Solche und solche Tage

Tage, die sich an unruhige Nächte anschließen.

Tage, an denen die Sonne scheint, das herrlichste Wetter vor der Tür wartet und ich habe keine Energie. Keine Kraft zu mobilisieren, mein nähebedürftiges Kind durch die Natur zu tragen. Mein innerer Schweinehund hat damit rein gar nix zu tun – der ist immer aktiv. Doch ich muss eben auch haushalten mit meinen Ressourcen.

Tage in Zeiten von Entwicklungssprüngen.

Tage ohne Mittagsschlaf. Mit einem so wissenshungrigen Kind, das vor lauter Neugierde auf die Welt nicht schlafen kann.

Tage, an denen so viele Emotionen von drei Menschen innerhalb kürzester Zeit aufeinandertreffen.

Tage, an denen der kleine Mensch in unserer Mitte so viel von uns braucht, dass wir zu zweit manchmal an unsere Grenzen kommen. Und darüber hinaus gehen. Müssen. Immerhin haben wir kein Dorf um uns herum.

Tage, an denen so viele Gegenstände durch die Luft fliegen, weil die Wut irgendwo aus dem kleinen Körper heraus will.

Tage, an denen ich so an meine Grenzen komme, weil sich einige Zeit zuvor so viel angehäuft hat. An äußerer und innerer Arbeit. Ich vieles tragen musste. Und ich dann spüre, dass ich eigentlich eine Pause gebrauchen könnte. Doch sie liegt in weiter Ferne. Manchmal. Wenn ich nicht über meinen Schatten springe und sie mir selbst einfordere.

Tage, die gerne manchmal einfach nur zu Ende sein dürfen. An denen ich doch mit einem nicht ganz so zufriedenen Gefühl ins Bett gehe, vielleicht mit Tränen im Gesicht – weil es für mein hochsensibles Wesen eine starke Herausforderung ist. Es ist herausfordernd, so viel wahrzunehmen, so viel zu spüren. Ich übe mich täglich daran, das von anderen nicht zu meinem zu machen. Doch meine Haut ist dünn – durch Schlafmangel und wenige Pausen zwischendurch.

Tage, an denen ich mich gedanklich mit etwas anderem beschäftigen möchte als meiner derzeitigen Aufgabe. Und meistens, genau dann, benötigt mein Kindchen noch mehr von mir. Da frage ich mich dann: Was will mir das Leben damit manchmal sagen? Ist es gerade einfach noch nicht an der Zeit für etwas anderes? Falsches Timing?

Und während einige Tage -für sich oder auch in der Gesamtheit- alles von mir abfordern. Während ich mich selbst ständig sagen höre Ich kann langsam nicht mehr. Weil einfach sehr anstrengende und fordernde Zeiten dazwischen liegen…

Dann gibt es auch wieder diese Momente und auch Tage, wo einfach alles wie geschmiert läuft. Wo wir uns alle blind verstehen, alles ineinander greift, die Stimmung nicht besser sein könnte. Wo ich spüre, dass ich durchatmen kann. Die Perspektiven klar und greifbar erscheinen. Das sind dann diese Momente und Tage, an denen all die Anstrengung der letzten Zeit vergessen ist. Manchmal kommen diese Zeiten von allein, ohne unser Zutun. Dann steht vermutlich der Mond günstig, die Hormone aller Beteiligten sind im glücklichen Überfluss und in China ist mal kein Sack Reis umgefallen. Doch oft muss eben auch etwas dafür getan werden, damit’s mal wieder runder läuft. Gerade dann, wenn ich spüre, wie sich Ungeduld und Wut immer mehr in mir breit macht – dann muss ich für mich sorgen. Aktiv. Und nicht mehr länger aushalten.

Es darf doof und anstrengend sein. Es darf mir auch mal alles zum Hals raushängen. Und ich darf mich auch mal wegwünschen. Dennoch möchte ich dieses Leben um nichts mehr missen. Es macht mich glücklich und zufrieden. Es erfüllt mich.

Alles darf sein, auch gleichzeitig.

Denn es gibt solche und solche Tage. Das ist dann wohl das Leben, wovon wir immer wieder sprechen.

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