Jemals? Kann ich jetzt noch nicht sagen.

Was war die schwerste Entscheidung, die du jemals treffen musstest? Warum?

Mich stört ein wenig das Wort ‚jemals‘. Denn ich weiß noch nicht und hoffe, keinen schwereren Entscheidungen treffen zu müssen, als in meinem bisherigen Leben.

Aber da bin ich vielleicht etwas kleinlich.

Auf diese Frage schoss mir sofort eine Situation in meinem Leben in den Kopf, die wohl alles bisher übertroffen hat:

Ich musste entscheiden, wo mein Kind sterben würde.

Als ich erfuhr, dass mein Kind wegen eines frühen Rezidivs seiner Krebserkrankung nicht mehr lange zu leben hatte, musste ich mit seinem Vater gemeinsam entscheiden, ob der kleine Mensch eine lebensverlängernde Therapie in einer 500km weit entfernten Klinik erhalten sollte, um dort zu sterben – denn er hätte die Therapie nur dort erhalten können. Oder wir hatten die Option, ihn mit nach Hause zu nehmen und ihm seine letzten Lebenswochen mit der Unterstützung eines SAPV so schön wie möglich zu gestalten.

Wir entschieden uns für Letzteres – und ich habe es nicht bereut.

Also all die Entscheidungen während der intensiven Therapie waren kein Zuckerschlecken und eine Gratwanderung – denn all die Wirkungen und Nebenwirkungen der Behandlung musste mein Kind aushalten. Und auch die Entscheidungen, wo und wie ich mein Kind beerdigen wollte, waren kein Spaziergang.

Aber tatsächlich empfinde ich momentan diese Entscheidung, wo er sterben sollte, als eine der, die unsagbar schwer waren – vermutlich unter dem großen Schock und der gnadenlosen Ausweglosigkeit über das  bevorstehende Ende seines viel zu jungen Lebens.