Reden – schreiben und sprechen

Warst du schon einmal auf der Bühne gestanden oder hast eine Rede gehalten?

Vor anderen zu sprechen, begann ich schon recht früh – wenngleich ein Vorlesewettbewerb an der Schule sicher nicht als typische Rede betrachtet werden kann. Die Situation, vor vielen Zuschauern und Zuhörern zu sprechen, und schließlich noch mit einer Gewinnerurkunde herauszugehen, hat mich jedoch nachhaltig bewegt.

Von all den Vorträgen während der Schulzeit abgesehen, bei denen ich unwahrscheinlich Freude in der Vorbereitung und Ausführung hatte, hielt ich meine erste, richtige Rede zur Entlassungsfeier meines Abiturjahrgangs. Als erwählte Jahrgangssprecherin durfte ich abschließende Worte zu den vergangenen Jahren sprechen und erhielt im Anschluss sehr viel positives Feedback zu meiner Rede.

Die nächste, große Rede hielt ich auf keiner Bühne – sondern auf der Beerdigung meines eigenen Kindes. Als wir seine Trauerfeier vorbereiteten, war mir von Beginn an klar, dass niemand anderes einige Worte sprechen sollte, als wir Eltern. Bei seinem Vater war ich mir zunächst nicht sicher, ob er auch sprechen wollte bzw.konnte – aber schließlich standen wir beide wahnsinnig nervös und traurig vor den Trauergästen, mit dem Sarg unseres Kindes daneben, und sprachen ein paar Worte, die unserem verstorbenen Kind gerecht wurden.

Zehn Jahre nach der Beerdigung meines Sohnes, wurde mir die traurig-schöne Ehre zuteil, für meinen jungen, verstorbenen Schwager die Lebensrede zu schreiben und zu sprechen. Und auch, wenn Trauerfeiern keine große Bühne darstellen, bewirkte das Szenario, vor vielen Menschen zu sprechen, wohl sehr ähnliche Reaktionen im Körper: Nervosität, die sich am Körper zeigte durch Erröten und Zittern; die sich innerlich spürbar machte durch Herzrasen und dem Wunsch nach einem Sauerstoff-Zelt, denn oft ging mir beinahe die Luft aus.

Bei jeder kleinen und großen Rede,  klammerte ich mich an meine Worte auf dem Zettel vor mir und versuchte vor lauter Aufregung in einem gemächlichen Tempo zu sprechen. Die Rückmeldungen waren stets positiv und standen beinahe konträr zu meiner Wahrnehmung. Doch ich denke, es werden nicht die einzigen Reden bleiben, die ich in meinem Leben noch sprechen werde.

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