel und ich spüre, dass einige Tage dazwischen für mich nicht ganz so leicht sind. Die Konzentration lässt manchmal zu Wünschen übrig, die Verspannungen und Kopfschmerzen erschweren den Alltag. Doch während ich vor einem Jahr kaum Möglichkeit hatte, mal etwas zu verschnaufen – da das kleine Menschenkind ausschließlich mich um sich haben wollte – zeichnet sich nun peu a peu etwas Freiraum für mich ab. Ja, meine beiden Männer werden ein immer besseres Team und ich sehe jeden Tag, wie fest das Band zwischen ihnen wird. Es ist so wundervoll zu sehen, dass mein Herzmensch in der Vaterrolle aufgeht und wie toll unser kleiner Mensch mit ihm harmoniert. Ich lerne mich Stück für Stück aus der Überverantwortung zu lösen – was mir ab und an noch schwer fällt. Denn es hat mein bisheriges Leben bestimmt. Diese vielen Jahre im gewohnten Denk- und Handlungsspektrum sind nicht von heute auf morgen abgelegt und verändert. Doch ich habe tolle Unterstützung dabei, ohne die ich es allein wirklich (noch) nicht so gut schaffen würde.
Also ja: ich lache ein wenig, wenn ich daran denke, wie es noch vor einem Jahr lief. Aber nicht aus Hohn darüber, wie klein und nichtig meine Probleme zu dieser Zeit waren. Nein. Denn es hatte alles seine Berechtigung zu dieser Zeit – war ich doch geistig und körperlich in einer anderen Verfassung. Nein, ich lache vor lauter Glück und Zufriedenheit. Denn ich habe es bis hierhin geschafft. Bin gewachsen an all den Herausforderungen. Ich wachse unaufhörlich weiter in der Arbeit an mir – denn so vieles von diesen gewohnten und alten Marotten hat mich unnötig klein gemacht. Ich habe mich immer klein gemacht, obwohl ich doch so viel schon in meinem Leben geschafft habe.
Und vielleicht sollte ich in herausfordernden Zeiten das Lachen nicht auf das nächste Jahr schieben. Vielleicht sollte ich es eben genau in diesen Zeiten nicht vergessen – denn mit einem Lächeln im Gesicht werden doch auch die schwersten Zeiten wieder ein Stückchen leichter.
