Ich war nicht bereit.
Tief in mir drin.
Ich wusste es nur noch nicht.
Jetzt weiß ich es.
Mein Körper ist schon wahrlich faszinierend. Die Natur und das Leben ist beeindruckend. Ich sitze hier und werde von Erkenntnis und Gefühlen überrollt. Es macht mich ehrfürchtig und andächtig, was mir in meinem bisherigen Leben passiert ist. Wieder mal.
Zum sechsten Mal in meinem Leben sah ich nun diese zwei Striche auf einem Test. Nur knapp zwei Monate nach der kleinen Geburt, wollte mein Körper offenbar wieder neues Leben erschaffen. Für mich kaum zu glauben, dass es so schnell geht, zog die Einsicht bei mir ein, dass mein Herzmensch und ich ziemlich fruchtbar zusammen zu sein scheinen. Ich spürte es wieder, wenn auch dieses Mal anders. Den Test machte ich für mich als Bestätigung und als Handhabe – denn ich wusste, diese Reise würde kurz sein.

Freude war nicht wirklich da. Denn die derzeitige Ausgangslage fühlt sich nicht passend für einen weiteren kleinen Menschen in unserer Mitte an. So sehr sich mein Herz wünscht, noch einmal diese spannende Reise mitzumachen und so sehr ich spüre, dass da noch Platz ist – jetzt gerade wäre es nicht gut. Manch einer würde sagen (und auch habe das schon oft gesagt): Eigentlich passt es doch nie so richtig rein. Und viele wären dankbar dafür, überhaupt einmal schwanger werden zu dürfen. Doch das sind die Anderen. Das bin nicht ich in meiner derzeitigen Lebenssituation. Vollkommen ausgelastet mit Herzenskind und angeschlagenem Ehemann. Mit dem Großteil der Verantwortung für den Alltag. Ich arrangiere mich schon sehr lange mit meiner Erschöpfung und konnte zwischendurch immer wieder aufatmen. Auch jetzt gibt es neue Begegnungen in meinem Leben, die mich aufladen und aus denen ich wahnsinnig viel Kraft schöpfen kann. Doch es reicht eben momentan noch nicht, meine leeren Akkus so sehr zu laden, dass ein neues Leben entstehen kann.
Und mein Körper hat es wieder erkannt. Nicht mal eine Woche nach dem positiven Test setzten bereits wieder Schmierblutungen ein. Keinerlei Schwangerschaftssymptome mehr zu spüren. Ich spürte, dass sich die kleine Seele wieder verabschiedet hat und mein Körper Stück für Stück, ganz sanft, das Programm Schwangerschaft zurückfuhr. Nach eineinhalb Wochen als ich einen Regenbogen am Himmel sah und kurz darauf positiv testete, war die Reise wieder vorbei. Und entgegen der letzten drei Schwangerschaften – die meines Herzenkindes eingenommen – spüre ich nun keine Angst mehr. Wie unsicher und ängstlich war ich sonst die ersten Wochen, seitdem ich wusste, ich war schwanger. Die erste Fehlgeburt hatte da große Spuren hinterlassen. Doch mit jeder kurzen Schwangerschaft und kleinen Geburt wuchs immer mehr Vertrauen in mein Bauchgefühl und meinen Körper. Denn er weiß, was er da tut und entscheidet schon gut für mich. Ich habe keine Angst mehr, diese kleinen Seelen gehen zu lassen, wenn es so bestimmt ist. Ich kann mit diesen Verlusten umgehen. Doch wenn ich nun eines weiß, dass mein Körper sich erholen darf. Dass ich ihn wieder richtig gut aufbauen und stärken darf. Denn das hat er verdient, bei all den Wundern die er vollbringt. Und dafür hole ich mir noch mehr Unterstützung hinzu und beschreite neue Wege.
Diese Fehlgeburten ließen jedes Mal das Gefühl in mir zurück, ich war seelisch noch nicht bereit für ein weiteres Kind. Sicher spielte das auch mit hinein. Doch nun erkenne ich, dass ich körperlich und mental kaum Ressourcen hatte und noch habe, um dieses Abenteuer noch einmal zu bewältigen. Leben erschaffen findet auf so vielen Ebenen statt.
Es tut mir Leid, kleine Seele. Dass ich nicht bereit war. Doch Du wusstest es vor mir und hattest Deine Reise kurz geplant. Danke für die Erkenntnis, die Du mir hier gelassen hast. Danke für diese kleine Geburt, die mich wieder ein Stück neu geboren hat.
