Mamakrank

Kranksein muss man sich erlauben können!

In einer so leistungsorientierten, kapitalistischen Gesellschaft zeichnet sich schon schnell ab, wie unerwünscht es ist, krank zu sein. Von Behinderung rede ich erst gar nicht.

Du bringst keine Leistung? Da fällt wertvolle Arbeitskraft aus? Und überhaupt, wer bezahlt das denn, wenn Du ausfällst?!

Krankheit bedeutet in diesem Kontext Schwäche. Und Schwäche ist gar nicht gerne gesehen. Anderen zur Last fallen und im „schlimmsten“ Fall finanziell auf der Tasche liegen – ein Graus für viele im Land. Doch während Arbeitnehmer überwiegend ziemlich gut abgesichert sind, wenn sie mal ausfallen – was, GUTEN TAG, nunmal menschlich ist – fallen manche Menschen eben ziemlich durch das Raster. Hausfrauen, Mütter oder Väter, pflegende Angehörige, die nicht mal eben eine Krankmeldung vom Arzt einreichen können, stehen meistens mit leeren Händen da.

Hinzu kommt, wenn man der „Motor“ der Familie ist, alles am Laufen hält und überblickt – wer fängt das auf, wer füllt diese Lücke? Sicher, mal ein bisschen Krankheit für kurze Zeit richtet noch keinen Kollateralschaden an. Dann bleibt da eben mal was liegen und dauert länger. Doch eine länger währende Krankheit reißt eine große Versorgungslücke rein, wenn nicht jemand anderes sie füllt.

Ich bin auch nicht gerne krank. Wer ist das schon? Wenn die täglichen Aufgaben und das Erfüllen von Grundbedürfnissen bereits erschwert sind, dann bin ich schon genervt. Ich versuche seit einigen Jahren die Krankheitswellen anders zu reiten: Meinem Körper mehr dafür zu danken, dass er mir zeigt, wo ich nicht so gut auf mich geachtet habe – statt ihn dafür zu rügen, dass er nicht die Leistung vollbringt, die ich jetzt gerade erwarte. Ich möchte nicht mehr Raubbau an meinem Körper betreiben – komme dem aber leider immer wieder ziemlich nahe. Weil ich der Motor meiner Familie bin und nur selten Kaltphasen habe – ich laufe im Grunde nonstop. Kann man alles lernen.. ja, blabla. Für manche mag es leichter sein. In unserer Familienkonstellation ist einfach abgeben und da müssen sie eben durch nur sehr selten drin. Da muss mit allen Tankfüllungen der jeweiligen Personen gerechnet werden – und wo nix zu holen ist, geht halt nix.

Nun sitze hier. Seit einer Woche mit dickem Hals. Ich hatte schon lange nicht mehr solche Schmerzen beim Schlucken und war mit den geschwollenen Mandeln im Hals absolut reizüberladen. Es war wieder die perfekte Ausgangslage: Mama krank, Papa Nachtdienste. Und ein Herzenskind, dass mal wieder mehr Zuwendung als eh schon benötigt. Regeneration? Sehr mühselig. Ruhepausen? Kaum. Ich hab nur das Nötigste gemacht und Scheuklappen aufgesetzt. Ganz viele Augen zugedrückt. Und weil ich vor zwei Tagen dachte, dass es schon ziemlich überstanden sei, ging ich gestern mit Herzenskind dringende Einkäufe erledigen. Herzmensch fiel komplett raus, weil der von den Nachtdiensten gebeutelt war. Und was sagte mir mein Körper am Abend? Hallo, ich hätte hier nochmal so dicke Mandeln, die noch gar nicht abgeheilt waren. War’n bisschen viel, oder? Grmpf. Zu früh gefreut. Wieder zu viel aufgehalst (im wahrsten Sinne). Heute war also wieder Sparprogramm angesagt, so viel Schonung wie möglich eingebaut. Glücklicherweise sind manche Kompromisse mit Herzenskind drin. Die Halsschmerzen von gestern Abend sind annähernd abgeklungen.

Mein Körper weist mich deutlich in meine Schranken, passt gut auf mich auf. Mir steht’s offenbar zur Zeit bis zum Hals und ich wünsche mir, dass sich nun endlich Unterstützung für uns findet – damit sich für uns wieder Raum für Regeneration ergibt. Ich werde erneut eine intensive Heilpraktiker Behandlung beginnen und hoffe, dass wir meinen Körper wieder von innen starken können, denn ich springe immer sehr gut auf solche Behandlungen an. Denn alleine schaffe ich das alles einfach nicht.