Was ist dein Traumjob?
In der Kindheit wechselten meine Berufsvorstellungen mit jedem Jahr. Schaut man in die Freundschaftsbücher, war ich breit aufgestellt: Von Komikerin (weil ich gerne und gut Otto und andere Komiker imitierte) bis hin zur Bankkauffrau (weil „mach was mit Geld“ : O-Ton mein Vater), war vieles dabei.
Mit ungefähr 15 Jahren entwickelte ich mein Spezialinteresse für forensische Medizin. Angefangen bei den biologischen Vorgängen der unterschiedlichen Verwesungsprozesse bis hin zur Psychopathologie von Serienmördern – ich las und schaute alles, was ich finden konnte. Meine schulischen Leistungen in der 10.Klasse ließen Hoffnung aufkeimen, dass ich mein Abitur im Anschluss schaffen und somit einen Zugang zu einem Medizinstudium bekommen könnte.
Ja.
Dann kam das Leben dazwischen.
Long story short: Mein Abischnitt reichte nicht, ich machte eine Krankenpflege-Ausbildung in der Psychiatrie und wollte so Erfahrung sammeln, um später das heißersehnte Medizinstudium antreten zu können – mit dem Ziel, in die Rechtsmedizin zu kommen.
Das Paradoxon: Ich hatte bis dato nur mal tote Tiere gesehen, aber nie einen toten Menschen. Das änderte sich in meiner Ausbildung. Und es machte was mit mir. Da waren Berührungsängste. Die vielen Horrorfilme, die ich mir oft mit ansehen musste, hinterließen keinen hilfreichen Eindruck vom Tod.
Ich hatte sogar ein Stipendium in der Tasche. Absicherung. Eine Perspektive. Dann kam mein erster Sohn ungeplant ins Leben und mit ihm die Erfahrung: Kind bekommt Krebs. Kind stirbt an Krebs. Und da verlor ich gänzlich die Berührungsängste mit dem Tod. Diese Erfahrung hat mich tief geprägt und gestärkt. So sehr, dass mir schnell klar war: Aus all diesen Erfahrungen werde ich später etwas machen.
Ich wog ab: Medizinstudium? Keine Chance. Zu viel für mein System. Alternativen? Obduktionsassistenz? Bestattungsfachkraft? Der Tod reizte mich beruflich einfach. Und die Gewissheit: Gestorben wird immer – ich würde nicht arbeitslos sein.
Beruflich bin ich noch nicht weiter. Aber die Lebenserfahrung wiegt das Ganze auf. Ich habe grobe Ideen, was ich aus meinen Fähigkeiten und Erfahrungen machen könnte. Es wird mit Sterben, Tod und Trauer zu tun haben – denn darin bin ich gut aufgehoben und kann anderen hoffentlich später eine Stütze sein. Ich kann Schreiben und gut sprechen. Daraus wird sich was machen lassen.
Meine Zeit wird kommen.

3 Antworten zu “Irgendwas mit Tod”
Wie wäre es mit Hospiz? Eine, meiner besten Freundinnen ist Leiterin eines mobilen Hospizdienstes. Es geht ums Leben und ums Sterben, damit umgehen können, trösten, begleiten. Bei deiner Erfahrung kann ich mir das gut vorstellen .
Liebe Grüße
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Diese Richtung halte ich mir auch offen. Eine Fortbildung in diesen Bereich steht schon auf meiner Wunschliste. :)
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Ich war 20 Jahre im Saarland Trauerrednerin. Da ich auch ein Kind hergeben musste, um das ich 30 Jahre getrauert habe, konnte ich das gut. Dafür gab es eine Gruppe in Bamberg, mit denen ich mich austauschen konnte – eine Art Weiterbildung. Ich war sehr erfolgreich und bekam sogar noch mal einen Anruf, als ich schon in Bad Homburg lebte, was ich narürlich nicht mehr wahrnehmen konnte. Das wäre doch auch etwas für dich!!!
Liebe Grüße von Gerel!
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