Was ist für dich der beste Weg, mit negativen Gedanken umzugehen?
Zunächst braucht es Achtsamkeit, diese negativen Gedanken auch als solche wahrzunehmen. Oft habe ich den Eindruck, dass ein negativer Grundtenor von vielen Menschen gar nicht mehr wahrgenommen wird. Mir fällt dazu unweigerlich die „typisch deutsche Beschwerderei“ ein. Wenn auf nichts gemeckert werden kann, dann wenigstens auf’s Wetter.
Mit der Arbeit an mir selbst, die ich seit über acht Jahren ziemlich aktiv und bewusst betreibe, fand ich über die Zeit deutlich für mich heraus: Ich kann es nicht mehr lange und dauerhaft gut halten, wenn mir Menschen mit einer doch sehr negativen und pessimistischen Grundhaltung dem Leben gegenüber begegnen. Da kann ich natürlich schon eher eine bewusste Grenze ziehen oder im äußersten Fall die Kontakte beenden, wenn es mir damit überhaupt nicht gut geht.
Muss ich mich mit dem eigenen negativen Gedankenkonstrukt in meiner Denkerbse befassen, fällt der Absprung nicht immer so leicht. Frei von negativen Gedanken bin ich nicht. Sie kehren immer mal wieder und mittlerweile erkenne ich schon ziemlich deutlich, in welchem Kontext sie vermehrt in Erscheinung treten: Allem voran dann, wenn meine Ressourcen massiv angekratzt sind. Wenn mein Nervensystem zu viel leisten musste und zu wenige Pausen eingeräumt bekam.
Erst heute spulten sich in Bruchteilen von Sekunden einige negative Gedanken hintereinander ab, weil ich so sehr unter Druck stand und die Verzweiflung sich ihren Raum nahm.
Ich nahm die Gedanken wahr.
Dachte mir direkt: „Ach, ihr schon wieder!“
Ging in den inneren Monolog und sagte mir selbst: „Ich kenn das alles schon. Ihr seid da, weil ich so gestresst bin. Weil ich überlastet bin. Danke, dass ihr mir den Blickwinkel erweitert – aber ich glaube das nicht alles.“
Während ich versuche, mit Wohlwollen und Abgrenzung den negativen Gedanken zum Absprung zu verhelfen, weine ich den Druck von mir ab. Schluchze. Lass das fließen, was da raus will. Und kann mir schließlich sagen: Es ist okay, manchmal so zu denken. Aber ich glaube das nicht mehr alles.
Und irgendwann bauen sich nicht nur die negativen Gedanken, sondern auch die Anspannung in mir ab. Da wird wieder Raum frei. Da wird der Blick wieder klar und ich sehe, was doch alles gut ist in meinem Leben. Und das ist so viel mehr, als mir die negativen Gedanken oft weiß machen wollen.
Alles hat seine Daseinsberechtigung. Darf Raum haben. Aber ich verliere mich inzwischen nicht mehr zu lange in der Dunkelheit.
PS: Ablenkung ist manchmal auch in Ordnung. Ich lenke mich dann z.B. mit Hausputz ab – denn die Ordnung um mich herum ordnet mein Innerstes dann auch mal mit. Oder aber ich gehe eine schnelle Runde spazieren, damit das Gedankengulasch in Bewegung bleibt und nicht festkocht.
