
Heute habe ich mal wieder einen ganz wertvollen Podcast gehört. Etwas, das für mich nicht immer gut geht, denn meine Aufmerksamkeit für das Gesprochene anderer Menschen wird im Alltag oft wieder unterbrochen, sodass es ich den Anschluss im Kopf verliere, wenn ich erneut reinhöre. Doch heute hat’s mal gut geklappt – und wenn ich mich mit dem Thema so identifizieren kann, fällt es mir sogar leichter, inhaltlich zu folgen.
Und als ich diesen netten Menschen so lauschte, wie sie über Autismus-Spektrum und den Alltag von Familien sprachen, kam mir mit einmal der Gedanke:
Wir sind eine von vielen.
Tatsächlich arrangieren sich ja so viele Familien mit den täglichen Herausforderungen, Höhen und Tiefen, Sorgen, Nöten und Besonderheiten, die das Leben im Spektrum der Neurodiversität mit sich bringt. Zu wissen, dass man mit diesen ganzen Gedanken, Fragen und Gefühlen nicht allein ist, hilft mir meistens sehr, mich verstanden und auch gesehen zu fühlen. Manchmal bringt der Alltag auch etwas Einsamkeit mit sich, doch zu hören und auch zu lesen, dass andere ähnliches erleben, dass sie so vieles nachvollziehen können, hilft ein Stück über das Gefühl der Einsamkeit hinweg.
Als der Gast des Podcasts schließlich sagte, dass ihm der Podcasts selbst auch geholfen habe, denn die persönlichen Geschichten der Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen und anderen Neurodivergenzen bewirken ein tieferes Verständnis dafür, wie breit das Spektrum ist und wie vielfältig sich Autismus zeigen kann – habe ich zustimmend in Dauerschleife genickt.
Nicht nur dieser Podcast hilft mir, ein breites Verständnis zu entwickeln. Auch die sozialen Netzwerke beinhalten viele wertvolle Profile, die Aufklärung betreiben und damit zu mehr Verständnis für Neurodiversität beitragen. Auch ich möchte mit meinen Blog, mit meinen Büchern und mit den Beiträgen in sozialen Netzwerken einen Anteil leisten, dass sich andere ein Stück verstanden fühlen, dass Verbindungen entstehen und sich ein stärkendes Netzwerk bildet. Und als ich so über die sozialen Netzwerke nachdachte, fiel mir direkt ein:
Ich bin eine von vielen.
Während mich der Gedanke, mit diesem täglichen Erleben nicht ganz alleine zu sein, eher innerlich aufrichtet – frustriert mich gleichzeitig die Erkenntnis, dass ich in der weiten Welt der sozialen Netzwerke, mit dem breiten Überangebot kaum sichtbar werde. Das piekst schon etwas in so manche Prägung hinein, die in mir das Gefühl hervorruft: Es ist nicht genug. Du bist nicht genug. Du musst noch mehr tun.
In den vergangenen Wochen hat mich das Thema „Sichtbarkeit“ sehr beschäftigt. Immerhin wünsche ich mir, Menschen mit meiner Geschichte zu erreichen und zu bewegen. Doch wie erreicht man die Menschen, für die meine Bücher eine Bereicherung sein könnten? Ich probiere aus. Wenn mir Ideen kommen, gehe ich in Aktion. Dabei wachse ich schon jetzt über mich hinaus und staune, dass ich beinahe selbstverständlich E-Mails verfasse und wagemutig fremde Menschen anschreibe, um für mich und meine Bücher zu werben. Es gibt unzählige Wege, Sichtbarkeit zu erlangen – doch nicht mit jedem fühle ich mich wohl. Noch nicht. Vielleicht ändert sich meine Einstellung zu der ein oder anderen Möglichkeit ja noch. Aber ich merke eben auch, was es mich jetzt schon kostet, da immer wieder in Aktion zu treten. Wieviel Zeit und Aufmerksamkeit es erfordert, auf sich aufmerksam zu machen. Und gleichzeitig möchte ich mir treu bleiben, mich nicht unter Wert verkaufen – für Likes und Herzen.
Ich schreibe in erster Linie für mich. Weil es mich befreit. Weil es mir hilft, mich innerlich zu sortieren und zu ordnen – etwas, das mit der Kombination Autismus-Spektrum und ADHS ein spannendes Unterfangen ist, denn da ist immer genug los im Kopf. Wenn ich Menschen mit meinen Texten erreiche und ein Stück bewegen kann, dann ist das für mich nicht nur das Sahnehäubchen, sondern auch die Kirsche oben drauf.
Du befindest Dich auf einer Reise, sagte mir mein Herzmensch vor ein paar Tagen, als ich wieder mal voller Selbstzweifel am Küchentisch saß und mir die Tränen liefen, weil ich diese vielen Gedanken und Gefühle kaum sortieren konnte. Ich wusste nicht, ob ich noch mehr tun müsste, ob das überhaupt alles Sinn macht, was ich gerade so versuche. Mein Herzmensch hat damit so recht, denn ich habe diesen großen Traum, dieses Ziel – aber der Weg dahin zählt. Alles, was ich bisher gemacht habe, was ich noch tun werde, wird mich dahin bringen, wo ich hin möchte. Doch ich brauche Geduld. Durchhaltevermögen. Vertrauen in meine Fähigkeiten und meine Intuition, die richtigen Optionen zu wählen. Ich werde weiter versuchen, scheitern, versuchen, scheitern. Und zwischendurch werde ich nicht vergessen, mich anzuerkennen und zu feiern, wieviel ich tatsächlich so ziemlich alleine auf die Beine gestellt und bewegt habe. Ich schreibe so ziemlich, denn ich könnte das nicht machen, wenn mir zum einen mein Herzmensch den Rücken freihalten und stärken würde, wie er es tut – und natürlich auch nicht ohne den Zuspruch und die Unterstützung von den lieben Menschen um uns herum, die an mich glauben.
Ich bin eine von vielen. Aber ich weiß, tief in mir drin, dass meine Stimme ebenfalls wichtig ist. Dass ich etwas bewegen kann. Vielleicht darf ich noch die entsprechenden Räume finden, in denen ich sichtbar werden kann. Und vielleicht finden sie mich ja sogar selbst.
