Minus

Minus 3 Grad. Zarte Flocken fallen vom Himmel. Eisiger Wind weht durch die Straßen.

Ich müsste mit Herzenskind heute ein paar Lebensmittel einkaufen. Motivation? Bei uns beiden gering. Aber wir reduzieren auf das Nötigste, dann wird’s möglich für uns beide.

Hilfsmittel eingepackt. Ziele besprochen. Nahegelegenen Parkplatz anvisiert. Rollenspiel hilft, den Weg flotter zurückzulegen. Der kalte Wind beißt im Gesicht. Meine Beine sind schwer. Die Luft wird schnell knapp beim Sprinten. Der Markt sieht anders aus – alle Stände haben ein Vorzelt. Weniger Platz in den Gängen. Menschen drängeln sich an die beheizten Stände. Immer wieder Herzenskind lotsen, damit keine Kollisionen mit anderen Marktbesuchern entstehen. Zwei Stände geplant, Herzenskind möchte noch zu einem dritten – okay. Kleinen Snack zur Regulation besorgt. Am Gemüsestand drängelt sich eine Frau vor – hat sie uns nicht gesehen? Egal. Geduld scheint gerade noch da zu sein.

Wir beenden unser Rollenspiel auf dem Weg zurück zum Rettungsfahrzeug. Jetzt noch einen kurzen Einkauf im Supermarkt. Wir mobilisieren noch einmal alles in uns. Herzenskind geht mir Kopfhörern und Tablet durch den Supermarkt, hat mich im Blick. Hier und da ein paar Essenswünsche erfüllen – denn ich bin froh, wenn der kleine Mensch wieder etwas isst. Mittendrin bleiben wir im Treiben der Menschen stehen, schauen gemeinsam sein Video. Wir bauen es als Etappen ein, um allmählich den Weg zu Kasse zu beschreiten.

Komische Energie unter den Menschen – oder in mir? Wir stehen an der Kasse, alles dauert etwas länger. Herzenskind bittet mich immer wieder, das Video mit anzusehen. Für einen Moment ist mir alles zu viel: Die Wärme im Supermarkt, die Geräusche drumherum, die Menschen an den Kassen, mein Kind, das meine Aufmerksamkeit möchte. Ich spüre Panik in mir aufkommen. Will endlich raus aus dem Laden. Lasse mich schließlich mehr auf das Video meines Kindes ein und versuche das Drumherum auszublenden – und es gelingt. Ich nutze das Regulationsmedium meines Herzenskindes mit. Beende den Einkauf und atme auf, als wir den Supermarkt verlassen. Ab nach Hause.

Direkt bei Betreten des Flurs wünscht sich Herzenskind, im Anschluss gemeinsam ein Spiel zu zocken. Wir treffen eine Absprache. Beinahe im Sekundentakt: „Mamaaaaa. Guck mal.“ Okay, Übergang. Alles will irgendwie begleitet werden – aber das wollen die Kühlprodukte auch. Ich spüre den Druck in mir und wie er heraus will. Tränen. Anspannung fließt ab.  War doch ganz schön viel, heute Morgen.

Wir finden zusammen. Spielen etwas, das uns beiden gut passt. Verbindung. Regulation. So toll hat mein Kind unterwegs kooperiert. So super haben wir diese Wege erledigt. Und das, obwohl wir eigentlich keine Motivation hatten. Während wir in den Vorräten ein Plus zu verzeichnen haben, spüre ich auf meinen Energiekonto eher Minus. Also: Ruhe. Regeneration. Mit Stolz im Gepäck, das wir das beide heute so gut geschafft haben.

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