
Ich weiß noch, wie aufgeregt wir waren. So freudig nervös.
Wir hatten uns das alles gut überlegt. Mit dem Heiraten. Mit der Feier. Wir wollten keine große Sache draus machen. Ein bisschen Familie, was Gutes zu essen, wenig Gedöns. Bescheiden. So, wie wir.
Die Krönung an diesem Tag: Wir waren schon zu dritt. Unter dem zarten Stoff meines Brautkleides zeichnete sich die kleine Einzimmerwohnung ab, in der das Beste aus uns beiden heranwuchs.
Ich denke gerne an diesen Tag zurück. Es war kalt, sonnig. Strahlender Sonnenschein hauchte die Hochzeitsfotos in ein wundervolles Licht. Mitten drin, wir beide, die mindestens genauso strahlten.
So viele Eindrücke waren das für uns. So schnell ging der Tag vorbei. Und: So präsent waren die Sorgen zwischenzeitlich bei mir, ob es unserem Herzenskind gut ging. Die erste Fehlgeburt lag genau ein Jahr zurück und hatte Spuren hinterlassen. Ich hoffte sehr, dass dieser kleine Mensch heranwachsen darf, um unser Leben so richtig auf den Kopf zu stellen.
…
Sieben Jahre später. Aus uns zwei wurden wir drei. Keinen unserer Hochzeitstage haben wir bisher alleine verbracht. Es ist ein Datum voller Erinnerungen – aber für uns kein Muss, keine Verpflichtung, kein Anspruch für Paarzeit. Wir bauen uns das seit Jahren irgendwie dazwischen. Zwischen Schichtdienst und Spontan-Einspringen. Zwischen Dauerverfügbarkeit für Herzenskind und kaum enden wollenden Erschöpfungszuständen. Wenn wir eine kleine Lücke finden, quetschen wir uns rein. Doch am Ende zählt das, was wir im Alltag draus machen: Eine längere Umarmung, ein bewusster Blick in die Augen, aufmerksames Zuhören.
Und weißt Du? Dieses ganze Liebevolle. Diese zarte Hand auf dem Rücken. Der Kuss auf mein Haar. Das kannst Du oft viel besser, als ich. Aber vielleicht nur, weil schon so viel von mir für unser Herzenskind gebraucht wird. Und das tut mir so oft Leid für Dich. Für uns. Weil nicht nur Du, sondern Wir das brauchen. Um uns nicht zu verlieren im ganzen Funktionieren, im Mama-und-Papa-Sein.
Ich bin Dir jeden Tag so dankbar, dass Du für uns sorgst. Du rockst diese Arbeit, die Dir so viel abverlangt. Ich halte den Laden daheim am Laufen. Wir machen das richtig gut, weißt Du? Wenn’s mal schräg läuft zwischen uns, weil wir beide kaum noch durchatmen können, denke ich manchmal: So ein bisschen mehr Zeit zu zweit hätte ich uns damals gerne gegönnt. Wir haben uns beide Familie gewünscht und das Leben hatte einen Plan für uns. Und wenn ich das dann heute so sehe, wo wir stehen, was wir alles über uns und miteinander voneinander gelernt haben, dann spüre ich tief in mir: Das sollte alles genau so sein.
Danke, dass Du zu mir hältst, wenn ich mich selbst kaum halten kann – zwischen Overload, Meltdown und Shutdown. Danke, dass Du nicht aufgibst, obwohl Du so viel gibst. Danke, dass Du mein Fels in der Brandung bist und wir die stürmische See der letzten Jahre gemeinsam bezwungen haben. Danke, dass wir uns voreinander zeigen können, wie ich es mich zuvor nicht getraut habe. Mit Dir an meiner Seite habe ich Schichten und Masken abtragen dürfen, die schwer wie Blei auf mir lagen. Und manchmal habe ich das Gefühl, Du hast all das darunter bereits gesehen, als wir uns das erste Mal sahen.
Mein Herzmensch, ich find uns beide ziemlich töfte (so sagt man das doch, wo Du herkommst, richtig?). Oder mit Worten aus meiner Heimat: Ich find uns einwandfrei. Lass mal noch viele Jahre dranhängen, okay? Und ich weiß: Irgendwann haben wir auch wieder zum Hochzeitstag Zeit zu zweit. Ganz sicher.
