Ach ja, gerade habe ich noch das Gespräch mit meinem Finanzmenschen rekapituliert und für mich daraus einige Erkenntnisse gezogen – da vermassele ich direkt selbst eine Situation.
Ich empfand die Art und Weise als übergriffig, wie da mit viel Enthusiasmus in unserem Leben herumgegraben wurde. Und sicher – es ist nicht komplett miteinander vergleichbar. Meine Wertung von meinen Fehltritten wirkt nur wesentlich intensiver bei mir nach. Ich denke gerade wieder daran, dass einen ja oft die Dinge an anderen Menschen ärgern, die wir selbst zu unseren Schattenseiten zählen können. Ich reflektiere mich so viel selbst, hinterfrage vieles und möchte einiges im Umgang mit meinen Mitmenschen ändern.
Alles richtig machen.
Ist einfach nicht möglich, ich weiß. Und dennoch ist da so ein Anspruch an mich selbst. Dementsprechend eindrucksvoll und nachhaltig ist dann eben auch der Fehltritt in meinem System. Während ich mich früher danach direkt verkriechen wollte, den Rückzug antrat, um in Ruhe zu rekapitulieren, kann ich heute schon ein wenig gelassener mit meinen Fettnäpfchen-Momenten umgehen. Ein bisschen nach dem Motto So bin ich eben – auch wenn ich an mir arbeite und es anders machen möchte. Mein Umfeld nimmt es mir vermutlich gar nicht so krumm, wie ich mir selbst.
So spürte ich nun deutlich, dass ich eine Grenze übertreten habe. In der Tonlage, in der Wortwahl. Irgendwie klang alles anders. Irgendwie hallte eine Energie mit, die mich bedrückte. Wie eine imaginäre, aber spürbare Wand, die vor mir errichtet wurde. Stop. Das war zu viel. Das ging zu weit. Nicht so ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen spürbar. Uff.
Ich kann meinen Finanzmenschen verstehen: Wenn man von einer Idee und einer Sichtweise überzeugt ist, ja beinahe dafür brennt, dann kann man ordentlich Energie freisetzen. Das ist dann so viel Energie, mit der man auch noch andere mitreißen möchte. Ich schrieb bereits über die Pferde, die mit mir durchgehen, wenn ich für etwas brenne. Ich kann mich wohl als begeisterungsfähig beschreiben und weiß mittlerweile immer besser, dass ich da auf mich achten darf. Nicht zu sehr nach vorne zu preschen, nicht zu weit voraus zu denken. Meine Gefühle und Gedanken sammeln und nicht einfach wild drauf los lassen. Besonders wenn es darum geht, anderen zu helfen, spüre ich diesen Antrieb in mir. Irgendwie gut. Und irgendwie auch nicht. Denn leider geht mir dabei ein Stück weit das Feingefühl verloren, das mich sonst so sehr ausmacht. Doch bei all der freiwerdenden Energie wird die Empathie in andere Kanäle verfrachtet und kommt dann eher dampfwalzenartig daher. Spätestens dann, wenn die Grenze bei meinem Gegenüber überschritten ist, bündelt sie sich wieder und lässt mich sofort spüren, dass ich zu weit gegangen bin. Dann kommt Scham. Und Reue.
Meine innere Gerichtsverhandlung verläuft allmählich kürzer, denn mein Verteidiger hat mittlerweile ziemlich gute Argumente gegen meinen inneren Kritiker auf Lager, sodass mein Richter die Verhandlung schneller schließen kann. Kein tagelanges Brüten über Fakten und Beweisen, die mein misslichen Verhalten belegen. Ein wenig hallt es in mir nach und ich spüre, dass mein System durch meine Fehltritte arg ins Wanken gerät. Doch ich kann mich zunehmend besser wieder aufrichten. Nachsichtiger mit mir sein. Ich darf zu meinen Fehltritten stehen und will mich nicht mehr dafür schämen. Viel mehr das Augenmerk darauf legen, wie ich meine sprudelnde Energie künftig besser bündeln kann.
Zu erkennen, dass mich dass missliche Verhalten eines Mitmenschen letztlich sehr an meine eigenen, kleinen Marotten erinnert, führt zu mehr Verständnis für meine Schattenseiten und gleichzeitig auch bei anderen Menschen. Doch ich sehe, wie wichtig es ist, erst einmal ins Grundverständnis für mich selbst zu gelangen, um somit mehr Frieden für die Themen im Außen zu entwickeln.
