Vier Jahre Herzenskind

Vier Jahre in unserer Mitte. An unserer Seite. Von Beginn an auf Kuschelkurs. Hautkontakt, Nähe, Zuwendung – immer.

Vier Jahre Wachstum. Bei Dir. Bei uns. Wir ent-wickeln uns mit Dir. Für uns, für Dich – wir werfen alte Ansichten über Bord, beschreiten neue Wege. Anders, als die meisten um uns herum. Weil Du uns gezeigt hast, was Du brauchst. Und es jeden Tag tust.

Vier Jahre unruhiger Schlaf. Doch besonders in Deinem letzten Lebensjahr hat sich schon einiges verändert. Es wird ruhiger, Stück für Stück. Du brauchst mich, seit vier Jahren. Für Deine Sicherheit in der Nacht. Nichts hat mich bisher so sehr an meine Grenzen gebracht – doch ich mache es gerne für Dich. Denn ich kann mir vorstellen, wie Du Dich fühlst. Und das reicht schon. Akzeptanz hat mich dabei weiter gebracht, als jede sanfte Methode, um Deinen Schlaf zu verbessern. Er ist nicht programmierbar. Oh Wunder – Du bist eben ein Mensch und keine Maschine.

Vier Jahre Du. Mit jedem Tag mehr auf dieser Welt zeigst Du uns, wie Du bist. Was Dich so ausmacht. Was Dich interessiert. Wir erkennen uns in Dir wieder und dennoch – Du bist Du. Keine Kopie von uns. Wir lassen Dir die Möglichkeit, Du zu sein. Wollen Dich nicht formen oder in eine Schublade stecken. Du sollst ohne Stempel durch dieses Leben gehen. Es ist nicht immer leicht, mein Herzenskind. Denn wir wurden auch so groß. Der Rabauke, die Ruhige, der Schulverweigerer, die Streberin. Was haben wir alles für Stempel bekommen in unserem Leben und haben uns darüber definiert. Nicht immer waren sie gut und nicht immer entsprachen sie vollends dem, wie wir waren oder sind. Man könnte sagen, Du bist sensibel – doch reizoffen hört sich anders an. Denn Du nimmst viel wahr und vieles bewegt Dich. Und in diesem Spektrum erklärt sich vieles, wie Du Dich verhältst, wie Du bist. Unsere Aufgabe ist es, zu verstehen, warum Du Dich wie verhältst – denn für Dich ergibt es immer Sinn. Und ich denke, wir sind da auf einem guten Weg. Dieses letzte Lebensjahr hat mich darin sehr bestärkt und sicherer gemacht – vor allem, weil ich lerne, Dir zu vertrauen und mich mehr Deinem Fluss des Lebens hinzugeben, statt Dich in den Strom des Großen und Ganzen hineinzuziehen.

Vier Jahre Du. Oh Danke Leben, dass wir ihn feiern dürfen. Danke, dass ich dieses spannende und lehrreiche Lebensjahr mit Dir erleben durfte. Blieb es mir bei Deinem Bruder doch verwehrt. Vieles von dem, was Du erlebst, was Du entdecken und lernen darfst, erlebe ich die meiste Zeit hautnah mit. Manchmal ist da ein kleiner bitterer Beigeschmack – eben weil Dein Bruder solche Erfahrungen nicht mehr sammeln konnte. Doch umso glücklicher bin ich, dass ich Dich dabei begleiten darf und wir es auf Deine eigene Weise erleben. Jeder Geburtstag von Dir wird mich wahnsinnig glücklich machen und immer wird da wohl auch ein kleines Schade, dass.. in meinem Kopf sein. Diese Gleichzeitigkeit in Elternschaft ist immer da – und bei mir nochmal auf eine andere Weise.

Vier Jahre Stillen. Vier Jahre? VIER JAHRE! Irre. Mein Kind, ich wusste, wir würden länger stillen. Ein Jahr auf jeden Fall, höre ich Deinen Papa noch sagen. Und auch wenn es Momente gab, in denen ich kraftlos war, in denen ich mal nicht meinen Körper teilen wollte – das Schöne und die Dankbarkeit darüber, dass wir das so machen können, überwog. Es gibt dir Sicherheit. Und mir – denn es funktioniert immer. Irgendwann wird diese innige und intensive Zeit vorbei sein. Bis dahin genießen wir sie einfach. Denn irgendwie könnte nun jedes Mal bereits das letzte sein. Irgendwann wirst Du es nicht mehr brauchen.

