…weil die Erinnerungen an diesen einen Sommer vor vielen Jahren nicht nur leicht sind.
…weil der Geruch von aufgeheizten Asphalt in eine Zeit zurückversetzt, die die Endlichkeit eines jungen Lebens allgegenwärtig machte.
…weil sich jeder heiße Tag wie ein leiser Countdown anfühlt – bis sich der Tag jährt, an dem der Tod das schmerzliche Ziel war.
…weil seit dem Sommer vor zehn Jahren vieles nicht mehr so ist, wie es war – allem voran ich.
…
Wenn Sommer auch traurig macht..
…weil diese Jahreszeit eine ständige Einladung vom Leben ist – und ich ihr nicht immer nachgehen kann.
…weil vieles von dem, was Sommer so ausmacht, für mich nicht mehr infrage kommt.
…weil die grelle Sonne und die Hitze so wahnsinnig starke Reize für mein System sind, dass ich sie nicht täglich ertragen kann.
…weil ich weiß, wie wichtig Sonne und Bewegung für die Gesundheit sind – und ich nach der kleinsten Aktivität bereits komplett überreizt bin.
…weil ich meinem Kind schöne Erinnerungen schaffen möchte – und wir nach drei aufeinander folgenden Tagen mit Aktivität auf Spielplätzen wieder auf dem Sofa versacken. Hoffentlich mit einem glücklichen Gefühl im Herzen.
…weil sich mein Körper ständig ‚mehr‘ anfühlt und spannt.
…weil an besonders heißen Tagen jedes Stückchen Stoff zu viel wird und der klebende Schweiß auf der Haut sensorisch kaum zu ertragen ist.
…weil eine winzige Mücke eine schlaflose Nacht zu einem Tag macht, der sich schwer wie ein Elefant anfühlt.
…

Ich freue mich jedes Jahr auf den Sommer. Auf die blühende Natur. Die fleißigen Bienen, Hummeln und wunderschönen Schmetterlinge. Auf Rausgehen ohne sich in drei Lagen Kleidung einzuhüllen. Auf die schönen Sonnenaufgänge, die den kühlen Morgen in ein wundervolles Licht hüllen. Auf Sonnenuntergänge, die lange und helle Tage enden lassen. Auf all die heimischen Früchte, die den Sommer so ausmachen.
Und dann kommt so schnell das ‚Aber‘. Die Kehrseite. Die Dinge, die in mir kleine und große Räume einnehmen. Die der Leichtigkeit des Sommers wieder auch eine Schwere daneben stellen. So luftig leicht, wie in manch einer Werbung von damals, ist es für mich oft nicht mehr:
What I’m feeling
It′s never been so easy
When I′m dreaming
Summer dreaming
When you’re with me
– Bacardi Feeling (Summer Dreamin‘) Songtext [Bitteschön, ein Ohrwurm! Gern geschehen.]
Und vielleicht ist es eben wieder diese Gleichzeitigkeit: Das Bewusstsein für die Endlichkeit eines jungen Lebens und die Dankbarkeit jeden Abend neben diesem anderen jungen Leben einschlafen zu dürfen. Sich zu erlauben, bei all der Leichtigkeit des Sommers auch mal nur Schwere fühlen zu dürfen. Zu erkennen, dass Sommer kein Katalog an Aktivitäten ist, den man abarbeiten sollte, um einen ‚richtigen‘ Sommer zu erleben – sondern das ganz allein für sich herauszufinden, womit es einem gut geht. Zu hoffen, dass diese Kindheit des kleinen Menschen viele Sommer haben wird, in der sich Aktivitäten nochmal verändern und die Erinnerungen einige Räume im Herzen füllen werden.
