Ich habe alles im Blick.
Ich habe ein gutes Gefühl für mein Kind.
Ich hole mir Hilfe, wenn ich nicht weiterkomme.
Bald ist es zwölf Jahre her, als es meinem ersten Sohn begann, so schlecht zu gehen. Ich vermutete zunächst nicht Schlimmes. Wer macht das schon? Kinder werden krank. Menschen werden krank. Aber ernsthaft und schwer? Daran denkt vermutlich niemand so schnell.
Aus Selbstschutz.
Und heute spüre ich wieder, wie ich mich selbst schütze. Wie Verstand und Gefühl nebeneinander stehen.
In den vergangenen Jahren durfte ich mich häufig innerlich ausbalancieren, sobald mein Herzenskind krank wurde. Gedanken und Gefühle drehen wilde Runden durch mein System und ich versuche als Verkehrslotse den Überblick zu bewahren.
Überwiegend fühle ich mich sicher. In mir. Gestärkt. Klar. Ich weiß, dass ich das händeln kann. Dass ich das gut einschätzen kann, wann ich Hilfe brauche.
Aber.
Ganz klitzekleine Runden drehe ich dann doch in den Worst-Case-Szenarien. Was, wenn..?
Dann gehe ich kurz Möglichkeiten durch. Spüre Angst in mir aufkommen. Bitte nicht wieder was Ernsthaftes. Verschone dieses Kind. Das bleibt wohl übrig, wenn man so etwas erlebt hat.
Aber.
Ich fange mich genauso schnell wieder.
Vertraue.
Darauf, dass ich nichts übersehen werde. Dass ich für mein Kind und mich in der Ruhe bleiben kann, die nötig ist, um diese Phase zu überstehen.
Nicht verrückt machen.
Sein Körper schafft das.
Ich schaffe das.
Während Herzenskind sich fragt, warum ihm das immer passieren muss – kann ich mittlerweile anders auf Krankheit blicken. Ein Stück Leid gehört wohl dazu. Doch ich frage mich nun mehr: Was war zu viel? Und was zu wenig? Was will mir der Körper damit sagen? Egal, ob einfach oder schwer krank.
Vieles habe ich in der Hand, um Heilung und Genesung zu ermöglichen. Aber nicht alles. Stand heute. Frag mich nochmal in zwölf Jahren.

