Wie kann jemandem etwas erklären und verständlich machen, was er selbst nicht erlebt (hat)?
Wie kann man jemandem das eigene Empfinden beschreiben, sodass es nachvollziehbar wird?
Wie findet man gemeinsam Lösungen, wenn jemand nicht von seiner Sicht und Meinung abweichen kann?
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Wie kann ich Menschen verständlich machen, dass ich verstehe, wie sie die Dinge wahrnehmen und einordnen, weil ich selbst dachte, es wäre so richtig – aber dabei stets gegen mich selbst gelebt habe? Dass ich mir mittlerweile mein Leben so gestalte, damit es mir dauerhaft und langfristig gut gehen kann – und dies von der herkömmlichen, weitverbreiteten Art zu Leben enorm abweicht.
Wie kann ich Menschen erklären, dass mein Kind die ’normalen‘, alltäglichen Anforderungen für Kinder in seinem Alter als massive Überforderung empfindet? Dass kein Ziehen, kein Drücken hilft.
Wie kann ich Menschen dazu einladen, ihre eigenen Überzeugungen und Ansichten für Momente hinten an zu stellen, um sich einmal auf einen kleinen Menschen und sein Erleben einzulassen? Um ihn verstehen zu lernen. Den, der gerade selbst dabei ist, diese Welt verstehen zu lernen und bereits vieles verstanden hat.
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Ich bin die Schnittstelle zwischen meinem Kind und der Außenwelt. Die Außenwelt will mir stets erklären, wie das Leben so funktioniert: Viel müssen. Regeln. Strukturen. Kein Ponyhof, und so. Und Überraschung – ich weiß das alles. Bin ich immerhin auch in diesen Systemen aufgewachsen, habe gelernt mich anzupassen und zu funktionieren. Ergebnis? Lesen Sie die letzten acht Jahre meines Blogs. Und man könnte annehmen, dass ich aus diesen Beweggründen mein Kind in irgendeiner Art und Weise beeinflusse. Sicher tu ich das. Er sieht, wie erschöpft seine Eltern von den Anforderungen sind, die man jeden Tag so erfüllen soll. Er spürt sich selbst, seit seiner Geburt: Alles, wirklich alles, lässt dieses kleine Nervensystem auf Anschlag laufen. Will man ständig ein Kind im Ausnahmezustand? Wohl nicht. Drum ist uns als Eltern sehr daran gelegen, zu schauen, wie wir diesem kleinen Menschen mit seinem hochsensiblen Nervensystem einen guten Weg ins Leben bereiten können. Wir beobachten, versuchen, scheitern, reflektieren und starten wieder von vorn. Und egal, was wir bisher versucht haben – es zeichnete sich ein Bild ab. Eine Orientierung. Seine Grenzen sind nicht verhandelbar.
Wir versuchen. Immer und immer wieder. Weil wir müssen. Denn wir haben dieses Leben, sind Teil dieser Welt. Diese Versuche werden leider oft nicht gesehen, geschweige denn im Außen anerkannt. Da wird oft nur defizitär drauf geschaut. Die richtigen Menschen hingegen sehen uns, erkennen an, was wir jeden Tag versuchen – auch wenn es von Standards, Vorstellungen und Normen abweicht. Sie versuchen immerhin zu verstehen, dass es eine enorme Herausforderung ist, mit autistischen Nervensystemen an einer Welt teilzunehmen, für die man irgendwie nicht gemacht zu sein scheint – auch wenn sie es selbst nicht so empfinden.
Aber vielleicht leider ist die Welt nicht für die autistischen Menschen gemacht.

Wie kann man Menschen all das erklären, verständlich machen – wenn sie nicht bereit sind?
