Früh. Früh. Früh. Früh. Ruhe. Früh. Tag. Spät. Ruhe. Ruhe. Nacht. Nacht. Ruhe. Ruhe.
Anrufe. Jemand ist krank. Zähnekirschend „Ja“ sagen.
Früh. Früh. Früh. Früh. Ruhe. Früh. Tag. Spät. Früh. Ruhe. Nacht. Nacht. Ruhe. Tag.

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Unser Alltag wird getaktet durch den Dienstplan meines Herzmenschen. Danach richten wir alles aus: Einkäufe, Freizeitaktivitäten, Termine. Zur Zeit herrscht ein enormer Personalmangel auf seiner Arbeit und trotz der Stundenreduzierung, arbeitet mein Herzmensch dennoch in Vollzeit und darüber hinaus. Die Anrufe häufen sich, immer wieder einspringen. Unser Kalender sieht spannend aus. Große Pläne sind nicht drin, Termine müssen verschoben werden. Diese vielen Wechselschichten kratzen an der Verfassung meines Herzmenschen, die Energie schwindet, es bleibt oft nicht mehr viel für den Alltag übrig. Den „Rest“ regele ich, so gut ich kann. Wir versuchen uns Freiräume zu geben, wo wir können – denn wir beide profitieren von Zeit allein, um auftanken zu können.
Immer wieder bin ich dann froh, dass nur er der Erwerbsarbeit nachgeht und wir nicht zwei Dienstpläne aufeinander abstimmen müssen. So muss ich nur den Alltag etwas umgestalten. Wir haben keine Probleme oder Stress, wer das Herzenskind von der Betreuungseinrichtung abholen muss und unser Kindchen sieht seinen Papa jeden Tag für einige Zeit vor oder nach der Arbeit.
Für andere Familien, die genau das alles unter einen Hut bringen müssen, ist unser Alltag vermutlich Pipifax. Doch wir haben uns für diesen Weg entschieden, da er weniger Stress für unsere Familie bedeutet, denn ich weiß, dass es uns wahnsinnig viel kosten würde, wenn ich ebenfalls arbeiten gehe und unser Kindchen in einer Betreuung wäre. Für andere wäre es vielleicht unvorstellbar, wirklich komplett allein für die Betreuung und Sorge des Kind zuständig zu sein. Ich kann es mir nicht anders vorstellen.
Gehe ich also in den Vergleich mit anderen Familien, kann ich gefühlt nur verlieren. Besonders wenn es darum geht, meine Belastungsgrenze zu erkennen und zu akzeptieren. Manchmal fühle ich mich nicht belastbar genug und denke, ich müsste doch viel mehr unter einen Hut bekommen. Aber ich bekomme eben andere Dinge auf die Reihe, die mir wichtig sind und selbst das empfinde ich oft noch als zuviel für eine Person. Familien stehen unter einem enormen Druck, sämtliche Anforderungen erfüllen zu müssen und es tut mir Leid, dass so viele darin verstrickt sind. Ich versuche unseren Alltag oft mehr Richtung „Können“, statt „Müssen“ auszurichten und die Anforderungen niedrig zu halten, da wir alle merken, wie gut wir damit fahren. Und daran hängt ganz enorm unser Familienfrieden.
Klar, irgendwann werden auch für unser Herzenskind die Anforderungen von außen immer größer und unumgänglich. Doch bis dahin möchte ich ihn stärken, gut auf sich zu achten und das Gefühl für seine Grenzen nicht zu verlieren. Denn mein Herzmensch und ich sind gute Beispiele dafür, was dabei herauskommt, wenn man dem Druck und den Anforderungen von außen standhalten will und sich vergisst zu spüren. Ich möchte mein Kindchen also erstmal tief verwurzeln, statt ihm zu früh das Fliegen beizubringen. Er zeigt uns peu a peu, wo er offener, mutiger und bereit ist, etwas zu entdecken und über sich hinauszuwachsen. Und wie schön ist das, wenn er das alles in seinem Tempo machen darf, gerade in den ersten Jahren, die so essentiell für das weitere Leben sind.
Dieser Alltag erfordert viel Flexibilität, Spontanität und Kreativität. Nicht immer fällt uns das leicht und nicht immer können wir unserem Kindchen ein so krasses Programm bieten, wie es vielleicht in Betreuungseinrichtungen der Fall ist. Doch ganz ehrlich? Das braucht er gar nicht. Wir schaffen eine gute Abwechslung für ihn und für uns – aber auch Tage, an denen wir alle mal etwas unzufrieden sind, weil nicht alle auf ihre Kosten kommen, gehören eben dazu. Somit lernt er also auch Frust auszuhalten, aber in einem Rahmen, der für sein und unser Nervensystem besser erträglich ist. Ich bin dankbar dafür, dass wir dieses Tempo im Alltag haben, während das Arbeitspensum meines Herzmenschen so prall gefüllt ist. Es bleibt zur Zeit nicht viel Raum für anderes, als für den Alltag. – aber den machen wir uns so schön, wie möglich. Irgendwann wird es sicher wieder ruhiger von außen und mein Herzmensch kann in seiner Stundenreduzierung ankommen. Bis dahin bleiben wir einfach flexibel. :)
