Ein Ort für ungezwungene Begegnung

Wenn du jetzt sofort ein neues Business starten könntest – was wäre es?

Tatsächlich dachte ich immer mal wieder und auch kürzlich darüber nach, eine Art Café für Neurodiversität zu eröffnen. Einen Ort so zu gestalten, dass Menschen sich begegnen können – aber nicht müssen. Räumlich so eingerichtet, dass Farben und Formen unaufgeregte Gemütlichkeit verkörpern. Rückzugsmöglichkeiten. Keine Musik im Hintergrund. Geräuschdämmung im größtmöglichen Maß.

Im Grunde viele kleine Räume und Nischen, in denen die Helligkeit der Lichtquellen selbst reguliert werden kann. In denen das Mobiliar unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden kann: Von super-weichen bis zu angenehm harten Sitzgelegenheiten. Räume wären thematisch und sensorisch sortiert, wären mit Schiebetüren und Sichtschutz versehen. Über ein Belüftungssystem würde die Luft zusätzlich gereinigt werden und es gäbe die Möglichkeit, aus verschiedenen Düften auszuwählen, falls eine gewisse Atmosphäre gewünscht ist.

Die Menschen könnten Zeitfenster online über ein Buchungssystem, per E-Mail oder Telefonisch reservieren – je nachdem, welcher Kontaktweg sich besser für sie eignet.

Es gäbe vielleicht Thementage für Spezialinteressen, sodass Menschen zusammen kommen könnten, deren Interessen einen Austausch ermöglichen – aber nur, wenn sie möchten.

Verpflegung wäre über Bestellungen möglich: Die Entscheidung wäre frei, ob bei einem Mitarbeiter direkt Essen und Trinken bestellt werden möchte oder aber über ein internes Bestellsysten mithilfe eines Tablets. Das wäre dann übersichtlich und anwenderfreundlich gestaltet. Die Auswahl an Speisen und Getränken wäre ebenfalls übersichtlich und würde Rücksicht auf einige Ernährungsweisen nehmen. Eine wöchentliche Speisenkarte gäbe Vorausschaubarkeit und die Möglichkeit, den Besuch entsprechend zu planen. Es gäbe immer ein kleines Grundsortiment, auf dass sich die Gäste verlassen können. Die Zubereitung von Speisen und Getränke fände in einem abgetrennten Küchenbereich statt, damit die Geräusche dort bleiben und die Gäste nicht stören. Falls auf gewisse Ernährungsformen nicht eingegangen werden kann, dürfen die Menschen auch eigene kleine Snacks mitbringen – da wäre eine gesonderte Regelung praktisch.

Es wären genügend Mitarbeiter vorhanden, die nach ihren Biorhythmen arbeiten könnten: So gibt es eben diejenigen, die in der Früh und am Tag besser arbeiten können, andere wiederum abends und nachts. Somit könnte das Café durchgehend geöffnet sein und auch für die Gäste mit unterschiedlichsten Rhythmen eine verlässliche Anlaufstelle sein.

Die Lage des Cafés wäre mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Es wären genügend kostenlose Parkplätze auf dem Grundstück vorhanden. Eingezäumt in ein bewaldetes Gebiet, gäbe es ans Café angeschlossen einen kleinen Garten mit überdachten Sitzmöglichkeiten und einem plätschernden Teich.

Habe ich was vergessen? Bestimmt. Bin ja schließlich keine Geschäftsfrau oder Architektin. Aber ich bin eine neurodivergente Mutter, die an so manchen Tagen festgestellt hat, dass Cafés und Restaurants leider wenig auf die Vielfalt der Nervensysteme eingestellt sind und somit manche Besuche für Menschen im Spektrum der Neurodiversität herausfordernd, kräftezehrend oder gar unmöglich sind. Einen Ort zu eröffnen, der die Vielfalt abdecken kann, wäre wahrlich ein Traum. Und vielleicht nicht ganz unmöglich.

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.