
Seit meiner Kindheit war meine Antwort stets die gleiche, wenn mich jemand fragte, welche Lieblingsspeise ich habe: Kartoffelbrei. (Bemerkung am Rande: Wird man das eigentlich außerhalb der Kindheit nochmal gefragt?)
Selbstgemacht musste er sein. Das Tütengedöns wurde auch hinreichend getestet, steht aber in absolut keinem ebenbürtigen Vergleich zum Original aus frischen Zutaten.
Und wenn ich selbst wieder mal Kartoffelbrei für mich und meine Familie zubereite, schwelge ich jedes Mal in Kindheitserinnerungen: Ich sehe mich dann als kleines Mädchen neben meiner Mutter in der Küche unserer Dachgeschosswohnung stehen. Ich erinnere mich noch an die Küchenzeile in dieser Farbkombination aus hellblau und weiß. Die Wohnung war in den Duft gekochter Kartoffeln eingehüllt. Meine Mutter wusste, wie gerne ich Kartoffelbrei mochte und dass ich ihr liebend gerne bei der Zubereitung half. Als meine Kräfte noch nicht ausreichten, um die Flotte Lotte zu drehen, hatte ich den Auftrag, die warmen, dampfenden, goldfarbenen Kartoffeln in das Sieb des Geräts zu füllen, die dann fachfrauisch von meiner Mutter mit der Kurbel plattgewalzt wurden. An der Unterseite der Flotten Lotte hingen die warmen Kartoffelwürmer herab, wurden im Topf gesammelt und ergaben beinahe das Bild von Spaghetti. Schließlich gaben wir ein Stück Butter hinzu, das in kürzester Zeit auf der warmen Kartoffelmasse schmolz. Sobald die Milch aufgegossen wurde, fielen die Kartoffelwürmer in sich zusammen und meine Mutter begann mit einem Rührbesen (oder wie sie gerne sagte: Quirl [ausgesprochen: Quörl]) die Zutaten zu vermischen. Gemeinsam schmeckten wir den Kartoffelbrei mit Salz und Muskatnuss ab. Die Reste vom Rührbesen wurden fein säuberlich mit dem Mund von mir entfernt und erhöhten die Vorfreude auf das anstehende Mittagessen – denn ich konnte meistens kaum erwarten, eine ordentliche Portion von diesem selbstgemachten Kartoffelbrei zu verzehren.

Kartoffelbrei ging immer bei mir. Und das ist auch heute noch so. Generell stehen Kartoffelspeisen ganz oben auf meiner Liste von Leibspeisen, denn ich finde sie sind so herrlich wandelbar und sie lassen eine Vielzahl an Speisen zu. Glücklicherweise sind auch meine beiden Herzmenschen immer zufrieden mit Kartoffelspeisen, wodurch sie als Grundnahrungsmittel immer in der Vorratskammer sein müssen. Habe ich keine Kartoffeln im Haus, fühle ich mich nicht komplett.
Ich liebe das. Dass mein Erinnerungsvermögen jedes Mal aktiviert wird, sobald ich die verschiedenen Komponenten für Kartoffelbrei zusammenführe. Dass mein inneres Kind dieses Bild freisetzt, das in mir ein wohlig-warmes Gefühl hervorruft. Ich liebe, dass ich mit meiner Mutter diese schönen Momente in der Küche erleben durfte, in denen sie mir wertvolle Erfahrungen für später mit auf den Weg gab. Sie sah, wie interessiert ich daran war, selbst Kochen und Backen zu lernen – und sie traute mir nach und nach mehr zu. Etwas, das ich selbst als Mutter ebenfalls versuche, wenn mein Herzenskind sich interessiert zeigt.
Essen und die Zubereitung nimmt so viel Zeit des Lebens in Anspruch – da ist es doch umso schöner, wenn es nicht nur ein weiteres nerviges Muss am Tag ist, sondern auch hier und da mit wunderschönen Erinnerungen versehen ist, von denen ich mein ganzes Leben zehren kann.
Mich interessierte nun mal, wer den Kartoffelbrei eigentlich erfunden hat, denn auf die Idee zu kommen, dass diese Zutaten in der Mischung so etwas Schmackhaftes ergeben, finde ich rückblickend großartig. Geht mir auch genauso, wenn ich backe – denn diese Zutaten, die selbst meistens sogar geschmacklos daherkommen, ergeben in der Mischung und nach dem Backen eine richtige Köstlichkeit.
Nicht immer war die Kartoffel so beliebt, wie in der heutigen Zeit.
Es gab sogar Epochen in welchen der Verzehr von Kartoffeln verpönt war, da die Knolle als reines Viehfutter galt.
Im 18. Jahrhundert hielt sich sogar das Gerücht stark, dass der Genuss von Kartoffeln Lepra verursachen könnte.
In Frankreich wurde tatsächlich im Jahre 1748 ein Gesetz gegen Kartoffeln erlassen.
Das Image der Kartoffel und den verschiedenen Gerichten daraus hat sich mittlerweile stark verändert.
In vielen Ländern dieser Welt zählt die Kartoffel zu den beliebtesten Nahrungsmitteln überhaupt.
Wie wurde das Kartoffelpüree erfunden?
- Bereits im 18. Jahrhundert wurden Rezepte für Kartoffelbrei notiert.
- Das Kartoffel Püree dürfte sich in verschiedenen Regionen etwa gleichzeitig entwickelt haben.
- So war der Kartoffelbrei in Irland absolut populär und gilt dort bis heute noch als Nationalgericht.
- In den Anden, dem Ursprungsland der Kartoffel gab es ebenfalls einen nahrhaften Brei aus der Knolle und auch in Amerika wurden bereits in frühen Kochbüchern Rezepte von Kartoffel-Püree veröffentlicht.
- Kartoffelbrei war auch ein beliebtes Gericht, mit welchem frühe Pilger auf dem Jakobsweg verköstigt wurden.
- Sogar in Asien entstanden bereits in früheren Jahrhunderten Currygerichte auf Basis der Kartoffel.
Quelle: https://www.gutekueche.at/kartoffelpueree-im-lauf-der-zeit-artikel-3610
