Mutterschaft mit Hochsensibilität, Autismus, ADHS und Trauer im Gepäck

Ich könnte sagen: Warum schläft mein Kind noch nicht allein? – Ich kann auch sagen: Wie schön, dass mein Kind sich weiterhin sicher bei mir fühlt und dabei gut in den Schlaf finden kann.

Ich könnte sagen: Warum spielt er manchmal nur eine halbe Stunde am Stück mit einem anderen Kind? – Ich kann auch sagen: Wie schön, dass er Zeit mit einem Kind verbringen und dabei spüren kann, wann er eine Pause braucht. Und statt drei Stunden am Stück, verbringt er eben drei Mal eine halbe Stunde mit einem Kind.

Ich könnte sagen: Warum macht er dieses oder jenes noch nicht? – Ich kann auch sagen: Er wird es lernen und machen, wenn er bereit dazu ist und den Sinn für sich darin sieht.

Ich könnte jeden Tag damit verbringen, nach der Erbse unter der Matratze zu suchen. Oder dem Haar in der Suppe. Ich könnte meinen Blick stets darauf richten, was alles nicht läuft oder klappt.

Aber ich habe auch die Möglichkeit, immer wieder den Blick auf das zu richten, was mittlerweile schon alles geht. Das, was vor einem oder zwei Jahren nicht mal denkbar war. Ich kann meine Sicht und Wahrnehmung für Fortschritt anders justieren – fernab von „Standard“ und „wie es alle so erwarten“. Und mein Kind lädt mich dazu seit fast sieben Jahren ein.

Innerlich stehe ich weiterhin auf einer Wippe. Spüre meine eigenen Prägungen und dass ich in diesem System aus Leistung und Bewertung aufgewachsen bin. Doch auf der anderen Seite sehe ich eben mein Kind und darf dadurch das Leben nochmal ganz neu wahrnehmen und begreifen lernen. Und damit mein Kind mit der Zeit dieses Ausbalancieren zwischen Innen und Außen selbst gut bewältigen kann, stehe ich ihm bei. Be-Stärke ihn. So lange und so oft er es eben braucht. Er ist auf seinem Weg. Immer. Und wenn jemand im Außen denkt, dass es Stillstand ist – da nimmt er eigentlich nur Anlauf.

Eine Antwort

  1. Avatar von momfilou.wordpress.com

    Bestärken! Das finde ich toll! Habe ich selbst kaum zu spüren bekommen als Kind und auch von meinen Männern. Nur bei der Arbeit, denn da war ich meistens gut. Alles lange vorbei. Doch auch heute mit 83 J. könnte ich mehr davon gebrauchen!… Grüße von Gerel.

    Gefällt 1 Person

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.