Bösewicht mit Licht

Welcher Bösewicht hatte eigentlich einen guten Punkt?

Bei diesen täglichen Fragen folge ich eigentlich immer meinem ersten Impuls. Hier zeigte sich mir ganz klar der Joker aus Batman.

Quelle: https://raregallery.art/1087106-night-the-dark-knight-batman-joker-evening-heath-ledger-darkness-screenshot-performance-art.html

Besonders, wenn man neben den Batman Filmen die Joker-Teile angesehen hat, entsteht ein komplexeres Bild des Jokers. In „The Dark Knight“ erhält der Joker durch die schauspielerische Glanzleistung von Heath Ledger eine Tiefe, wie sie in den Teilen zuvor nicht spürbar war. Schaut man dann später den ersten Joker-Teil, zeigt sich hinter dem Bösewicht die menschliche Seite. Die Geschichte, die ihn zu dem werden ließ, der später in Gotham für Unruhe sorgte. Dass er sich diese Figur erwählte, zeigt wieder, welche Tragik hinter der Rolle einer clownesken Darstellung liegt: Dass jene, die tiefe Traurigkeit und Dunkelheit in sich tragen, anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern wollen. Wie zerbrochen die Seele des Jokers war, sodass er später imstande war, andere Menschen zu verletzen und große Schäden zu verursachen, macht deutlich, wieviel Leid, Ablehnung und Schmerz seine Seele ertragen musste, um zu so etwas fähig zu werden.

Besonders ab „The Dark Knight“ erhält die Batman Reihe eine tiefe, psychologische und emotionale Spannung, die mir unter die Haut ging. Immer wieder kommt dabei die tragische Tatsache auf, dass es Heath Ledgers letzter Film war, in dem er wahrlich einen Höhepunkt seiner schauspielerischen Leistung zeigte. Umso interessanter fand ich, dass sie dem Joker später eigene Filme widmeten und diese Figur mehr beleuchteten. So ergibt sich für mich ein stimmiges Gesamtbild aus den Charakteren, die in einer Stadt leben, in der Klassengesellschaft deutlich sichtbar und spürbar wird.

Der Joker trug in den Tiefen seiner Seele die menschlichen Urbedürfnisse, die im Kontext seines sozialen Umfeld leider kaum erfüllt werden konnten. Dennoch wollte er auf seine Art mit anderen in Verbindung gehen, Fürsorge zeigen. Doch die Dunkelheit nahm leider irgendwann einen so großen Raum in ihm ein und er schien es zu seiner Wahrheit gemacht zu haben, kein Glück und keine Liebe verdient zu haben.


Doch nicht nur die vermeintlichen Bösewichte in Filmen schaue ich mir genauer an. Ein Spezialinteresse von mir liegt seit meiner Jugend bei Serienmördern. Bücher, Filme, Serien – ich verschlinge alles dazu. Weil es mich sehr interessiert, welcher Mensch hinter dieser Bezeichnung des „Bösen“ oder des „Monsters“ verborgen ist. Denn niemand wird so geboren (auch wenn z.B. manch eine Glaubensrichtung diese Sicht vertritt). Ich habe selbst eine Zeitlang auf der forensischen Psychiatrie gearbeitet und fand es unwahrscheinlich spannend, wie ambivalent es sich anfühlen kann, einem geistig kranken Straftäter gegenüber zu sitzen, der tief in sich drin das Licht eines verletzten Kindes trägt. Denn irgendwie habe ich wohl immer bei all den Bösewichten das Menschliche leuchten sehen.

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