Sonntag. Eine ereignisreiche Woche liegt hinter mir.
Indoor-Spielplatz mit Herzenskind. Ein Tag Pause. Ein Tag Aktion. Ein Tag Pause. Zwei Tage Aktion. Ach, dann noch der Wocheneinkauf mit Herzenskind zusammen und später ein Abend mit einer Freundin.
Viele Reize. Viele Eindrücke. Viel Energie habe ich an diesen Tagen aufgewendet. Es war erfüllend und nährend, hat ordentlich Dopamin gebracht. Aber dann frag mal, was es mich auch gekostet hat. Es hat sich auf meinen Schlaf ausgewirkt, denn scheinbar habe ich da viel verarbeiten müssen – es war also nachts ebenso unruhig, wie am Tag.
An diesem Sonntag spüre ich in mein Energie-Konto hinein und irgendwie schreibt es rote Zahlen. Am Abend zuvor ging es für mich erst gegen Mitternacht ins Bett, weil der Ausflug mit der Freundin mich gegen elf Uhr nach Hause ließ. Dass Veranstaltungen aber auch immer abends sein müssen, denke ich so bei mir. Es war also weit nach meiner gesunden Zubettgehzeit, die sich für mich als gut erwiesen hat. Auch der Zeitraum für das Abendessen wurde mit der Veranstaltung durchkreuzt und ich aß rund zweieinhalb Stunden später.
Für die meisten Menschen ist das kein Problem und mal kann man das doch verkraften. Klar. Das denke ich mir auch. Nur mein Körper, mein sensibles System, reagiert da nicht so entspannt drauf. Ich bekomme unmittelbar die Quittung für eine ereignisreiche Woche und einen Abend, der schön war und gleichzeitig alles in mir durcheinander geworfen hat. Es ist so störanfällig geworden, sage ich zu meinem Herzmenschen, als ich ihm von meiner Entrüstung über das Durcheinander in mir berichte. Es macht mich traurig. Denn ich konnte mal viel mehr aushalten. Oder doch nicht? Hab ich es damals einfach nur nicht richtig gespürt und bin immer fleißig drüber gegangen? Wohl eher.
Für kurze Augenblicke denke ich, ich bin nicht mehr so belastbar. Und dann erinnere mich wieder daran, dass ich seit fünfeinhalb Jahren mit Schlafmangel und permanenter Erschöpfung eine kleine Familie organisiere. Nur darüber hinaus geht nicht mehr so viel. Und wenn, dann nur ganz selten. Dann brauche ich wieder viel Zeit für Regeneration, die ich mir mehr oder weniger gut nehmen kann.
Ich will nicht, sage ich zu mir, wenn ich an diesem Sonntag an die folgenden drei Tage denke. Drei Termine, einer davon sehr früh, zu dem ich zwei Menschen aufwecken und motivieren muss. Jedes Mal sind es Begegnungen mit Menschen, die einen Blick auf unser Kind werfen. Und auch Bewertungen oder Einstufungen vornehmen (müssen). Alles in mir schreit, dass ich da gar keine Lust drauf habe und mich nur verkriechen möchte mit meiner Familie. Doch eine kleine Stimme sagt nebenbei, dass diese ereignisreiche Woche und der wenig erholsame Schlaf meine Wahrnehmung und Stimmung beeinflussen. Dass es trotzdem gut laufen kann, auch wenn ich das heute noch nicht sehen kann. Bin ja dann doch keine Hellseherin.
Die neue Woche beginnt. Herzenskind und ich sind richtig früh wach und mit der Morgenroutine total gut organisiert. Ein bisschen ruckelt es mit Herzmensch, aber schließlich sind wir pünktlich beim Termin und es läuft auch dort rund. Es war wichtig, dass wir diesen Termin wahrnehmen konnten, damit die weiteren Schritte im Nachgang in Bewegung gesetzt werden. Wir drei tun uns im Anschluss was Gutes, gehen Essen und freuen uns über die Sonne, die den kalten Wintertag erhellt. Während der Autofahrt lachen wir so viel, wie schon lange nicht mehr.
Dann hängt mein Herzmensch durch. Seine Nacht gekennzeichnet von Temperatur und Kampf gegen einen kleinen Infekt. Am Morgen kommt bei mir Unruhe auf, denn zwei Tage später will ich eine Nacht wegfahren und die Verantwortung für Kind liegt dann bei Herzmensch. Meine Stimmung geht in den Keller. Traurigkeit, Wut und Überforderung kommt auf. Ich kann in diesem Moment nur wenig Mitgefühl für meinen Herzmenschen aufbringen – und das nervt mich zusätzlich. Immerhin kann er ja nichts dafür, dass er angeschlagen ist. Doch das, was daraus resultiert, darf ich regulieren. Und das ist mir, nach dieser vergangenen Woche und dem eigentlichen Bedürfnis nach Rückzug und Pause, in dem Moment einfach zu viel. Hoffentlich bleibe ich fit. Es hängt so viel daran.

Ich versuche nun also meine Gedanken positiv auszurichten, zuversichtlich zu sein. Wird schon klappen. Wo ist jetzt das Nervensystem, an dem ich mich regulieren kann in dieser unsicheren Situation? Ich darf mir wohl selbst der sichere Hafen sein. Gut zu mir sein. Genau überlegen, wohin ich meine Energie richte.
Dann kann ich mein Herzenskind wieder gut verstehen: Wenn alles zu viel wird, will man einfach nicht. Doch manchmal geht’s dann doch irgendwie und wird sogar am Ende ganz gut.
