Nenne fünf Dinge, in denen du gut bist.
Zunächst muss ich sagen: Selbstkritik beherrsche ich im Schlaf. Die meiste Zeit bin ich ziemlich gut darin, zu sehen, was ich nicht gut kann. Vielleicht ein Überbleibsel aus der Schulzeit, wo ich bestrebt war, beste Leistungen abzuliefern. Aber das zähle ich jetzt nicht zu diesen fünf Dingen.
Zu sehen, worin ich gut bin und das auch zu verkörpern, fällt mir oft noch schwer. Manches, was ich zu denen Dingen zähle, die ich gut kann, empfinde ich oft als Segen und Fluch zugleich:
- Einfühlungsvermögen: Ich kann mich ziemlich gut in andere hineinversetzen und -fühlen. Muss da nur immer gut auf mich achten und die Schwere der anderen nicht zu meiner machen.
- Weitblick und verschiedene Perspektiven einnehmen: Geht auch ein Stück in den ersten Punkt mit hinein. Tatsächlich lerne ich schon seit der Kindheit sehr durch die Erfahrungen anderer mit. So kann ich in vielen Bereichen sämtliche Möglichkeiten abwägen. Daraus ergeben sich oft viele Ideen und Lösungen, wenn ein PROblem auftritt – ob bei mir oder anderen. Vor allem in Konfliktsituationen hilft mir das, nicht zu einseitig zu schauen und Verständnis für alle Seiten aufzubringen.
- Schreiben: Mittlerweile kann ich meine Art zu Schreiben zu den Dingen zählen, die ich gut kann. Ich kann das mit den Worten. Und daraus möchte ich künftig noch mehr machen, um eventuell sogar beruflich Fuß zu fassen.
- Kümmern: Lag mir schon in der Schulzeit ganz gut, weil immer den Blick für das Wohl der anderen und mit meiner Ausbildung in der Krankenpflege hab ich meine Fähigkeit zur Fürsorge dann nochmal beruflich zertifiziert, sozusagen. Diese hochsensible Wahrnehmung ist hier wieder Segen und Fluch zugleich, denn ich sehe schnell, was andere gerade bräuchten – komme aber schnell bei mir in einen Mangel, wenn ich es übertreibe. Durfte ich schmerzhaft vor mehr als zehn Jahren mit meinem ersten Kind spüren, das an Krebs erkrankte. Und auch heute, als neurodivergente Mutter eines neurodivergenten Kindes, ist es eine Gratwanderung mit den Ressourcen.
- Erinnerungsvermögen: Manche sagen, ich hab ein Gedächtnis, wie ein Elefant. Ich kann mich an sehr weit zurückliegende Situationen in meinem Leben erinnern, auch mit recht genauem Zeitstempel. Was Du Dir alles merkst. Meistens bleiben stark emotional behaftete Situationen sehr nachhaltig hängen. Aber auch für Zahlenreihen, Geburtstage und Adressen ist mein Gedächtnis ganz ordentlich ausgelegt. Find ich grundsätzlich auch ziemlich cool – aber so manch schwierige Erinnerungen würde ich dann gerne mal aus meinen Gehirnwindungen schreddern können.
