
Wir wussten, dass sich einiges verändern würde.
Wir ahnten nicht, wie sehr.
Wir wussten, die Zeit würde weniger – als Paar. Nur zu zweit.
Zwischen „Papaaaa, kannst Du eine Runde mit mir spielen“ und „Mama, ich hab so einen Hunger.“
Da sitzen wir.
Schauen uns an. Manchmal nur noch flüchtig.
Weil zwischen all dem Kümmern, Müssen, Sorgen und Erfüllen manchmal nicht mehr viel übrig bleibt. Von jedem selbst. Und von uns gemeinsam.
Wo findet man die Liebe, in einem Alltag voller Aufgaben?
Manchmal wünschen wir uns mehr und wissen aber auch, dass es nicht immer geht.
Weil man selbst nicht noch mehr geben kann. Weil man nicht weiß, wo man noch mehr her holen soll.
Denn es reicht vielleicht gerade noch für einen selbst – etwas, das wir beide eigentlich immer wieder dringend brauchen, aber oft noch schlecht umsetzen können. Weil wir die anderen gerne zufrieden sehen und daraus für uns Wohlbefinden ziehen.
Doch diese Rechnung geht nicht auf.
Nicht lange.
Also stehen wir so manches Mal da. Nebeneinander. Wünschen uns, allein und gleichzeitig zu zweit zu sein. Und wissen, dass ‚zu zweit sein‘ in unserem Fall oft noch bedeutet: Einer ist mit unserem Kind zusammen, während der andere etwas alleine macht. Irgendwie auch gut. Und irgendwie nicht das, was wir uns wünschen. Denn wir wissen: Wenn der Akku des einen ansatzweise Ladung erhalten hat, geht’s im Schlagabtausch für den anderen weiter.
Also halten wir uns gegenseitig über Wasser und finden heraus, dass das eine Form von Liebe ist, die wir leben können. Rücken frei halten, Raum für Selbstfürsorge ermöglichen – auch wenn die Sehnsucht da ist, sich dem anderen mal bewusst widmen zu können.
Dann umarmen wir uns bewusst mal wieder ein bisschen länger. Geben uns keinen flüchtigen Alltagskuss, sondern machen das mal wieder ganz achtsam. Aber: Manchmal ist auch das zu viel – und das ist okay.
Und ich weiß: Es wird sich auch wieder verändern. Es wird mehr Räume für uns zu zweit geben, von denen wir jetzt noch nicht glauben, dass sie kommen könnten. Es wird Räume für jeden von uns geben, sich nur um sich selbst zu kümmern. Vielleicht dürfen wir das alles wieder ein bisschen lernen. Vielleicht fühlt es sich manchmal wieder ungewohnt an und als würden wir von vorn beginnen. Dann fühlt es sich vertraut und irgendwie auch ein Stückchen fremd an.
Aber ich denke, die Basis ist da. Wir. Das Band. Die Liebe. Die im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder eine andere Ausdrucksform fand und uns zeigte: „Euch zwei gibt es noch. Haltet einander, so oft ihr könnt. Und wenn ihr nur euch selbst halten könnt, seid gewiss – der andere wird es verstehen. Der andere hält diesen Freiraum, weil er weiß, wie wichtig das ist, damit man auch wieder zu zweit sein kann. Und zu dritt.“
