
„Bleiben wir Freunde, bis wir erwachsen sind?„, sagt das kleine Mädchen.
„Na klar!„, antwortet mein Sohn.
An einem sonnigen Frühlingstag sitze ich mit Herzenskind und seiner Schulfreundin auf einer Picknickdecke. Wir machen uns einen schönen Nachmittag. Ich lass‘ die beiden einfach Kinder sein. Mein Kind braucht für Ausflüge noch meinen Rückhalt und das ist okay. Gerne begleite ich ihn, denn ich sehe dabei so viel: Er hat Kontakt mit einem anderen Kind, kann Erfahrungen sammeln, neue Eindrücke sammeln. Das klappt am besten, wenn er sich sicher fühlt.
Mittendrin feiern die beiden ihre frische Freundschaft, die vor lauter Euphorie und Dopaminrausch auf die Ebene „BFF“ (Best Friends Forever) gehoben wird. Ich freue mich für die beiden. Dass sie so viel lachen. Einen Weg finden, ihre Bedürfnisse aufeinander abzustimmen. Kompromisse eingehen. Als das Mädchen schließlich fragt, ob ihre Freundschaft bis ins Erwachsenenalter Bestand haben könnte und mein Kind mit einer Selbstverständlichkeit „Na klar!“ antwortet, wird mir warm ums Herz. Wie sehr wünsche ich den beiden eine lange Freundschaft. Viele gemeinsame Erfahrungen. Durch Dick und Dünn. Dass ihre Verbindung Höhen und Tiefen aushalten kann. Dass sie den anderen mit allen unausweichlichen Veränderungen des Lebens annehmen können. Das Mädchen hat meinem Herzenskind den Start in der anderen Schule um einiges erleichtert und dafür bin ich wohl auf Ewig dankbar. Dass sie auch außerhalb der Schule gerne Zeit mit ihm verbringen möchte, ist eine so schöne Erfahrung für uns alle.
An diesem Nachmittag macht sich auch mein inneres Kind noch einmal bemerkbar. Spürt bei den Worten des Mädchens eine Resonanz. Ein bisschen Wehmut. Ein bisschen Trauer wohl auch. Denke kurz an meine Freundschaften, die sich so ergaben. Die, die noch da sind – nach so vielen Jahren und Veränderungen. Die, die sich bereits aufgelöst haben – wortlos und ohne Abschied. Spüre die Sehnsucht nach Begegnungen mit denen, die ich lange nicht sehen konnte und werde etwas traurig, weil mal eben sehen nicht mehr so möglich ist – versuchen alle ihren Alltag zu meistern. Kurz kommen Fragen auf: War und bin ich allen wirklich eine gute Freundin? Konnte und kann ich alle so sein lassen, wie ich es mir für mich wünsche?..
Doch bevor ich mich in meinen Erfahrungen verliere und sich Trübsal ob der verflossenen Freundschaften in mir ausbreitet, lasse ich mich in die kindliche Unbeschwertheit neben mir auf der Picknickdecke ein. Lächele die beiden voller Zuversicht an. Und sage mit Wärme und Freude in meiner Brust: „Ich wünsche es euch sehr.„
