Richtig zuhören

Welche Fähigkeit hältst du für total basic, die die meisten Leute aber eigentlich gar nicht können?

„Zuhören ist Anhören und noch etwas mehr.“ Dieser Satz aus einer Serie verblieb irgendwann mal in meinem Kopf. Und mit den Lebensjahren begriff ich immer mehr, was „richtiges Zuhören“ so bedeutet.

Ganz ehrlich: Ich nehme mich davon nicht aus. Ich höre auch oft nicht richtig zu. Sortiere das Gesagte des anderen in Millisekunden durch meine persönlichen Filter und lege mir bereits Antworten dazu parat. Und genau da liegt der Knackpunkt, wie vermutlich bei vielen Menschen: Wir hören den anderen an, um etwas dazu sagen zu können. Wir legen uns Antworten zurecht, die mit unseren Erfahrungen und persönlichen Erkenntnissen gefärbt wurden. Doch häufig ist es gar nicht das, was derjenige möchte oder braucht, wenn er gerade erzählt. Natürlich besteht ein Gespräch auch aus einem produktiven Austausch und eine gewisse Resonanz ist für die Gesprächspartner sinnvoll. Aber Gespräche unterscheiden sich – in Sinn, Zweck, Tiefe und in einigen Faktoren mehr. So braucht es manchmal schon etwas Feingefühl, herauszufinden, wohin ein Gespräch führt, welche Absicht die Beteiligten damit hegen.

Grundsätzlich empfinde ich schon, dass richtiges Zuhören – also „einfach“ im Sinne von Worten, Gedanken und Gefühlen Raumgeben – von vielen nicht gänzlich beherrscht wird. Ich übe mich auch darin. Sehr sogar. Versuche meine Impulse zu kontrollieren und den kurzen Zeitraum zwischen Gedanke und Reaktion zu regulieren. Dazu gehört wohl die Frage: Wem bringt das jetzt etwas, wenn ich das sage? Braucht es immer eine Reaktion in Form von Worten?

Kommunikation ist wirklich komplex – auch wenn sie in sämtlichen Modellen vereinfacht dargestellt wird. Was da alles offensichtlich und zwischen den Zeilen ausgetauscht wird, aktiviert beim Zuhörer unterschiedlichste Kanäle. Um ein wertschätzendes,verständnisvolles Gespräch auf Augenhöhe zu realisieren, ist es sicher sinnvoll, sich selbst entsprechend zu reflektieren. Immer wieder. Aber vielleicht ist das auch nur mein eigener Anspruch. Denn ich schätze, wenn einen oft das Gefühl begleitet, ein Gegenüber versteht nicht so ganz, was ich da gerade mitteilen möchte, beginnt man – des Friedens Willen – dahinter zu blicken.

Und so übe ich mich weiter in Impulskontrolle. Im aufmerksamen, richtigen Zuhören. Weil die Gesprächsdynamik letztlich eine andere wird und sich oft positiv auf die Verbindung zum Gesprächspartner auswirkt.

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.