Welches Kapitel deines Lebens würdest du „Die harten Jahre“ nennen – und was hat dich da durchgebracht?
Seit mehr als acht Jahren schreibe ich hier über einige Phasen meines Lebens, die mich in ihrer eigenen Weise mit der Härte des Lebens konfrontiert haben. Steckt man mittendrin in diesen schwierigen Zeiten, will man meistens nur eines: Dass es endlich vorüber ist. Der Schmerz. Die Anstrengung. Die vielen Gedanken, die sich um die Frage drehen: „Warum muss mir das passieren?“ Und gleichzeitig auch diese Kraft in mir: „Wie kann ich das lösen? Was kann ich tun, damit es für mich schaffbar ist?“
Und so zog sich durch meine Schulzeit die Reifeprüfung, Anschluss finden zu wollen und gleichzeitig oft auf Ablehnung zu stoßen. Ich hatte Kontakte, Verbindungen. Da war zeitweise Beständigkeit neben ständiger Veränderung und Neusortierung aufgrund von Schulwechseln und Klassenzusammensetzung. Doch das ablehnende Verhalten, die ständigen Beleidigungen, das Auslachen – offensichtlich oder hinter versteckter Hand – hinterließ mehr Eindruck in meinem System. Ich boxte mich da irgendwie durch, auch wenn sich manche Schultage wie ein Überlebenskampf für mich anfühlten. Weil diese vielen Eindrücke mein Nervensystem überforderten. Natürlich. Ich bin daran gewachsen. Doch hat es mich nachhaltig geprägt: In meinem Blick auf mich selbst und in das Vertrauen zu anderen. Es gab Momente, in denen ich mich fragte, wozu ich diesen ganzen Stress mit den Menschen in der Schule aushalten musste – und warum ich das nicht beenden könnte. Die Hilflosigkeit gegenüber diesen vielen negativen Energien, die dort spürbar waren, lähmte mich manchmal so sehr, dass die Hoffnung auf Besserung in die hinterste Ecke meines Daseins verschwand. Irgendwie hab ich dreizehn Jahre Schule geschafft. Und auch mit der der Ausbildung kehrte kaum Ruhe ein. Ich war immer wieder erschrocken, wie sich Menschen begegneten. Und sicher zeigte ich das auch – was mir noch mehr Minuspunkte einheimste, denn wie oft sagten die anderen: „War doch nur Spaß!“
Heute betrachte ich diese vielen Reibungen mit den Menschen in meiner Vergangenheit aus einem anderen Blickwinkel: Es war vermutlich ein ungünstiges Zusammenspiel aus verletzten Egos. Jeder reagierte aus eigenen Wunden heraus. Da wurden Menschen zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeworfen, die im Grunde kaum zueinander passten. Außerhalb der Schule und Arbeit steht einem scheinbar die Wahl zur Verfügung, sich die Menschen auszusuchen, mit denen man die Lebenszeit verbringen möchte. Während Schule und Ausbildung biss ich nicht nur sprichwörtlich die Zähne zusammen und richtete den Blick immer auf das Ende der festgelegten Lehrzeit.
Über die bisher härteste Zeit meines Lebens habe ich im Blog schon umfassend geschrieben. Der Tod meines ersten Kindes nach schwerer Krebserkrankung hat mich auf so vielen Ebenen geprüft, wie nichts zuvor. Die Nachwirkungen spüre ich nach elf Jahren immer noch – positiv, wie negativ. Wie ich da durchgekommen bin? Ich habe gefühlt, geweint, gelacht. Ich bin gefallen und wieder aufgestanden. Ich habe mich anderen zugemutet und auch immer wieder alleine gehalten. Ich habe vieles verloren und mindestens genau so viel hinzugewonnen. Es war die reinste emotionale Achterbahnfahrt und der Tod meines Kindes hat mir noch einmal richtig gezeigt, wie Leben eigentlich so geht. Was da alles dazugehört. Diese breite Palette an Gefühlen habe ich zuvor stets versucht zu kontrollieren – doch zusammenreißen ging nicht mehr, denn der Reißverschluss war defekt.
Darüber hinaus schenkte mir das Leben in allen harten Zeiten Menschen, die da waren. Jeder auf eine eigene Weise. Aktiv oder im Hintergrund. Alles sind wohl mit daran gewachsen. Und weil auch einige Verbindungen über die Zeit wieder verloren gingen, empfinde ich es als nicht selbstverständlich, dass einige geblieben sind.
