Fusseln (puzzeln). Sockonade (Schokolade). Radnader (Radlader). Poffelhei (Kartoffelbrei). Siek (Musik). Dumme Tiefel (Gummistiefel). Hiekhöte (Schildkröte). Nanehatt (Bananensaft). Paffee (Kaffee). Tehts (Keks). Belb (gelb). Nina (lila). Ransch (orange). Pamewa (Kamera). Nume (Blume). Ahbärn (Erdbeeren). Piwi (Kiwi). Minnepudding (Vanillepudding). Hetoson (Telefon). Hartig (fertig).
Hietnatz (Spielplatz).

Deine Wortschätze. Ich habe sie mir damals notiert, da sie so speziell und eigen waren. Sie waren deins. Ich lese sie heute. Nach acht Jahren, als du das Licht der Welt erblickt hast. Nach knapp fünf Jahren, als dein Licht wieder erloschen ist.
Ich lese deine Wortschätze und lächele. Denn ich habe deine Stimme dabei im Ohr. Sehe dein Gesicht, wie es sich beim Sprechen mitbewegte. Ein paar Worte auf Papier und du bist direkt wieder ganz nah. Ich sehe dich vor mir herumtapsen. Dein kleines dreijähriges Ich. So behalte ich dich in Erinnerung.

Heute also, vor acht Jahren, bist du auf diese Welt gekommen. Hast mich zum ersten Mal zur Mutter gemacht. Du hast viel verändert. In mir. In den Menschen, die mit uns in Verbindung standen. Bei einigen bewegte sich mehr, bei anderen weniger. Mir hast du ermöglicht, das zu erkennen. Alles um mich herum bewusster wahrzunehmen. Besonders in der Zeit, als dein schwerer und gemeiner Begleiter gefunden und bekämpft wurde. Du hattest eine harte Aufgabe in deinem jungen Leben. Es war eine riesige Herausforderung, dich dabei zu begleiten. Doch tat ich es gern. Angetrieben von der unendlichen bedingungslosen Liebe für Dich. Die bis heute und vermutlich alle Ewigkeit anhält.
Ich bin so stolz auf dich. Du hast mir eine Stärke gezeigt, die ich in diesem Ausmaß vorher nicht gesehen habe. In dir und in mir. Du hast mir die Welt mit deinen Augen gezeigt und mich damit reicher gemacht. Hatte ich dafür doch fast den Blick verloren in meinem getriebenen Erwachsenendasein.
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Ich sitze hier. Einen Tag vor deinem achten Geburtstag. Mit deinem kleinen Bruder schlafend an meiner Seite. Mit Tränen in den Augen. Mit unendlicher Sehnsucht im Herzen. Du bist so fern und doch wieder so nah. Deine Geburt ist mir so präsent, auch weil gerade erst die deines Bruders Revue passierte. Weil gerade erst eine kleine Geburt hinter mir liegt… Ich bin emotionaler Wackelpudding. Dieser Gedanke, dass du mir deinen kleinen Bruder geschickt hast, lässt mich mal wieder nicht los. Denn alles, was in den letzten Tagen und Wochen passierte, ergibt immer wieder Sinn für mich. Vor acht Jahren, als du geboren wurdest, als ich Mutter wurde, begann diese Reise. Diese Reise, die mich immer weiter in mein Innerstes führt. Zu mir hin. Ich verabschiede mich immer mehr von alten Gewohnheiten und Programmen, die mich so viele Jahre gequält haben. Ich rücke mein Befinden immer mehr in den Fokus und versuche dafür einzustehen. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne mich anderen gegenüber schlecht und verantwortlich zu fühlen. Doch es gelingt mir noch nicht ganz. So wie heute – treibt es mich in ein Meer aus Tränen. Denn ich bin dünnhäutig. Wegen der Müdigkeit. Wegen der Erschöpfung. Wegen der vielen Liebe in meinem Herzen. Wegen der Sehnsucht.
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Deinen achten Geburtstag feiere ich wieder anders. Jeder weitere deiner Geburtstage ohne dich verläuft in einem anderen Rahmen. Und das ist okay. Meine anfänglichen Rituale fühlen sich nicht mehr richtig für mich an. Ich feiere dich nicht mehr in großen Taten, sondern im Herzen und mit Worten. Und das ist okay. Alles ist genau richtig, wenn ich aus meinem Herzen heraus handele. Und dort bist du. Da ist dein kleiner Bruder. Da ist mein Herzmensch. Und da sind andere liebe Menschen. Alle teilen sich diesen Platz in meiner Brust. Was bin ich doch reich.
Happy Birthday, mein großer Junge auf deiner Wolke.
In unendlicher Liebe
Deine Mama
