Glückskeks

Im Restaurant, das sich für uns drei gut bewährt hat und im Notfall von uns aufgesucht werden kann, weil Speisen verlässlich schmecken und sich vor allem für mich an diesem Tag in der Küche Entlastung spürbar macht, bekamen wir zur Verabschiedung vergangene Woche vier Glückskekse mit auf den Weg. „Kinder erhalten immer zwei„, entgegnete die nette Kellnerin.

Und so öffneten wir einen Tag später unser kleines Glücksgebäck – gespannt, welche Botschaft uns erwarten würde. Wie so oft, passten die Aussagen ziemlich gut. Und über meine Botschaft musste ich schon sehr schmunzeln. Auch Herzmensch erkannte darin eine ironische Wahrheit.

Für mich, die sich aus der Überverantwortung für alles und jeden mehr herausschälen möchte, ist dieser Spruch auf dem Zettelchen – haha- ein gefundenes Fressen. Heißt doch oft so schön: Du bist, was du isst. Möchte hier aber tatsächlich keine direkte Verbindung herstellen.

Was will der Autor dieses Beitrags eigentlich sagen?

Meine Vermutung vor einigen Tagen, dass der hormonbedingte Leistungs- und Gedankenknick dieses Mal nicht ganz so stark ins Gewicht fällt, widerlegte sich bereits gestern. Aber hey: Für mich, die jahrelang über all ihre körperlichen Grenzen bretterte, ist es ein stiller Protest gegen sämtliche Ansprüche an mich selbst, wenn ich meiner Erschöpfung im zyklischen Winter den nötigen Raum gebe. Es darf sein.

Natürlich. In Anlehnung an den netten Glückskeks-Spruch merke ich an diesen Tagen immer sehr, wie viel daheim an mir zu hängen scheint. Trotz Matschhirn darf ich den Überblick behalten. Trotz Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug bleibe ich ansprechbar für jeden, denke mit, halte Raum. Aber das innere Gerüst ist erschreckend fragil – das von anderen zu filtern und mich abzugrenzen, fällt noch schwerer. Ich laufe auf Sparflamme, aber darf dennoch den Ofen für drei erwärmen.

Ich weiß. So geht’s unzähligen Frauen. Da müssen sie alle durch. Doch ist es nicht auch ein Stückchen erschreckend, wie selbstverständlich dauerhafte Leistung von dem menstruierenden Teil der Menschheit vorausgesetzt wird? Bin ich auch mit aufgewachsen. Dachte, das muss so sein. Ist richtig so. Spoiler: Ist es nicht. Wir sind zyklische Wesen – alle. Nicht nur Weiblein, auch Männlein haben Phasen von Leistungsfähigkeit, die sich mit Regeneration abwechseln sollten. Ich finde, es ist in unseren Breitengraden nur leider etwas abhanden gekommen. Deswegen hadere ich wohl oft auch noch so mit mir, das einfach zu leben. Denn, wie der Spruch so passend beschreibt: Jeder baut auf meinen Einsatz. Sicher nicht jeder. Nicht offensichtlich. Aber irgendwo haben wir wohl alle ein wenig die Leistungsbereitschaft verinnerlicht, die unterschwellig Alarm schlägt, sobald einer einfach so die Füße hochlegt.

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.