Ich bin Mutter und Hausfrau. Zur Zeit. Obwohl. Irgendwie bin ich das wohl für den Rest meines Lebens.
Für viele Menschen klingt es nach nichts, wenn ich sage, dass ich daheim bin. Mich gerne um mein Kind kümmere. Den Laden am Laufen halte. Denn leider ist es heutzutage und schon seit vielen Jahren so verankert in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, dass der Job Hausfrau&Mutter nur wenig Ansehen und Würdigung findet.
Urteile und Meinungen sind ja schnell gefällt.
Wie? Sie ist nur Hausfrau und Mutter?
Nur?
Ernsthaft?
Wie in allen Bereichen haben die schwarzen Schafe offenbar ein Bild in den Köpfen geformt, worin die Individualität völlig verloren geht. Klar, der Mensch macht es sich im Denken einfach und braucht ja irgendwie die Schubladen, um seine empfindliche Denkerbse zu schützen. Und während bereits im Kindesalter die Kategorisierung beginnt und an manchen Stellen für meinen Geschmack völlig daneben läuft, wünschte ich mir, dass viele Menschen viel mehr die Denkerbse wirklich benutzen würden. In die Tiefe schauen, nur für einen Moment. Versuchen, sich hineinzuversetzen, nur für einen Moment. Ein Blick hinter die Kulissen könnte so manches Vorurteil entkräften.
Nun denn.
Ich bin also momentan nur Hausfrau und Mutter. Mit einem sehr sensiblen Kind daheim. Das kleine Menschenkind, das ich nicht zu meiner Erleichterung vor die Flimmerkiste setze, damit ich in Ruhe mit meinem Handy spielen kann – so, wie es viele Menschen von Müttern daheim wohl erwarten. Pustekuchen. Ich habe da eine Verantwortung und eine Lebensaufgabe. Ich investiere meine Energie und Aufmerksamkeit jeden Tag mit größter Hingabe, trotz schwindender Ressourcen, in diesen Mini-Menschen. Und darin, meine Familie gesund zu erhalten. Und darin, all das daheim pfleglich zu behandeln, damit wir lange daran Freude haben werden. Wenn ich mir vorstelle, dass viele Familien, bei denen beide Eltern in Vollzeit arbeiten gehen, all das irgendwie auch machen sollen – das kann nicht funktionieren. Irgendetwas bleibt dabei auf der Strecke. Und leider ist das eben oft die gesunde Ernährung, die Pflege des eigenes Heims und vielleicht sogar der Beziehung zu Familienmitgliedern. Sicherlich können wir Menschen viele Aufgaben bewältigen und unser Gehirn ist dahingehend wirklich wunderbar konzipiert. Dennoch ist es erschöpfend und der Drang in unserer Gesellschaft, alles immer weiter zu optimieren, führt meines Erachtens in keine gesunde Richtung für die Menschen.
Mein Herzmensch und ich haben bewusst diese Aufteilung gewählt, bei der sich jeder nach seinen Stärken und Fähigkeiten in dieses Familienleben einbringt. Und unser kleines Herzenskind zeigt uns jeden Tag deutlich, dass wir es so gut gewählt haben. Er braucht viel von mir. Er braucht noch viel Ruhe daheim, um diese Welt begreifen zu lernen. Er braucht Flexibilität von seinen Bezugspersonen in so vielen Bereichen, die leider keine Kindertagesstätte in der Umgebung gerade möglich machen könnte. Und wir sind damit glücklich. Vor allem profitiert unser kleiner Mensch sehr davon – das spüren wir.
Sicherlich hat auch jede schöne Aufgabe mal ihre unschönen Seiten. Tage, an denen es einem alles zum Hals raushängt und ein Urlaub notwendig wäre. Ja, mein hochsensibles Gehirn könnte auch mal eine kreative Pause brauchen oder etwas Abwechslung. Ich bin mehr als nur Mutter und Hausfrau – das weiß ich. Ich bin ein Mensch mit vielen Fähigkeiten und Interessen, mit vielen Emotionen und Gedanken. Ich habe gerne in meinem Beruf gearbeitet, wenn die Bedingungen passten. Ich freue mich sehr auf meine Weiterbildung und meine spätere Arbeit im neuen Beruf. Ich freue mich, wenn ich meinen Hobbies mal wieder nachkommen kann.
Aber all das ist jetzt nicht dran. Für all das habe ich jetzt keine Energie, keine Muße, keine Zeit. Jetzt sind meine Aufgaben als Mutter enorm wichtig. Jetzt benötige ich meine Energie, um unser kleines Familienleben gut am Laufen zu halten. Und das reicht mir auch. Das bisschen Sehnsucht und Wehmut an vereinzelten Tagen nach Abwechslung gehört eben dazu. Deswegen bin ich trotzdem erfüllt mit diesen Aufgaben. Und vor allem: Ausgefüllt.
