
Draußen. Ich lächele. Spreche zuvorkommend und respektvoll mit Menschen. Grüße freundlich. Ein bisschen Smalltalk hier. Ein paar genauere Erklärungen da.
Ich kann das. Ziemlich gut sogar. Diese Maske beherrsche ich beinahe im Schlaf.
Seit Monaten bin ich in Gesprächen mit Menschen, die mein Kind und unsere Familiesituation kennenlernen sollen, um uns gewisse Unterstützung zu ermöglichen. Wie sehr mich das erschöpfen würde, hätte ich nicht annähernd erwartet. Immerhin fiel es mir doch lange Zeit so leicht, Verbindungen aufzubauen. Und sicher – das ist auch weiterhin so. Denn die Maske sitzt. Doch das Dahinter spüre ich nun deutlich.
Sobald ich das Haus verlasse, lege ich ein freundliches Lächeln auf. Versuche Augenkontakt zu halten. Bin da. Online. Verfügbar. Schaut man genauer hin, sieht man vermutlich auch meine Erschöpfung und Kraftlosigkeit. Doch ich versuche mich in Gesellschaft über Wasser zu halten. Für mein Kind. Für Teilhabe.
Nicht jedem zeige ich mich. Nicht jeder kann das halten. Denn nicht mal ich kann das manchmal wirklich gut.
Betrete ich wieder mein Zuhause, kann ich dabei zusehen, wie die Anspannung aus meinem Körper entweicht: Die Schulter senken sich. Die Arme entspannen sich. Ich atme viele Male tief ein und aus – mein Körper ringt förmlich nach Sauerstoff, so flach und angespannt habe ich zuvor geatmet. Dann nimmt sie sich Raum: Die Müdigkeit. Mein Körper und mein Geist verlangen Ruhe. In der Regel kann ich dem nicht voll und ganz nachgehen – da möchte ein kleiner Mensch begleitet werden. Aber wir arrangieren uns. Meine Stimmung geht in den Keller. Alles, was ich zuvor aufgebracht habe, um im Außen zurecht zu kommen, kann ich mit einmal Zuhause nicht mehr halten. Ich werde still. Möchte kaum noch sprechen. Shutdown.
Das jetzt bewusst wahrzunehmen, ist für mich wichtig. Lange Zeit habe ich diesem Danach nicht genügend Raum gegeben. Habe weitergemacht. Nach dem Motto: Wenn die Maske schon sitzt..
Hab mir damit natürlich keinen Gefallen getan. Dabei wäre es so sinnvoll gewesen, es bereits zu leben, während ich noch für mich alleine zuständig war. Jetzt, mit der Verantwortung für ein Familie, ist es ein Drahtseilakt, sich so authentisch und unmaskiert zu zeigen, ohne dabei komplett aus einer Rolle zu fallen. Denn ich bin Mutter. Ich bin Ehefrau. Da hängt viel dran. Aber ich bin auch Ich. Und das lerne ich genauer kennen. Ohne Masken.
