Hormonelles Gedicht

Für gewöhnlich lassen mich meine Hormone einmal im Monat in die dunklen Tiefen meiner Seele abtauchen. Es kündigt sich über einige Tage an und erreicht oft an einem Tag einen gewissen Höhepunkt, an dem Gedanken dunkeldüster werden und sich kaum etwas Positives für mich zeigen will.

Ich weiß darum.

Bin nachsichtig und milde mit mir geworden. Verlange dann nicht zu viel von mir in all den Rollen und Verantwortungen. Ich übe mich mehr darin, es an mir vorbeiziehen zu lassen und mir dann ganz bewusst etwas Gutes zu tun.

Meine Energie nimmt seit zwei Tagen ab. Sofa ist mein Freund. Wärmekissen auch. Es ist ruhig bei uns – Herzmensch im Nachtdienstmodus, Herzenskind und ich machen das, was uns gut tut und entspannt. Meine Gedanken dieses Mal weniger dunkel – ich bin dankbar.

Im vergangenen Monat kamen mir im zyklischen Winter meines Körpers Worte in den Sinn, die Erleichterung schufen. Als würden sich die dunklen Wolken an jeden Buchstaben klammern und aus mir herausgeschrieben werden.


Einer dieser Tage

Der Raum nebenan wird mit eurem Lachen erhellt. Es trifft mich zweierlei heute, weil mir die Leichtigkeit fehlt.

Ich freue mich für euch über die gute Zeit. Selbst spüre ich kein Fünkchen von Heiterkeit.

Alles wiegt schwer, ich empfinde mich als Last. Ich schwanke gedanklich zwischen Hast und Rast.

Meine Gedanken kreisen um den nächsten Sinn. Frage mich mal wieder, warum ich am Leben bin.

Kann heut‘ nicht erkennen, worin ein Talent von mir liegt. Sehe nur, was nicht klappt und im Alltag schwer wiegt.

Denke mir: „Ohne mich wärt ihr alle besser dran!“ Und weiß nicht, was ich gegen die Dunkelheit in mir ausrichten kann.

Da ist wieder ganz besonders viel in mir los. Das Gefühl, fehl am Platz zu sein, erscheint wahnsinnig groß.

Ich weiß, sie gehen vorbei diese Tage, an denen ich über alles nachdenke, nur wenig sage und vieles hinterfrage.

Ich fühle mich randvoll und gleichzeitig leer. Körper und Geist wiegen tonnenschwer.

Innen alles laut, nach außen eher still. An diesen Tagen weiß ich nicht, was ich vom Leben will.

3 Antworten zu “Hormonelles Gedicht”

  1. Dunkelheit und Stille mögen bedrohlich wirken – und doch sind sie nicht selten Zeiten des Wachstums. Der Reife. In der Natur wundern wir uns darüber kaum. Bei uns selbst ist das oft anders.
    Aber du kennst den Rhythmus deines Körpers – und du weißt, dass diese Tage vergehen. Ich wünsche dir sehr, dass dir dieses Wissen hilft, sicher und zuversichtlich durch dunkle Zeiten zu kommen. 🙏

    Gefällt 1 Person

      • Nicht doch … Deine Worte haben mich sehr berührt und es war mir ein Bedürfnis, etwas dazu zu schreiben. Mehr als gern. Hab ein schönes Wochenende, liebe Bianka! <3

        Like

Hast Du Gedanken dazu? Schreib doch gerne einen Kommentar.