Dieser Blog ist seit über vier Jahren mein Ventil. Für die vielen Gedanken, die mir ständig durch den Kopf gehen und mal zu Ende gedacht werden wollen. Die Gedanken, die in Worte gefasst, plötzlich anders erscheinen und sich manchmal sogar gänzlich in Luft auflösen, sobald sie den Weg über meine Finger aus mir heraus gefunden haben. Ich brauche das sehr. Es ist mein Ausgleich. Und seit mein Herzenskind auf der Welt ist, ein ganz wichtiger. Denn im Alltag mit meinem Kind habe ich oft nicht die Möglichkeit, alles zu Ende zu denken. Doch beschäftigt mich etwas ungemein und will heraus, versuche ich für mich zu sorgen und nehme mir Auszeiten, in denen ich in Ruhe denken und schreiben kann.
Ich schreibe ungeschönt, ehrlich und direkt aus meinem Herzen heraus. Ich weiß, dass Menschen in meinem Umfeld auch gerne meine Beiträge lesen und für mich ist es eine schöne Möglichkeit, sie ein Stück weit an meinem (Innen-)Leben teilhaben zu lassen. Manchmal finde ich die Worte für etwas, die anderen nicht einfallen oder gar fehlen. Ich lese auch gerne persönliche Berichte und Beiträge – denn dort steckt eben das Menschliche drin. Das, wonach ich mich oft so sehne. Gefühle, Emotionen, Tiefgang. In der letzten Zeit habe ich noch deutlicher spüren dürfen, wie wichtig mir das ist. Nicht nur an der Oberfläche zu schwimmen. Das ist sicher auch erheiternd und leicht. Doch ich tauche gerne ab. In die Tiefen der menschlichen Psyche. In die Gefühle der anderen Menschen. Das, was ihr Herz aussendet und nicht ihr Verstand. Ich weiß noch, wie unwohl ich mich immer wieder bei politischen Diskussionen gefühlt habe. Wenn über das politische und wirtschaftliche Weltgeschehen gesprochen wurde. Ich konnte meistens nie mitreden, denn es interessierte mich nicht die Bohne. Eher beobachtete ich gerne die Menschen dabei – wie sie sprachen, was sie aussendeten, wie es ihnen am Ende damit ging.
Vermutlich haben viele Freunde in meiner Vergangenheit auch schon meinen Tiefgang bemerkt – denn mit Beziehungsproblemen kamen viele auf mich zu. Heute würde ich wohl anders mit einigen Situationen umgehen – denn früher konnte ich mich in alle so sehr reinfühlen und war kaum zu bremsen. Heute merke ich schon schneller, wo ich meine Grenze ziehen muss. Was ist meins und was ist von meinem Gegenüber? Selbstverantwortung zu übernehmen hat mir sehr geholfen.
Doch immer wieder komme ich in Gesprächen in Fahrt. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich von Dingen aus meinem Leben erzähle, die mich aktuell sehr bewegen. Einen Filter packe ich meistens selten darüber und spreche ehrlich aus meinem Herzen heraus. Erst kürzlich sagte ich zu einer Freundin: Manchmal fühle ich mich wie ein offenes Buch. Ich erzähle einfach so drauf los und weiß nicht mal, ob das Thema gerade hier hin gehört. Dann kommen mir solche Sprüche in den Kopf wie „Erzähl das deinem Therapeuten, aber nicht mir“. Ja, vielleicht sollte ich einiges eher nur mit meiner Therapeutin besprechen. Doch ich bemerke jedes Mal, wenn ich vor allem unangenehme und schwierige Themen anspreche, dass sich der ein oder andere am Ende auch öffnet. Meine Freundin sagte letztlich zu mir: Mir geht das oft genauso. Aber ich finde, es gibt den Menschen die Möglichkeit, sich auch zu öffnen und es können Begegnungen auf einer anderen Ebene stattfinden. Und letztlich passiert häufig das, was ich schon durch das Schicksal mit meinem Sohn erfahren habe: Es siebt aus. Welche Menschen halten so viel Tiefgang aus und vor allem diese vielen schwierigen Themen, die ich mitbringe?
Immer noch habe ich nach Gesprächen, die von meiner Seite aus wieder sehr offenbuchig waren, ein seltsames Gefühl. Dieses Gefühl, es war wieder zu viel und die Frage Warum muss ich immer wieder so viel preisgeben? beschäftigen mich dann ein kleines bisschen. Denn irgendwann in meiner Vergangenheit hat sich in meinem inneren Kind abgespeichert, dass ich mit dem, was ich denke und sage, zu viel bin. Oft hat es meine Gegenüber an ihre Grenzen gebracht. Das ist in Ordnung – ich bin da nachsichtig und verstehe das. Doch mit diesem abgespeicherten Gefühl darf ich mich immer noch auseinandersetzen und dabei meinem inneren Kind friedvoll begegnen. Und wohl genau deswegen ist dieser Blog so heilsam für mich. Ich lasse alles von mir und kann dann überlegen, ob es ich mit anderen teile. Was der Leser daraus macht und was es mit ihm macht – das sehe ich zum Glück nicht. In Gesprächen sieht das wieder anders aus und meine hochsensiblen Antennen bekommen dabei sehr viel mit. Doch hier kann ich mein sensibles System entlasten.
Ich hoffe, ich kann irgendwann mit meiner Offenkundigkeit ohne diesen faden Beigeschmack leben. Denn immerhin hat sie mich mit Menschen zusammengebracht, die das (scheinbar) zu schätzen wissen – sie sind zumindest noch da. :-) Doch wichtig ist, dass ich mich immer besser damit fühle und keine Energie dafür aufwenden muss, nach tiefgründigen Gesprächen mein inneres Kind zu besänftigen.
