https://youtube.com/shorts/LjLTJusP5gA?is=dpXJKEkfI32YO8mW
Es sind Zahlen. Und je größer eine Zahl ist, desto bewundernswerter scheint es auf die Menschen zu wirken.
Dieses Internet und all die Plattformen sind Fluch und Segen. Auf der einen Seite bin ich dankbar für die Möglichkeit, so schnell mit anderen Menschen in Verbindung zu treten und sich Informationen zu beschaffen. Auf der anderen Seite fühlt es sich oft an wie ein ewiger Wettkampf: Um Reichweite, Follower und Klicks. Tief darunter verborgen liegt der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Selbstwirksamkeit – schätze ich.
Und da auch ich mich im Internet auf meine Weise zeige, ist da schon der Wunsch verborgen, andere Menschen mit meinen Texten zu erreichen. Mit meinen Worten. Videos oder Fotos von mir liegen weit außerhalb meiner Wohlfühlzone. Ich habe es irgendwie versucht. Meine Kreativität in Videos zu verpacken. Aber ich scheine den heiligen Gral der sozialen Medien noch nicht entdeckt zu haben – denn viele Menschen erreiche ich damit nicht. Da stecken Algorithmen hinter, die gefüttert werden wollen – und scheinbar haben sie Appetit auf Produktkonsumenten und künstliche Intelligenz. Es ist schon erkennbar, welche Beiträge große Reichweite erhalten. Ich respektiere auch die Arbeit, die viele in ihre Accounts stecken und sich darüber sogar ein zweites Standbein, wenn nicht sogar eine komplette Finanzierung ihres Lebens aufbauen.
Und vielleicht bin ich da mit einer zu großen Erwartung herangegangen. Ich schreibe Bücher, bewerbe sie – und Interessenten werden mich dann schon finden. Aber so einfach ist wohl nicht. Die Themen meiner Bücher sind es ebenfalls nicht – und somit ist die Zielgruppe recht eng gesteckt (auch wenn ich das Gefühl habe, dass viele Menschen von diesen schwierigen Themen betroffen sind). Ich verstehe auch, dass sich nicht alle stets und ständig mit tiefgründigen Themen befassen und lieber leichte Unterhaltung möchten bzw. schnell ein Video zu Berieselung wählen, statt einen Text zu lesen. Und dann sehe ich die Fülle an Beiträgen, die mir täglich in den Feed gespült werden – die nur einen winzigen Teil der Gesamtmasse darstellen. Es ist eine Plattform mit Überinformation und es scheint schon alles zu geben, so mein Eindruck.
Sobald ich mit einer Idee nach außen gehe, von der ich überzeugt bin, hängt da tatsächlich ein bisschen Wunsch dran, damit auch Menschen zu erreichen. Ich blicke hier und da auf die Zahlen: Aufrufe, Likes. Einige schauen es an, aber lassen keine Reaktion da. Müssen sie auch nicht. Für die Reichweite auf so einer Plattform sind Reaktionen allerdings essentiell.
Ich stehe immer wieder innerlich auf der Wippe: Irgendwie Menschen erreichen wollen und gleichzeitig mit den Anforderungen der sozialen Medien, um das zu erreichen, komplett überfordert sein. Dann versuche ich mich darauf zu besinnen, was mir im Kern wichtig ist: Ich möchte mich ausdrücken können. Meinem reichen Innenleben Sichtbarkeit verschaffen, weil es sich manchmal anfühlt, als wäre ich eine Konfettikanone, die bald platzt. Also möchte ich meinen inneren Kompass darauf ausrichten: Ich tue das, weil es mir Freude bereitet. Weil es mich erfüllt. Und nicht mit dem Gedanken, ob die große, weite Welt meinen Beitrag wirklich braucht. Wenn ein „Müssen“ dran gebunden ist, geht dabei schnell die Motivation und Kreativität verloren.
Und während ich also von Profilen beeindruckt bin, die tausende, zehntausende oder hunderttausende Follower haben – stelle ich mir vor, wie die 250 Menschen, die bei mir hängen geblieben sind, zu meiner Lesung kämen. Das sind soooo viele Menschen. Mir würde sicher die Spucke wegbleiben. Wenn ich mir das kurz vorstelle, sehe ich gleichzeitig, wo ich offline wirksam bin. Da stehen schon einige weitere Lesungen und Veranstaltungen in der Pipeline, die ich vor Ort, von Angesicht zu Angesicht, mit richtigen Menschen, Energien und Gefühlen im Raum machen darf. Da habe ich einfach Menschen und Vereine angesprochen, ob sie Lust hätten, gemeinsam was auf der Beine zu stellen – und es gab positive Resonanz, sowie eine Offenheit für meine Themen.
Immer wieder denke ich: Ich müsste mehr tun. Besonders online und auf sozialen Plattformen. Könnte ich vielleicht auch. Doch dafür zapfe ich Zeit und Energie an Stellen ab, die für mich oft mehr Priorität haben. Ich darf mich regelmäßig wieder auf das besinnen, was jetzt gerade wichtig ist – zwischen tausenden Ideen in meinem Kopf priorisieren.
…
Und dann wird mir so etwas angezeigt, wie oben im Video. Das Lied ging komplett an mir vorbei, wie so oft. Doch der Künstler, dem ich in den sozialen Medien folge, hat dazu eine süße Illustration entworfen, die sogar andere dazu bewegt hat, den 3D-Drucker anzuwerfen. Wie schön ist das? Die Botschaft ist klar – und der Ohrwurm sehr verträglich, finde ich. Genau das habe ich gebraucht, als ich wieder mal sehr an mir und meinen Fähigkeiten zweifelte – im Schatten derer, die es offenbar immer irgendwie besser hinbekommen.
