Haustier

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Darf ich vorstellen? Das ist Grumpy. Pardon. Das war Grumpy. Diesen wunderschönen Kampffisch, oder fachsprachlich betta splendens, holte ich mir 2015 in mein 80 Liter Aquarium.

Mit der Aquaristik begann ich in meiner Jugend – zunächst mit einem kleinen, alten Aquarium meines ersten Freundes, das später auf ein 60 Liter Becken und mit besserer Technik verbessert wurde. Über die Jahre hatte ich allerlei verschiedenste Fische in meinem Becken. Unwissend, wie ich damals noch war, scheiterte ich oft auf meinem Weg – denn ich vertraute damals mehr den Aussagen der Verkäufer, die oft nur dem Umsatz ihres Geschäftes im Kopf hatten. Mit den Jahren eignete ich mir also mehr und mehr Wissen zur Aquaristik an und wuchs an den Herausforderungen. Vor allem 2012 (und 2020) mit Baby und Aquarium umzuziehen, war kein einfaches Unterfangen.

Ich entschied mich irgendwann für artgerechtere Haltung: Mehr Platz, mehr Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere. Und ich schaute genau, welche Fische sich wirklich miteinander vertragen würden. Schließlich fand ich meinen Flow – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem geschenkten 80 Liter Becken eines guten Freundes und der entsprechenden Filtertechnik, entwickelte sich eine schöne Aquarienlandschaft. Irgendwann wollte ich es dann noch einmal wagen: Ich holte mir einen betta splendens. Taufte ihn Grumpy – weil er immer irgendwie etwas grummelig aussah. Im großen Becken hatte er mit dem kleinen Schwarm Salmlern und einigen Garnelen im Grunde genügend Platz und Rückzugsmöglichkeiten. Dachte ich.

Die traurige Gleichzeitigkeit: Mein Sohn lag zu dieser Zeit bereits im Sterben, während im Aquarium das Leben erblühte. Nachdem mein Sohn schließlich starb, wurde Grumpy träge, sah krank aus und ich musste ihn umgehend in ein Quarantänebecken setzen, in dem er mit einem passenden Medikament wieder genesen konnte. Ich gab alles dafür, damit dieser wunderschöne Kampffisch noch weiter leben konnte. Umgehend besorgte ich ihm ein kleines, eigenes Aquarium. Während er sich noch von seiner Erkrankung erholte, richtete ich das Becken für ihn her und ließ es „einlaufen“. Als Grumpy schließlich in sein Single-Appartement einziehen durfte, konnte ich zusehen, wie er wieder auflebte. Ich wusste darum, dass Kampffische nicht immer gesellschaftstauglich sind und bestenfalls ein Einzelbecken bekommen sollten. Nur mit wenigen Bewohnern kämen sie zurecht.

Grumpy zog mit mir um. Zwei Mal, um genau zu sein. Er teilte sich irgendwann sein Becken mit zwei Albino-Welsen. Da diese sich ebenfalls so wohlfühlten und sich vermehrten, war ich gezwungen, wieder ein zweites Becken einzurichten. Nach meinem zweiten Umzug mit Grumpy und zwei Aquarien, durfte Grumpy irgendwann noch einmal weiblichen Besuch empfangen: Ich setzte ihm ein Kampffisch-Weibchen ins Becken und wollte schauen, ob die beiden sich so verstehen würden, dass eventuell Nachwuchs entstehen könnte. Das Schaumnest wurde gebaut und sie waren tatsächlich bemüht, sich zu vermehren – doch das Weibchen starb irgendwann. Grumpy war am Ende sogar so zutraulich, dass er zum Füttern an die Oberfläche kam und sich streicheln ließ. Als schließlich Herzenskind geboren war, verstarb auch Grumpy – in einem Alter von rund 6 Jahren, womit er seine Lebenserwartung weit überschritten hatte. Trotz der vielen Abenteuer mit Umzügen und wechselnden Bewohnern, hatte Grumpy scheinbar ein gutes Leben. Ich war stolz darauf, ihn so lange Zeit pflegen und in seiner Schönheit bewundern zu dürfen.

Kürzlich dachte ich erst wieder an Grumpy. Weil ich den Zufall so spannend finde, dass mir besonders dieser Fisch so gut gefiel: Ein Einzelgänger, der nur wenig Trubel um sich herum mag. Der sich gerne zurückzieht. Nur auserwählte Gesellschaft verträgt. Und sämtliche Erwartungen übertrifft, wenn er in einer Umgebung leben kann, die zu ihm passt. Sicher nicht weit hergeholt, wenn ich dabei an das Leben mit Autismus und ADHS denke.

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