Vier Jahre sind wir so nah beinander. Soviele Schritte gemeinsam. So viel Zeit zusammen. Für manche unvorstellbar. Hin und wieder ließen Menschen durchblicken, dass sie unser Lebenskonzept merkwürdig finden. Dass es nicht normal sei, dass wir soviel Zeit zusammen verbringen und sie vermuten, einer von uns wird einen Schaden davon tragen. Lass mir Dir sagen, mein Herzenskind: Es ist für sie nicht normal. Für uns schon. Wir sind damit glücklich. Das ist alles was zählt.

Jeden Morgen, nachdem mein Wecker geklingelt hat, bleibe ich noch ein paar Minuten neben Dir liegen, bevor ich auf meine Weise in den Tag starte, um für Dich eine gute Mama zu sein. Und dann beobachte ich Dich, wie friedlich und ruhig Du schläfst. Bei diesem Anblick durchströmt mich jeden Morgen pure Dankbarkeit und größtes Glück. Denn Du bist da. Du lebst. Du liebst. Und wie. Du bist und bleibst mein Wunder – nach all dem, was meine Seele bisher so erlebt und verkraften musste.

Vier Jahre ist Deine Geburt nun her, an die ich so gerne zurückdenke. Eine Erfahrung, die so viel Kraft in mir frei gesetzt und so viel in mir geheilt hat. Es war ein Erlebnis, das Deinen Papa und mich sehr verbunden hat. Es war der Beginn, die Geburt, von einem völlig neuen Leben für mich. Du bewegst irrsinnig viel in mir. Stößt unaufhörlich Heilung in mir an. Auch in Deinem Papa – in seinem Tempo. Mit jedem Tag, mit jedem Monat, mir jedem Jahr mehr an Deiner Seite, werfe ich Schichten von mir ab, die mir nicht mehr dienlich sind. Um zu einer friedvolleren Mitte zu gelangen. Zu einem Leben von wahrhaftiger und bedingungsloser Liebe. Wenn wir Fotos von Dir aus den letzten vier Jahren betrachten, kann ich mich immer wieder gut in diese Zeit hineinfühlen. Eine so intensive Babyzeit, die uns alles abverlangt hat. In der ein Leben außerhalb der Wohnung kaum möglich war. Ich war rund um die Uhr damit beschäftigt, Deine Bedürfnisse zu stillen und habe es gerne getan. Es hat mich einiges gekostet – doch der Gewinn war nicht zu verachten. Das spüre ich heute jeden Tag mehr. Denn so vieles ist möglich geworden, woran ich in Deinen ersten beiden Lebensjahren kaum denken konnte. Wovon ich nur geträumt und worauf ich gehofft hatte. Autofahrten, Einkäufe, Zeit mit anderen Menschen, Zeit für mich – immer mehr davon ist für Dich, mit Dir, drin. Wie dankbar ich darüber bin, können vermutlich nur Menschen so richtig nachvollziehen, die eine ähnlich intensive Zeit mit ihren Kindern erlebt haben. Und trotz aller Anstrengung und Momente voller Verzweiflung – ich habe immer diese tiefe Liebe zu Dir gespürt. Du hast mich bedingungslose Liebe gelehrt – im Crash-Kurs.

Mein Kind. Wir feiern Dich heute wieder auf Deine Weise. Ohne große Party. Für Kindergeburtstage haben wir noch Zeit – das spüre ich. Das hoffe ich. So glücklich mich jeder weitere Geburtstag von Dir macht, so andächtig und achtsam lässt er mich werden. Wie bei jedem Foto, das ich von Dir mache, hoffe ich tief in mir drin, dass es nicht der letzte Moment sein wird, den wir da festhalten. Heute feiern wir Dein Leben! Du bist wundervoll, für uns was ganz Besonderes. Wie schön, dass Du geboren bist – wir hätten Dich ganz sicher so sehr vermisst.

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