Unter-richt

Was würdest du dir wünschen, dass Schulen wirklich unterrichten würden?

Zunächst einmal stößt mir der Begriff „unter-richten“ mittlerweile so ähnlich auf, wie der Begriff „Unter-haltung“. Etymologisch beschreibt allein das kleine Wörtchen „unter“ bereits eine tiefere Lage zu einem Bezugspunkt. Schauen wir uns die Bedeutung von „richten“ an, wird deutlich, dass jemand etwas begradigen oder gar in eine bestimmte Richtung bringen möchte. Man darf sich nun einmal fragen, ob „unterrichten“ tatsächlich der richtige Begriff dafür ist, was Schule in der allgemeinen Vorstellung sein sollte. Immerhin wird das Konzept, wie es seit Jahrhunderten gelebt wird, von einigen als das Nonplusultra glorifiziert, während sich kritische Stimmen damit tiefgehender beschäftigen. Neben der Annahme, dass ein gelehrter Mensch viele junge Menschen in einer Sicht- und Denkweise über die komplexen Themen des Lebens einweisen soll, stehen Aspekte wie jene der Hirnforschung, die besagen, dass Menschen ein Leben lang in der Lage sind, zu lernen. In der Entwicklungsforschung wird davon ausgegangen, dass jedem Menschen eine natürliche Neugierde innewohnt, das Leben begreifen zu wollen.  Und dabei darf nicht außer acht gelassen werden, dass jeder Mensch ein ganz eigenes Tempo für die persönliche Entfaltung mit auf diese Welt bringt. Einige Kinder scheinen besonders schnell, besonders viel Entfaltungspotential mitzubringen – andere brauchen etwas mehr Zeit und andere Komponenten, die Entfaltung für sie möglich machen.

Und bei all den vielen Individuen wird dennoch systematisch versucht, ausgewähltes Wissen in geordneten Strukturen zu vermitteln. Schauen die Kinder über den Tellerrand, stellen wichtige Fragen – kann dem oft nicht nachgegangen werden, weil es nicht auf dem Lehrplan steht. Lehrkräfte stehen unter Druck, in immer kürzerer Zeit enorm viel abarbeiten zu müssen. Kommt jemand nicht hinterher, wird der Druck für alle größer und die Kinder Symptomträger in einem System, das nicht an individuelle Bedarfe angepasst wird.

Und so dachte ich mir bei diesem täglichen Schreibimpuls direkt: Was sollte in Schulen passieren, damit Lernen wieder Spaß macht? Damit Lernen nachhaltig wirkt. Damit Lernen lebensnah wird – und nicht stumpf, theoretisch, abarbeitend. Alle finden’s scheiße – aber alle machen mit. Es braucht schon Mut, da einen anderen, einen eigenen Weg zu gehen. Darin zu vertrauen, dass die kleinen Menschen wissen, was sie für ihren Weg brauchen. Wann sie es lernen wollen. Wie schön wäre es, wenn Schule mehr Dürfen wird, als Müssen.

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