Erzähle uns von deinem ersten Tag – in der Schule, an der Arbeit, als Elternteil usw.
6.Juni 2012. Fünf Tage vor meinem 23.Geburtstag wollte mein erster Sohn also geboren werden. Die Wehen waren da – nach etlichen Fehlalarmen und wochenlangen Übungswehen. Krass, was ein weiblicher Körper so kann.
Während ich Wehen veratmete, wie kollektiv im Geburtsvorbereitungskurs geübt, schwinden die Kräfte. Ich wusste zwar theoretisch, was mich bei einer Geburt erwarten würde – doch was mein Körper da unter dem Einfluss der Hormone so machte, überwältigte mich. Ich war in der Annahme: Ich bringe mein Kind spontan zur Welt – aber was genau ist daran eigentlich spontan, wenn man stundenlang auf die Öffnung eines Körperteils wartet, das sich von nicht mal einem auf zehn Zentimeter dehnen soll? Soll Frauen geben, da war das Tür auf-Tür zu. Bei mir mussten scheinbar erst sämtliche Schlösser geöffnet werden – und die Schlüssel hatte ich verlegt.
Schließlich kamen Interventionen: Wehenhemmer. PDA. Fruchtblase eröffnen. Kaiserschnitt. Mittendrin ich im Hormoncocktail meines jungen Lebens und dem tiefen Wunsch, diesen kleinen Menschen gesund und munter in den Armen halten zu können.
Dann war er da. Geboren mit fremder Hilfe und irgendwie nicht ganz so aus eigener Kraft. Alles ging so schnell und ich hatte mir das anders vorgestellt – für uns beide. Dieses ausgelieferte Gefühl auf dem OP-Tisch, während nebenan mein erstes Kind den abrupten Wechsel der Räumlichkeiten beweinte – heiße Tränen liefen mir über die Wangen und keine Möglichkeit, sie abzuwischen.
Schließlich: Mein Kind in meinen Armen. Faszination. Den habe ich gebaut? Ich konnte mich nicht satt sehen. Mein Herz lief über. Mein Handyspeicher ebenfalls.
…
Erst Einbettzimmer. Ununterbrochen Baby bewundern. Unterleib noch taub von der PDA. Ich bin jetzt also Mutter. Aber wie soll ich den kleinen Menschen versorgen? Ich kann nicht aufstehen. Brauche bei allem Unterstützung. Ich möchte allen dieses Baby zeigen! Ich will schlafen. Ich kann nicht schlafen – alles so aufregend. Hallo? Ich habe ein Kind. Wie verrückt ist das?
Mitten in der Nacht schließlich: Zweibettzimmer. Oder eher: Vierbettzimmer – immerhin auch zwei Babybettchen dabei. Wir beiden Mamas gebeutelt vom Kaiserschnitt. Wird ein Baby wach und weint, werden alle wach. Mein Unterleib wird wieder spürbar. Schlauch in der Blase – unangenehm. Kaiserschnittnarbe – schmerzhaft. Aufrichten – schwer. Ich mache Mikrobewegungen im Bett. Irgendwie alles wund. Mein Sohn schläft noch viel, friedlich. Ich kann kaum schlafen, weil ich nichts verpassen will. Wie lange bin ich eigentlich schon wach? Oh, da bekommt jemand Hunger – ich rufe die Schwester, damit ich ihn zum Stillen anlegen kann. Komisches Gefühl. Liegt er richtig? Wird er satt? So ganz intuitiv ist das nicht, wie sie alle sagen – hab das Gefühl, das nicht richtig zu machen. Krass – da kommt Kolostrum! Mein Körper kann das, worüber wir im Kurs gesprochen haben. Hey mein Sohn – ich hoffe, Dir geht’s gut und ich kann Dir eine gute Mama sein. Ich bin jetzt Mama. Irre.
