Es fällt mir oft sehr schwer, gedrückte Stimmung auszuhalten. Bei mir selbst und bei anderen. So sehr ich auch weiß, dass alle Gefühle ihre Daseinsberechtigung haben, Raum bekommen dürfen und es letztlich nur an der Wertung liegt, ob es als „leicht“ oder „schwer“ empfunden wird – dieses dunkle, zähe und schwere fühlt sich für mich so groß an. Kaum zu halten.

Wenn die Gedanken schwer werden und ich wieder einmal vor der Sinnlosigkeit meines Daseins sitze, weiß ich nicht wohin mit mir. Erzähle ich jemandem davon? Und wenn ja, wer kann das mit halten? Die gut gemeinten Antworten kann ich mir selbst bereits geben. Es gibt Phasen im meinem Zyklus, in denen dieses Gefühl von Lebensüberdruss immer wieder auftaucht. Ich weiß, es vergeht auch wieder sobald sich die Hormone wieder regulieren. Gerade befinde ich mich im zyklischen Sommer, in dem ich eigentlich vor lauter Energie und Tatendrang kaum zu halten bin.
Doch irgendetwas scheint gerade nicht zu stimmen. Ob es noch vom Abstillen herrührt? Ich bin antriebslos, müde und habe Mühe, den Alltag zu bewältigen. Dieses Gefühl von Sinnlosigkeit ist so groß und ich will, dass es verschwindet. Ich will Zeit mit meinem Kind verbringen und gleichzeitig ist es mir zu viel. Wenn sich die Nabelschnur spürbar lockert und auch weitere Bezugspersonen akzeptiert werden, bin ich gleichzeitig froh und traurig – denn ich kann gerade nicht für Glücksmomente im Leben meines Kindes sorgen und fühle mich als Versagerin. Da sitzen offenbar noch ganz schön krasse Glaubenssätze in mir fest.
Ich hab doch alles, könnte man sagen. Im Außen mag das sicher auch stimmen. Doch irgendwo in mir scheint ein Mangel zu sein. Ob es Hormone sind, Selbstwert, Mikronährstoffe, Antrieb – es könnte alles oder nichts davon sein.
Ich erinnere mich noch daran, als ich Mitte 20 auch mal eine Sinnkrise hatte. Mein erstes Kind war zu der Zeit knapp über ein Jahr alt. Quartierlife-Krise begegnete mir bei einigen Internetrecherchen und ich dachte, ich müsste einfach nur irgendwie nochmal eine weitere sinnvolle Aufgabe neben der Mutterschaft in meinem Leben finden. Dann wurde bei meinem Kind Krebs gefunden und der Fokus von meiner eigenen, inneren Krise abgewendet.
Wenn sich etwas immer wiederholt, ständig wiederkehrt, frage ich mich mittlerweile häufiger, was mir das Leben damit sagen möchte. Was darf ich lernen? Was soll ich ändern? Wo darf ich nochmal hinschauen? In die eigene Verantwortung für mein Befinden gehen. Doch in Zeiten dieses Lebensüberdrusses und der Sinnlosigkeit ist auch ganz viel Nebel im Kopf. Ich kann kaum klar denken. Es ist, als würde ich tief abtauchen in mich selbst, um nach Antworten zu suchen. Doch ich hänge fest.
Abwarten. Vermutlich ist wieder das die Lösung für den Moment. Nicht ständig in Aktion zu gehen. Nicht ständig aktiv nach Lösungen und Veränderungen suchen. Doch gerade das fällt mir oft sehr schwer. Denn es wird ja oft behauptet, dass ich einfach nur jeden Tag richtig nutzen müsste. Dass ich meine Gedanken einfach auf etwas Positives lenken sollte. Dass jeder Augenblick in Traurigkeit oder Wut verschenkte Lebenszeit sei. Doch sind das nicht zu hoch gesteckte Leitlinien? Sie sind mir zu global, zu groß formuliert. Ich kann mich nirgends richtig festhalten.
Was mache ich, wenn sich meine Gedanken wiederholt um die gleichen Themen drehen und ich meinem Umfeld das gar nicht mehr zumuten möchte? Einerseits finde ich es wichtig, mich ehrlich zu zeigen – ohne Masken! Und wenn diese Masken abgelegt sind, sehe ich deutlich, dass ich zur Zeit überhaupt nicht die fröhliche, humorvolle und lockerleichte Person bin, die ich selbst und andere gerne mögen. Da sind viele Sorgen. Da ist viel Traurigkeit. Viel Unsicherheit. Viel Gleichzeitigkeit zwischen Altem und Neuem.
Wie gerne würde ich einfach machen. Mich nicht so anstellen. Nicht immer so viel Drama um alles machen. Einfach zusammenreißen und weiter geht’s. Mache ich auch. Immer zu. Immer mal wieder. Bis es nicht mehr geht. Denn es kostet mich so viel. Ich möchte so gerne manchmal aus meinem Kopf aussteigen und Urlaub von den vielen Gedanken machen. Pause vom vielen Fühlen und Denken. Meine Wahrnehmung macht mich zur Zeit fertig, denn ich erkenne, wie sehr sie sich oft von meinem Umfeld unterscheidet. Sich da nicht komplett verrückt oder verkehrt zu fühlen, ist echt eine große Kunst.
