Groß denken?

Als vor drei Wochen die Sommerferien bei uns begannen, fühlte sich die bevorstehende, frei einteilbare Zeit so groß und weit an. Ich freute mich darauf, überwiegend spontan schauen zu können, wie wir die Tage gestalten. Malte mir aus, wie oft wir mit unserem Lastenrad durch die Gegend radeln und den Sommer mehr draußen, als drinnen verbringen würden. Ein paar Verabredungen. Familienbesuche, die wie kleine Urlaube vom Alltag sind, weil wir einige Tage woanders nächtigen.

Die Ferien sind noch nicht vorbei. Aber ich denke bereits an die kommenden drei Wochen und sehe die Zeit an mir vorbeiziehen. Ich spüre, dass jene Aktivitäten, die bisher gelaufen sind, im Nachgang ordentlich Regeneration benötigen. Jeden Tag Action und Ausflüge? Die Sommerferien ausnutzen und so viel, wie möglich unternehmen? Alles kann. Nix muss.

Klar. Hier könnten sich jetzt alle mal mehr zusammenreißen. Raus aus der Komfortzone. Rein ins Leben. Blabla.

Doch es zeigt sich wieder, dass jeder ein anderes Bedürfnis nach Aktivität hat. Dass schlaflose Nächte einen langen Nachhall haben. Dass Ferienzeit und Urlaubszeit nicht automatisch bedeutet, dass Friede-Freude-Eierkuchen-Familienzeit drin ist. Im Gegenteil. Irgendwo zeigt sich dann doch dieses Phänomen, dass sich Erschöpfung und Müdigkeit erst so richtig Raum nehmen, sobald Platz verfügbar und keine Anforderung zu erwarten ist.

Und so schwanke ich innerlich wieder einmal. Ich kann schwer abwägen, wer jetzt welchen Raum mehr braucht, welches Bedürfnis mehr im Mangel ist und wie wir das gut miteinander vereinbaren. Aus dem heutigen Gedankenfloh, dass ich gerne ein ein oder zwei Nächte ganz alleine sein möchte, ergab sich schließlich eine andere Konstellation, die ebenfalls verträglich ist. So schlafe ich mit Herzenskind irgendwie doch auswärts – denn wir veranstalten unsere beliebte Übernachtungsparty im Wohnzimmer. Kindchen freut sich darüber immer sehr und wir machen es uns richtig gemütlich. Ich hoffe, dass solche Momente einen Platz in seinem Ultralangzeitgedächtnis finden – und dass sich daran dieses wohlige Gefühl knüpft, das er jetzt damit verbindet. Ich werde mich an diese Abende jedenfalls immer gerne erinnern und dass sie sogar zu seinen ersten Sommerferien dazu gehören dürfen.

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.