Eine Nacht mit wenig Schlaf.
Ob es das Essen am Abend war, das meinen Körper belastete?
Ob es das kurze Gespräch am Abend über meine vielen Gedanken war?
Ob es die Eindrücke des gesamten Tages waren?
Ob es meine derzeitige Grundanspannung war?
Ich kann nur vermuten. Von allem ein bisschen oder zu viel.
Weit vor meinem Weckerklingeln richte ich meinen müden Körper im Bett auf und entschließe mich, meine Morgenroutine zu beginnen. Erstmal alles ordnen an mir – und so vielleicht auch in mir. Zuvor öffne ich überall die Fenster und halte einen Moment inne: Dieser Samstagmorgen ist noch so friedlich. Die große Wiese gegenüber ist in einen zarten Dunstnebel gehüllt. Der Himmel noch bewölkt. Überall höre ich verschiedenste Vögel den Morgen begrüßen. Einen kurzen Moment setze ich mich auf das Sofa und höre zu. Es wirkt still – und dennoch ist da ein dauerhaftes Rauschen. Vibrieren. Unterschwellig, neben den Klängen der erwachenden Natur. Ein Auto fährt vorbei – lautes Rauschen. Um diese Uhrzeit vergeht einige Zeit, bis das nächste Fahrzeug vorbeifährt – und deshalb erscheint es mir wie friedliche Stille vor der Tür.
Denn sobald der Tag richtig erwacht ist, rauscht es vor unserem Haus im Dauerlauf. Eine Frequenz von Fahrzeugen, die in manchen Momenten tatsächlich im Sekundentakt in beide Fahrtrichtungen vorbeifahren.
Und diese Frequenz da draußen. Dieses dauerhafte Rauschen. Ich spüre es auch in mir. Endlose Gedanken fahren auf den Straßen meiner cerebralen Autobahn umher. Und statt direkt die nächste Ausfahrt zu nehmen, scheinen diese Gedankenvehikel ausdauernd und reiselustig zu sein. Da sind sogar richtige Oldtimer unterwegs, von denen ich dachte, ich hätte sie bereits fein säuberlich in meinem persönlichen Museum hinter glänzenden Scheiben abgestellt – doch scheinbar habe ich vergessen, das Saisonkennzeichen abzumelden. Sie drehen also saisonal wiederkehrend ihre Runden und so schön ich Oldtimer auch finde – so ein alter, abgesessener Gedanke mit ordentlichen Kilometern auf dem Buckel hat irgendwann dann doch mal ausgedient und darf sich zur Ruhe begeben.
Nichts ist für immer.
Oder doch?
Immerhin heißt es doch so schön: Die Liebe bleibt.
Und wie gerne würde ich das gerade wahrhaftig sagen können. Fühlen. Ich zwinge mich in einer Angelegenheit regelrecht dazu, an die bedingungslose Liebe in mir zu glauben. Ich versuche mit aller Kraft, Vergangenheit und Geschehenes loszulassen oder immerhin anders, ja, nachsichtiger zu betrachten. Um dem Jetzt und dem ganzen Guten eine Chance zu geben. Weil ich glaube, so finde ich Frieden damit. Doch ein Teil in mir will eigentlich nur seine Ruhe. Flüchten. Mich nicht mehr damit beschäftigen. Das fühlt sich dann wiederum feige an und als würde ich vor einer wichtigen Aufgaben davonlaufen, an der ich wachsen darf. Hin und her. Rauschen. Dauerhaft.
Was mich daran am meisten stört? Dass ich in meinem Kopf festhänge und manchmal nicht den Ausgang finde. Als hätte die Autobahn unter meiner Schädeldecke einfach keine Ausfahrten bei der Bauplanung berücksichtigt. Aber ein Gehirn hat Ausgänge. Verbindungen. Vielleicht sollte ich diese mehr nutzen und die Gedanken umlenken. Ab-lenken. Vielleicht darf ich meinen Körper wieder mehr mit ins Boot nehmen, um aus dem Dauerrauschzustand meiner Gedanken herauszukommen.


Eine Antwort zu “Dauerrauschen”
Guten Morgen, dieses Taubengurren nervt mich granatenmäßig am Morgen. Unser Nachbar von gegenüber füttert diese Biester. Alle anderen Nachbarn verfluchen ihn deswegen.
Ein Wochenende ohne grübelnde Gedanken wünsche ich dir (auch mir und allen Leser*innen).
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