Was hättest du im Leben gern viel früher angefangen?

Diese Frage habe ich mir schon oft selbst beantwortet. Es gibt einiges, mit dem ich gerne viel früher in meinem Leben begonnen hätte. Allem voran wohl, ohne schlechtes Gewissen und mit einer inneren Klarheit zu meiner Wahrheit zu stehen. Mich nicht stets auf Biegen und Brechen anzupassen, um bloß ein Gefühl von Zugehörigkeit zu spüren.
Doch eine Fertigkeit, die ich unwahrscheinlich gerne schon in meiner Kindheit begonnen hätte, wäre das Schlagzeugspiel. Die Faszination für Rhythmus und Trommeln war bereits in der Grundschule erkenntlich: Im Musikunterricht gab der Lehrer die freudige Rückmeldung, dass er es toll fand, wie ich bei jedem Lied rhythmisch passend auf der Sitzfläche meines Stuhl trommelte. Schlagzeugunterricht war damals finanziell einfach nicht drin. Doch ich bin mir sicher, dass ich schnell richtig gut geworden wäre. Dass mich das Schlagzeugspiel selbstbewusster gemacht hätte. Leider haben wir dieses kognitiv günstige Zeitfenster verpasst, in dem ich diese Fertigkeit flott gelernt hätte – weil das Interesse so ausgeprägt war.
In meiner Abiturzeit durfte ich am Schlagzeug meines Klassenkameraden das erste Mal richtig spielen üben. Die ersten Handgriffe hatte er mir beigebracht und ich war mächtig stolz, meine Extremitäten unabhängig voneinander rhythmisch bewegen zu können.
Einige Jahre später spielte ich bei einem Bekannten daheim im Keller als Ausgleich zu meinem Alltag mit krebskranken Kind und auch in der Trauerzeit hin und wieder am Schlagzeug.
Als ich schließlich vor vier Jahren die Entscheidung traf, noch einmal Unterricht zu nehmen, war ich hochmotiviert. Doch meine Konzentration war durch Schlafmangel und Verantwortung für den Familienalltag eher unterirdisch, sodass ich nach einem dreiviertel Jahr den Unterricht abbrach – mit dem Wunsch und Gedanken, es iiiiirgendwann noch einmal richtig anzugehen. Mein günstiges Drumkit, dass ich mir für daheim besorgte, verkaufte ich umgehend wieder.
Die Faszination für’s Schlagzeugspiel wird wohl immer bleiben. Hände und Füße stehen nie still, sobald ich Musik höre. Mein Gehör wandert in einem Song immer Richtung Schlagzeug.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
