War nicht eben gerade erst der Jahreswechsel und ich begann das Jahr mit großer Erschöpfung und vielen Tränen?
War da nicht gerade erst meine Diagnostik? Und dann die vom Herzenskind? Diese Zeit der Ungewissheit, ob die Fachpersonen uns auch wirklich so gesehen haben, wie wir es hofften – bis es letztlich schwarz auf weiß da stand: Autismus-Spektrum und ADHS.
Krass.
Dann war doch da eben noch März und die bittere Erkenntnis, dass die Krebs-Diagnose meines Himmelskindes sich zum zehnten Mal jährte. Zehn Jahre! Unfassbar. So lange ist es her, als sich mein Leben von einem Moment auf den anderen schlagartig veränderte. Ich war nicht mal 25 Jahre alt.
Wo ist dieses Jahr hin, in dem ich wieder viel an meinen mütterlichen Kompetenzen zweifelte? Um am Ende immer mehr in das Mitgefühl und Verständnis zu kommen – für mich selbst und für alle anderen.
Die Monate sind förmlich an mir vorbei gerast. Klar, in der Rückschau fühlt es sich immer wie ein kurzes Blinzeln an. Doch da waren Tage dazwischen, die an Trägheit, Müdigkeit und Überdruss kaum die Zeit vergehen ließen. Und dann wieder jene Tage, die mit einem Fingerschnipp vorbeigingen.
Von allem etwas.
Das pure Leben.
Da waren Zeiten des Abschieds: Die fast fünfjährige Stillbeziehung mit dem Herzenskind fand ein sehr harmonisches und friedliches Ende. Ich kann manchmal kaum glauben, wie richtig sich das alles anfühlte und wie gut es für uns beide passte. Pure Dankbarkeit und Stolz bleibt zurück.
Dann war da weiteres Loslassen. Von Vorstellungen. Unser Kind ist im Autismus-Spektrum und wir Eltern auch. Unser weiteres Leben wird sich mit dieser Erkenntnis anders gestalten – oh, was bin ich dankbar! Allein in diesem Jahr ist hier schon mehr Ruhe und Akzeptanz für unsere individuellen Grenzen eingezogen. Ich kann nun zum Jahresende sagen, dass ich weniger erschöpft bin, als zu Beginn des Jahres – einfach weil ich viel mehr fünfe gerade sein lassen kann. Da flackert natürlich immer wieder der Zweifel auf, wie ich mein Kind in diese neurotypische Welt einbringen kann und ob das, was wir tun, reicht. Aber ich weiß: Wir versuchen vieles. Probieren aus. Tasten uns heran. Und dürfen vertrauen. Viel viel mehr! Unserem Kind und seinem eigenen Tempo vertrauen, denn er überrascht mich immer wieder. Weil einiges plötzlich und mit einmal von ganz alleine klappt – was jahrelang noch schwierig war. So wird es mit vielem sein, da bin ich mir immer mehr sicher. Unser Herzenskind ist für mich die wunderbare Erinnerung daran, dass er nicht schneller wächst, wenn wir an ihm ziehen und nicht schneller lernt, wenn er Druck ausgesetzt wird.
Ruhe. Akzeptanz. Mitgefühl. Verständnis.
Liebe.

Was für ein Jahr. Sehr viele Erkenntnisse. Neue Sichtweisen. Mehr Frieden mit vielen Themen. Mehr Schlaf als in den Jahren zuvor (juhu!).
Möge es im kommenden Jahr weiter so positiv vorangehen.
Danke Leben. Danke für das Licht, dass Du immer wieder in der Dunkelheit aussendest. Danke, dass Du Menschen auf den Weg bringst, die immer wieder passen – denn von allen lerne ich etwas.
Krass. Wirklich krass, dieses Leben.
