Anerkennung

Jeden Tag gehe ich unzählige Male im Flur an der Vitrine vorbei, in der einige Habseligkeiten verwahrt sind. Als meine beiden Bücher nach und nach bei uns einzogen, bekamen auch sie einen Platz darin und sind stets sichtbar für jeden, der daran vorbeiläuft.

Ich habe sie bewusst dort platziert. Damit ich sie immer mal wieder sehe. Denn sie lösen Prozesse in mir aus, die den lautesten Kritiker in mir verstummen lassen.

Wie oft bin ich gebeutelt von Selbstzweifeln. Wie oft rüge ich mich selbst, wenn ich meine alltäglichen Aufgaben eher schlecht als recht bewerkstellige. Und wie oft liege ich abends im Bett und frage mich, ob ich eine gute Mutter, eine gute Ehefrau, eine gute Freundin und so weiter war. Ich kann schon ganz schön hart mit mir ins Gericht gehen – mich aber noch viel zu selten für etwas wirklich anerkennen und feiern.

Im Laufe meines Lebens hat sich der Anspruch von außen zu meinen eigenen Anspruch geformt und die Messlatte wurde gefühlt immer höher. Und nun stehe ich oft als erwachsene Frau, als Mutter da und kann dieses ganze „Müssen“ und „Sollen“ nicht richtig vom „Wollen“ und „Können“ unterscheiden. Unaufhörlich stehe ich weiterhin unter Einflüssen, denn als Mutter gibt es unzählige Messlatten, die scheinbar niemand so recht erreichen kann. Immer wieder herausfiltern: Was passt denn davon eigentlich zu mir, zu meiner Familie, zu meinem Leben? Die Antworten finde ich nur in mir drin, doch liegen die oft noch tief vergraben unter den vielen Prägungen, die ich erstmal abstauben und beiseite räumen darf.

Meine Bücher jeden Tag in dieser Vitrine zu sehen, zeigt mir, was möglich ist.

Was ich – trotz meiner eigenen Einschränkungen und meines Rund-um-die-Uhr-Alltags – in der Lage bin, zu erschaffen.

Das Schreiben erfüllt mich und ist eine meiner Fähigkeiten oder gar Talente. Es bringt den nötigen Ausgleich im Alltag und hilft mir enorm, mich zu sortieren, wenn die Gedanken wie Konfetti im Kopf herumfliegen. Oft nutze ich jedes kleinste Zeitfenster, um das in Worte zu fassen, was mich neben all der Care-Arbeit und dem Mental Load noch so beschäftigt. Manchmal fließt es abends, sobald mein Herzenskind eingeschlafen ist oder morgens, bevor der kleine Mensch wach wird. Wenn wir beide uns gut absprechen, schaffe ich es sogar – mit etlichen Unterbrechungen – ein bisschen was zusammen zu tragen. Das daraus im vergangenen Jahr zwei Bücher entstanden sind, ist schon eigentlich eine ganz schön krasse Nummer im Kontext meines Alltags und meiner persönlichen Befindlichkeiten. Ich hab das irgendwie alles alleine gemacht und bin auch jetzt oft noch sehr auf mich allein gestellt, wenn es darum geht, meine Bücher zu bewerben. Aber irgendwie habe es geschafft – und manchmal vergesse ich das. Über jede kleinste Unterstützung und Rückmeldung bin ich wahnsinnig dankbar, denn auch wenn ich diese Bücher in erster Linie für mich geschrieben habe, freue ich mich dennoch sehr darüber, wenn sie Menschen erreichen und etwas bewegen.

Danke – an all jene, die mich unterstützen.

Danke – an mich, die ihren Traum nicht aus den Augen verliert und noch das letzte Fünkchen Energie dafür aufbringt, diese Fähigkeit auszuleben.

Ganz schön krass, was im vergangenen halben Jahr so passiert ist. Kann ich manchmal noch gar nicht so glauben.