Die Rechnung der Heilpraktikerin ist noch nicht angekommen. Sie sagte, ich solle mich noch einmal melden. Ich hab trotz Nachrichten auf dem Anrufbeantworter noch keine Rückmeldung von ihr.
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Unser Auto soll nächsten Monat zum TÜV. Herzmensch soll mit bekanntem Mechaniker nochmal Bestandsaufnahme machen. Vermutlich muss was ausgetauscht oder repariert werden. Was das wohl kosten wird? Ich erinnere ihn mal daran, einen Termin mit ihm zu vereinbaren. Der Mechaniker hat sich seit einer Woche noch nicht zurückgemeldet.
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Wir haben eine Verabredung um 15Uhr. Ich schaue immer wieder aus dem Fenster, wann der Besuch kommt. Zehn Minuten später treffen sie ein.
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Ich bin aufgewachsen in einem Umfeld, das viel Wert auf Pünktlichkeit legte. Im Zweifelsfall lieber zehn Minuten eher da sein, als genau pünktlich auf die Minute einzutreffen. Das ist quasi bei mir ins Blut übergangen. Wenn ich Termine habe oder eben ein zeitlicher Rahmen für gewisse Erledigungen vorgesehen ist, versuche ich es lieber früher zu erledigen, als später. Wenn etwas erledigt und abgehakt ist, verbraucht es in meinem Kopf keinen Platz mehr – und damit auch keine Energie. Es beruhigt mich, wenn wichtige Vorhaben erfüllt wurden und ich nicht mehr daran denken muss.
Das Leben schenkt mir natürlich gerne Menschen, die mich unbewusst und liebevoll an diese kleine große Unsicherheit erinnern. Wenn es jemand dann nicht so genau nimmt mit der Pünktlichkeit oder wenn da jemand ist, der Erledigungen bis zum Äußersten aufschiebt, bis es beinahe oder gänzlich in Vergessenheit gerät – dann fordert mich das enorm heraus. Es macht sich Unruhe in mir breit. Ich werde ungeduldig. Ja, es mündet beinahe in sowas wie Panik.

Panik? Warum? Wovor habe ich Angst? Da ist immer so eine diffuse Angst, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Dass es unangenehme Konsequenzen nach sich zieht, wenn jemand oder etwas verspätet kommt. Mein Verstand weiß im Grunde, dass davon nicht die Welt untergehen wird. Immer wieder stelle ich mir selbst die Frage, sobald sich die Unruhe in mir breit macht: Was kann im schlimmsten Fall passieren? Und meistens fallen die Antworten milde aus, denn die Konsequenzen sind auszuhalten, zu schaffen. Es ruckelt dann vielleicht mal bei allen Beteiligten ein bisschen, doch niemand wird großen Schaden davontragen. Aber mein Kopf scheint blöderweise manchmal auf Drama programmiert zu sein. Da haben sich vermutlich gewisse Prägungen verankert, die mir den Alltag so manches Mal erschweren.
Denn es ist anstrengend. Emotional. Körperlich. Alles ist auf Anspannung. Und ich spüre es an so vielen Stellen. Was ich dann bräuchte? Ein reguliertes Nervensystem! Jemand, der das Ganze nicht so dramatisch betrachtet und empfindet wie ich und gleichzeitig mein Erleben nicht klein redet. Wenn niemand da ist, der das übernehmen kann, muss ich mir selbst helfen, klar. Dann rede ich gut auf mich ein, versuche mir mit Worten und Gesten Sicherheit zu geben. Und manchmal hilft nur Ablenkung, um nicht komplett im Drama zu versinken. Klappt alles mal mehr, mal weniger gut. Denn natürlich ist das alles wieder abhängig von meiner Grundverfassung: Wie ist das Energielevel? Wo stehe ich im Zyklus? Was war vorher alles so los? Somit ergibt sich eine immer wiederkehrende Ungewissheit, denn diese ganzen Faktoren, die täglich auf mein sensibles System einwirken, sind variabel und oft unvorhersehbar.
Es bedarf wohl noch vieler korrigierender Erfahrungen, damit sich dieser unsichere Umgang mit der Ungewissheit wandelt. Mit beiden Füßen fest verwurzelt da stehend, den Stürmen des Lebens trotzend und mit dem tiefen Vertrauen in meine Kraft den Ungewissheiten begegnen – das Bild halte ich mir mal vor Augen. Und wenn ich schon bei vielen Dingen unsicher bin – da bin ich mir sicher, dass ich es Stück für Stück lernen werde.
